Blick in ein mit Trümmern bedecktes Klassenzimmer in einem beschädigten Schulgebäude in Al-Nayrab, Provinz Idlib, Syrien | Bildquelle: AFP

Amnesty zu Syrien Fassbomben auf Schulen

Stand: 11.05.2020 02:01 Uhr

Ein Bericht von Amnesty International belastet Machthaber al-Assad und russische Streitkräfte schwer. Sie sollen gezielt Schulen und Krankenhäuser angegriffen haben. Dabei kam wohl auch Streumunition zum Einsatz.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat gezielte Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser in Syrien angeprangert. Syrische und russische Streitkräfte hätten allein in den ersten Wochen dieses Jahres 18 solcher Angriffe in Nordwestsyrien begangen, teilte die Organisation bei der Vorstellung eines neuen Berichts über Attacken auf zivile Ziele in dem Land mit. Dabei sei auch Streumunition eingesetzt worden.

Russland unterstützt im Syrien-Krieg den Machthaber Bashar al-Assad. Der Großteil der insgesamt 18 Angriffe wurde laut dem Bericht im Januar und Februar in Idlib, West-Aleppo und dem Gouvernement Hama verübt. Die Syrien-Expertin bei Amnesty International in Deutschland, Vanessa Ullrich, sprach von Kriegsverbrechen.

Für den Bericht "’Nowhere is safe for us’: Unlawful attacks and mass displacement in north-west Syria" seien 74 Menschen befragt worden, darunter Vertriebene, Lehrerinnen, Ärzte und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Die Zeugenaussagen würden durch Videos, Fotos, Satellitenbilder und abgehörte Kommunikation der russischen und syrischen Luftwaffe untermauert, teilte Amnesty mit.

Amnesty International wirft Russland und Assad-Regime Kriegsverbrechen in Nordwestsyrien vor
tagesschau 17:00 Uhr, 11.05.2020, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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Bombardements auf Krankenhäuser

"Mit der jüngsten Offensive auf die letzten noch von Oppositionsgruppen gehaltenen Gebiete im Nordwesten Syriens setzt sich das unmenschliche Muster gezielter Angriffe der Assad-Regierung auf die Zivilbevölkerung und zivile Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser fort", sagte Ullrich.

Amnesty hat nach eigenen Angaben erstmals belegt, dass russische Streitkräfte direkt Luftangriffe auf ein Krankenhaus ausgeführt hätten. Ein überlebender Arzt berichtete den Angaben zufolge, dass bei einem Angriff in der Nähe des al-Shami-Hospitals in der Provinz Idlib am 29. Januar 2020 mindestens zwei nahe gelegene Wohngebäude zerstört worden seien. Elf Zivilisten, darunter ein Kollege, seien getötet und mehr als 30 verletzt worden.

Auf der Grundlage übereinstimmender Zeugenaussagen sowie Beobachtungen sogenannter Planespotter (Flugzeugbeobachter) kam Amnesty zu dem Schluss, dass russische Streitkräfte für diesen rechtswidrigen Angriff verantwortlich seien.

Streumunition aus russischer Produktion

Auch gebe es Belege für den Abwurf von Fassbomben und vom Boden abgefeuerte Streumunition auf zwei Schulen am 28. Januar und 25. Februar 2020. Eine Lehrerin schildert in dem Bericht den Tod einer Schülerin bei einem der Angriffe: "Ich spürte eine solche Hitze, als würden meine Füße verbrennen."

Bei den eingesetzten Geschossen habe es sich um 9M27K-Frachtraketen mit einem Kaliber von 220 Millimeter gehandelt, die in Russland hergestellt und an die syrische Armee geliefert wurden. Die Frachtraketen enthielten dem Bericht zufolge völkerrechtswidrige Streumunition.

Eine Million Menschen auf der Flucht

Angesichts der Gewalt in Syrien sei eine Fortsetzung des in Deutschland geltenden Abschiebestopps nach Syrien unabdingbar, erklärte Ulrich. Das Regime von Baschar al-Assad terrorisiere die Zivilbevölkerung vorsätzlich.

Zwischen Dezember und März wurden nach UN-Angaben fast eine Million Menschen aus Nordwestsyrien vertrieben. Laut Amnesty handelt es sich bei mehr als 80 Prozent der Menschen um Frauen und Kinder. Seit Beginn des Bürgerkriegs vor neun Jahren wurden bereits mehr als 380.000 Menschen getötet. Millionen weitere Menschen wurden in die Flucht getrieben.

Amnesty International-Bericht Syrien: Gezielte Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen
Björn Blaschke, ARD Kairo
11.05.2020 08:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Mai 2020 um 09:02 Uhr.

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