Mutmaßliches Giftgasopfer in Chan Scheichun | Bildquelle: REUTERS

Krieg in Syrien Mutmaßliche Giftgasopfer erneut beschossen

Stand: 04.04.2017 14:48 Uhr

Mindestens 58 Menschen sind bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff im Nordwesten Syriens getötet worden. Viele der Verletzten gerieten kurz danach erneut unter Beschuss: Das Krankenhaus, in dem sie behandelt wurden, wurde bombardiert. Die EU-Außenbeauftragte reagierte entsetzt.

Noch immer ist nicht klar, wie viele Menschen in Syrien bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff in der Stadt Chan Scheichun im Nordwesten Syriens getötet worden sind. Die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht mittlerweile von 58 Opfern. Zahlreiche Menschen, die bei dem Luftangriff verletzt wurden, gerieten wenig später erneut unter Beschuss: Ein Reporter der Agentur AFP berichtet aus Chan Scheichun, dass eine Klinik mit einer Rakete beschossen worden sei, in der Ärzte gerade um das Leben zahlreicher Opfer der mutmaßlichen Giftgasattacke kämpften.

Tote und Verletzte nach mutmaßlichem Giftgasangriff in syrischer Provinz Idlib
tagesschau 17:00 Uhr, 04.04.2017, Volker Schwenk, ARD Kairo

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Krankenhaus vermutlich außer Betrieb

Der Reporter beobachtete, wie Ärzte zwischen den Trümmern die Flucht ergriffen. Ob es durch den Raketenbeschuss weitere Verletzte oder Tote gab, konnte er nicht feststellen. Auch die Beobachtungsstelle berichtet über einen neuen Angriff auf Chan Scheichun. Andere Aktivisten erklärten, das Krankenhaus der Stadt sei getroffen worden und außer Betrieb. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Beobachtungsstelle, die den bewaffneten Rebellen nahesteht, stützt sich auf ein dichtes Netzwerk von Informanten in Syrien.

Der vermutete Gasangriff wurde am Morgen bekannt. Unter den Todesopfern sind nach Angaben der Beobachtungsstelle elf Kinder. Darüber hinaus gebe es mehrere Verletzte. Die Überlebenden zeigten typische Symptome wie Atemnot, Ohnmachtsanfälle, Übelkeit und Schaum vor dem Mund. Aufnahmen aus der Klinik zeigten Rettungskräfte der syrischen Weißhelme, die Verletzte mit Wasser abwuschen.

Mogherini macht Assad-Regierung verantwortlich

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bezeichnete den Angriff als "entsetzlich". Er sei eine "Erinnerung an die Tatsache, dass die Lage vor Ort weiter dramatisch ist". Und sie benannte einen Schuldigen: Die Verantwortung für die Tat liege "offensichtlich" beim Regime Assads, weil es die Verantwortung habe, "sein Volk zu schützen und nicht sein Volk anzugreifen".

Laut Beobachtungsstelle war unklar, ob der Angriff von syrischen oder russischen Kampfjets geflogen wurde. Die Stelle äußerte sich nicht dazu, welches Gift bei dem Angriff eingesetzt wurde. In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Angriffen mit Chlorgas gekommen. Die Provinz Idlib wird zu großen Teilen von einem Rebellenbündnis kontrolliert, das vom ehemaligen Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front angeführt wird. Die Gruppe trägt mittlerweile den Namen Fatah al-Scham.

Giftgas mehrfach eingesetzt

Im Syrien-Konflikt haben sowohl die Regierung als auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bereits Giftgas eingesetzt, wie eine Untersuchungskommission der UN in einem Bericht festhielt. Neue Sanktionen gegen Damaskus wegen des Einsatzes von Giftgas scheiterten Ende Februar im UN-Sicherheitsrat am Veto Russlands und Chinas.

Bereits im Jahr 2013 waren östlich der Hauptstadt Damaskus bei Angriffen mit Giftgas mutmaßlich Hunderte Menschen getötet worden. Die Opposition und der Westen machten dafür Syriens Regierung verantwortlich. Diese stimmte danach zu, alle Giftgasvorräte zu vernichten. Chlor fiel jedoch nicht unter das Verbot, weil es für zivile Zwecke benötigt wird.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. April 2017 um 17:00 Uhr.

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