Die Menschen ergreifen im Vorort Binnish die Flucht. | Bildquelle: AFP

Offensive in Syrien Mehr als 500.000 Menschen auf der Flucht

Stand: 04.02.2020 22:45 Uhr

Die Lage in der syrischen Provinz Idlib wird immer dramatischer: 520.000 Menschen sind vor der Militäroffensive des Machthabers Assads geflohen. Die Türkei will weitere Geländegewinne der syrischen Armee verhindern.

Im Nordwesten Syriens hat eine Militäroffensive mehr als eine halbe Million Menschen in die Flucht getrieben. Das teilten die Vereinten Nationen mit. Hintergrund ist ein Vormarsch der Streitkräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad auf die Provinz Idlib.

"Seit dem 1. Dezember sind rund 520.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden", sagte der Sprecher des UN-Nothilfebüros Ocha, David Swanson. 80 Prozent der Geflüchteten seien Frauen und Kinder. In der Region leben nach Schätzungen rund drei Millionen Menschen.

UN-Generalsekretär António Guterres rief zu einem Ende der Gefechte zwischen der türkischen Armee und syrischen Regierungstruppen in Idlib auf. Dass die türkische und syrische Armee sich gegenseitig bombardierten, sei "äußerst besorgniserregend", sagte Guterres. Der nun seit bald neun Jahren andauernde Konflikt lasse sich nicht militärisch, sondern nur politisch lösen.

"Es gibt keine sicheren Orte in Idlib"

Idlib ist nach fast neun Jahren Bürgerkrieg in Syrien das letzte große Rebellengebiet. Russland und der Iran unterstützen die syrische Regierung. Die Türkei hatte die Region zu einer sogenannten Deeskalationszone erklärt. Die Regierung in Ankara unterhält dort zwölf Beobachtungsposten, die eigentlich einen Waffenstillstand überwachen sollen. 

Kontrolliert wird das Gebiet von der Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS), die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahesteht. Die syrische Regierung wirft der Türkei vor, die Sicherheit zu untergraben, indem sie Tausenden ausländischen Kämpfern erlaube, gegen das syrische Militär zu kämpfen.

Zuletzt hatten die syrische Armee und Russland deshalb ihre Angriffe auf die Region verstärkt und größere Geländegewinne für sich verbucht. Truppen haben inzwischen den westlichen Rand der Rebellenhochburg Sarakeb erreicht. "Es gibt keine sicheren Orte in Idlib, Bomben fallen überall und selbst die, die von den Frontlinien fliehen, sind nicht sicher und da ist nur ein Meer von Menschen, die sich in alle Richtungen bewegen", sagte Jens Laerke vom UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten.

Weitere Drohungen Erdogans

Die Türkei wird laut Präsident Recep Tayyip Erdogan keine weiteren Geländegewinne des syrischen Militärs in der Provinz Idlib zulassen. Der Sender NTV berichtete, Erdogan habe sich gegenüber Journalisten entsprechend geäußert. "Im Moment versucht Syrien, Gebiete zu gewinnen, indem es unschuldige und arme Menschen in Richtung unserer Grenze zwingt", habe er gesagt, und "wir werden Syrien nicht die Gelegenheit geben, Territorium zu gewinnen."

Am Montag waren die Spannungen zwischen türkischem und syrischem Militär in der Provinz Idlib zeitweise eskaliert. Nach offiziellen Angaben wurden sieben türkische Soldaten und ein ziviler Mitarbeiter des Militärs durch syrischen Beschuss getötet. Die Türkei reagierte darauf mit einem Vergeltungsangriff, bei dem mehrere syrische Soldaten ums Leben kamen. Erdogan drohte, der Angriff auf den Konvoi werde für die syrische Regierung "Folgen" haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Dezember 2019 um 05:17 Uhr.

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