Pro-Assad-Soldat in der Stadt Duma. | Bildquelle: AFP

Kampf um Ost-Ghouta Islamisten wollen "standhaft" bleiben

Stand: 02.04.2018 12:56 Uhr

Die syrischen Staatsmedien bejubeln schon den anstehenden Fall Ost-Ghoutas. Aber anders als berichtet will die letzte verbliebene Rebellengruppe wohl doch noch nicht aufgeben.

Die Rebellengruppe Dschaisch al Islam hat eine Einigung mit der syrischen Führung über den Abzug aus ihrer letzten Bastion im Gebiet Ost-Ghouta bestritten. Man habe beschlossen, "standhaft" zu bleiben, sagte ein Vertreter der islamistischen Rebellengruppe. "Die Idee eines Abzuges liegt nicht auf dem Tisch."

Staatliche syrische Medien verkündeten wiederholt, die Gruppe, die die Stadt Douma dominiert, habe eine Kapitulationsvereinbarung geschlossen. Solche Berichte seien psychologische Kriegsführung, sagte der Vertreter von Dschaisch al Islam jetzt. Sie sollten dazu dienen, die Rebellen zur Aufgabe zu zwingen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete dagegen, dass die ersten Kämpfer von Dschaisch al-Islam und ihre Angehörigen in zwei Bussen nach Dscharabulus in Nord-Syrien gebracht würden: Die Stadt wird von Rebellen und dem türkischen Militär kontrolliert.

Auch die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass die Rebellen Douma verließen. Eine Bestätigung für den Abzug gibt es nicht.

Andere Gruppe soll Douma verlassen haben

Bereits am Sonntag sollen etwa 1200 Kämpfer von Failak al Rahman, einer anderen islamistischen Rebellengruppe, mit 24 Bussen aus Douma weggebracht worden sein. Angehörige von Failak al Rahman waren vor den voran rückenden syrischen Truppen nach Douma geflohen.

Am Samstag hatte die syrische Armee erklärt, sie habe das Gebiet Ost-Ghouta nahezu vollständig zurückerobert.

Offensive dauert schon anderthalb Monate

Mitte Februar hatte die Regierung eine Offensive gegen Ost-Ghouta gestartet. Massive Luftangriffe kosteten mehr als 1600 Menschen das Leben. Zunächst lebten noch etwa 400.000 Menschen in dem belagerten Gebiet. Schließlich gelang es den Assad-treuen Kräften, die Enklave in drei Teile zu teilen und den Aufständischen immer mehr Territorium abzunehmen.

Mitte März konnten die ersten Zivilisten in Regierungsgebiet fliehen. Schließlich waren es mehr als 100.000 Menschen, die sich auf diese Weise in Sicherheit bringen wollten. Im Staatsfernsehen sagten einige von ihnen, die Aufständischen hätten sie mit Waffengewalt daran gehindert, Ost-Ghouta zu verlassen - ein Vorwurf, den die Bewaffneten stets zurückwiesen.

Schließlich erklärten zwei der drei wichtigsten in der Enklave vertretenen Kampfgruppen ihre Kapitulation. Zusammen mit ihren Familien wurden diese Bewaffneten in die Provinz Idlib gebracht, die größtenteils noch in der Hand von Regierungsgegnern ist.

Eine komplette Eroberung Ost-Ghoutas wäre für die Assad-treuen Truppe ein wichtiger Schritt. Dann kontrollierten ihre Gegner neben der Provinz Idlib nur noch einen Streifen entlang der Grenze zu Jordanien und Israel und Enklaven bei Damaskus, Homs und Hama. Nach wie vor ein sehr großes Gebiet im Norden und Nordosten Syriens ist in der Hand der Kurden.

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. April 2018 um 09:00 Uhr.

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