Wladimir Putin | Bildquelle: ALEXANDER ZEMLIANICHENKO/POOL/EP

Abschuss russischer Maschine Putin entschärft Konflikt mit Israel

Stand: 18.09.2018 19:08 Uhr

Die israelische Armee soll Schuld an dem Abschuss eines russischen Militärflugzeugs haben. Russland sprach zunächst von einem "feindseligen Akt". Nun ruderte Putin zurück und nannte es eine "Verkettung unglücklicher Umstände".

Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Abschuss eines russischen Flugzeuges als Verkettung unglücklicher Umstände bewertet und entschärfte damit einen sich anbahnenden Konflikt mit Israel. Man müsse noch genau untersuchen, was in Syrien passiert sei, sagte er am Rande eines Treffens mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban in Moskau. Putin kündigte an, die Konsequenzen aus dem Vorfall sollten der Sicherheit der russischen Soldaten in Syrien dienen. Die Sicherheit aller Truppen werde so verbessert, "dass es jeder merken wird", so Putin.

Seiner Äußerung in Moskau folgte auf eine Schuldzuweisung gegen Israel. Zwar fiel das Militärflugzeug einem Fehltreffer der syrischen Luftabwehr zum Opfer. Doch die israelischen Kampfjets, die die Syrer im Visier hatten, hätten sich bei ihrem nächtlichen Angriff auf Ziele in Syrien hinter dem russischen Flugzeug versteckt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau.

"Ein feindseliger Akt"

Über die Militäroperation in der Region habe Israel Russland erst eine Minute vor Beginn informiert. Die Zeit habe nicht ausgereicht, damit sich das Flugzeug in Sicherheit bringen konnte. Dies sei ein "feindseliger Akt" und eine "Provokation", auf die sich Russland eine "angemessene Reaktion" vorbehalte, hatte es zunächst aus Moskau geheißen.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman gegen den Vorfall protestiert. Das Verhalten der Israelis verstoße gegen den Geist der Partnerschaft mit Russland. Die volle Verantwortung für den Abschuss und den Tod der 15 Mann Besatzung liege auf israelischer Seite. Die russische Regierung bestellte den israelischen Botschafter ein. 

Russisches Aufklärungsflugzeug wurde von syrischer Luftabwehr abgeschossen
Markus Sambale, ARD Moskau
18.09.2018 13:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Israel sieht Syrien in der Verantwortung

Israel wies die Vorwürfe Russlands zurück. Premierminister Benjamin Netanyahu sprach Putin telefonisch sein Beileid zum Tod der Soldaten aus. Israel nehme aber für sich das Recht in Anspruch, gegen iranische Truppen in Syrien und Waffenlieferungen an die libanesische Hisbollah-Miliz vorzugehen, betonte Netanyahu. Sein Land werde Russland alle notwendigen Informationen für die Aufklärung des Vorfalls zur Verfügung stellen. Putin sagte laut der Agentur Tass in dem Gespräch, dass die israelischen Militäraktionen Syriens Souveränität verletzten.

Die israelische Armee erklärte in einer Stellungnahme, sie halte "den Iran und die Hisbollah-Terrororganisation für diesen unglücklichen Vorfall für verantwortlich". Nach eigenen Angaben griff Israels Luftwaffe eine Einrichtung der syrischen Armee an. Von dort hätten im Auftrag des Irans Waffen zur Schiiten-Miliz Hisbollah in den Libanon gebracht werden sollen

Wrack offenbar gefunden

Die russische Maschine des Typs Il-20 war nach Angaben Moskaus am Montag von einer S-200-Rakete getroffen worden, die die syrische Luftabwehr abgefeuert hatte. Die mit Russland verbündeten Syrer wollten mit der Rakete eigentlich israelische Kampfflugzeuge treffen, die zur gleichen Zeit einen Angriff über Syrien flogen. Das Geschoss traf dann aber ungewollt das verbündete russische Flugzeug, das gerade im Landeanflug auf einen syrischen Flughafen war, hieß es.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums fanden russische Suchschiffe im Mittelmeer inzwischen Wrackteile der Maschine. Auch Leichenteile der 15 getöteten Soldaten an Bord seien geborgen worden. Die Absturzstelle liege im Meer etwa 27 Kilometer westlich des syrischen Küstenortes Banias.

Russische Kampfjets auf der syrischen Luftwaffenbasis Latakia (Archivbild) | Bildquelle: AP
galerie

Russische Kampfjets auf der syrischen Luftwaffenbasis Latakia (Archivbild)

Aktivisten zufolge kamen bei dem Raketenangriff auf ein Waffenlager in Latakia mindestens zwei Soldaten ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ging davon aus, dass Israel für den Angriff verantwortlich ist. Aktivisten in der Gegend berichteten, die Raketen seien aus Richtung des Mittelmeers gekommen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Russland und Israel sind in Syrien keine Verbündeten, sprechen sich aber eng ab. Israel griff in den vergangenen Monaten mehrfach Ziele in Syrien an, wenn es dort Raketen- oder Waffenlager seines Erzfeindes Iran vermutete. Wie Russland und die libanesische Hisbollah-Miliz unterstützt auch der Iran in Syrien die Führung von Präsident Bashar al-Assad.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. September 2018 um 18:15 Uhr.

Darstellung: