Trauerbriefe zum Gedenken der Opfer von Poway in Kalifornien | Bildquelle: AP

Angriff in Synagoge Mahnende Worte in tiefer Trauer

Stand: 28.04.2019 20:22 Uhr

Entsetzt und traurig haben die Menschen auf die Schießerei in der Synagoge im US-Bundesstaat Kalifornien reagiert. Politiker und Religionsvertreter verurteilten die Tat und warnten vor zunehmendem Antisemitismus.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Ein 19-Jähriger hatte am Samstag eine Synagoge in dem Ort Poway betreten und um sich geschossen. Dabei wurden eine ältere Frau getötet und drei Menschen wurden verletzt. Der Täter wurde festgenommen. Er steht auch im Verdacht, zuvor Hassparolen im Netz verbreitet zu haben.

Gebete für die Opfer von Poway in Kalifornien | Bildquelle: AP
galerie

Nach der Tat trafen sich viele Menschen in ihren Gemeinden in Kalifornien, um für die Opfer von Poway zu beten.

Danny Almog steht noch immer unter Schock. Er war zum Zeitpunkt der Schießerei in der Synagoge in Poway, mit seinen Kindern, die sich in einem anderen Teil des Gebäudes aufhielten. Der Täter, so Almog, habe eine Weste und ein Sturmgewehr getragen. Er sei gekommen, um zu morden. "Wir sahen den Hass in seinen Augen."

Almog versuchte, zu seinen Kindern zu gelangen. Er sah seinen Schwiegervater, der sich über eines seiner Enkel geworfen hatte. Ein Freund der Familie griff weitere Kinder, um sie in Sicherheit zu bringen. Der Täter schoss auf ihn und verletzte den 34-Jährigen am Bein. Ebenfalls verletzt wurden ein neunjähriges Mädchen und der Rabbi. Offenbar verdankt dieser einem Gemeindemitglied sein Leben. Nach Zeugenaussagen hatte sich die 60-jährige Lori Gilbert-Kaye vor den Rabbi geworfen, sie wurde bei der Schießerei tödlich getroffen.

 Verdächtige Ankündigung im Netz

Der mutmaßliche Täter lebe noch bei seinen Eltern und gehe auf eine Pflegeschule, berichtet das Lokalfernsehen. Polizeilich ist er bislang nicht aufgefallen. Die Ermittler prüfen nun, ob von ihm ein Papier stammt, das gut zwei Stunden vor dem Angriff im Internet hochgeladen wurde. Darin wurde die Attacke angekündigt, auch ein Facebook-Video versprochen. Der Link funktionierte aber offenbar nicht.

Der Autor bekennt sich in dem nicht verifizierten Schreiben auch zu einem bislang nicht aufgeklärten Brandanschlag auf eine Moschee im kalifornischen Escondido, gut 20 Kilometer von Poway entfernt. Er nimmt zudem Bezug auf den mutmaßlichen Attentäter von Christchurch, der für einen Anschlag auf zwei Moscheen mit 50 Todesopfern in Neuseeland verantwortlich sein soll.  

Politik und Religionsvertreter verurteilen Tat

Von der Direktorin des Holocaust-Gedenkmuseums der Vereinigten Staaten heißt es in einem Statement: "Dies sollte uns als erneuter Weckruf dienen, dass Antisemitismus eine wachsende und tödliche Bedrohung ist."

US-Präsident Donald Trump sprach von einem Hassverbrechen. Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden schrieb auf Twitter: "Niemand soll Angst dabei haben, seine Religion auszuüben. Als Land müssen wir uns gegen Fanatismus und Waffengewalt aussprechen. Wir sind im Kampf um die Seele unserer Nation, wir alle müssen etwas tun."

Politik und Religionsvertreter verurteilen Tat

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat US-Präsident Donald Trump für ein verschärftes Klima in Politik und Gesellschaft verantwortlich gemacht. "Das ist gefährlich, auch für die jüdische Gemeinschaft in den USA", sagte Klein der Funke Mediengruppe. Klein führte die Gewalt auch auf das liberale Waffenrecht in den USA zurück. "Wenn ein Täter vom Hass im Internet radikalisiert ist, kann er schneller als etwa in Deutschland und Europa ein Gewehr oder eine Pistole kaufen", sagte er. Er forderte daher eine Verschärfung des Waffenrechts.

Avner Shalev, Vorsitzender von Yad Vashem, sagte: "Wir haben in den vergangenen Monaten einen besorgniserregenden Wiederanstieg antisemitischer Angriffe beobachtet." Auf jedem Kontinent gebe es Gewalt gegen Juden, "nur weil sie Juden sind". Staatschefs in aller Welt müssten "ihre Stimme erheben und Antisemitismus in allen seinen Formen verurteilen", forderte er.

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen, Olav Fykse Tveit, erklärte: "Diese mörderischen Anschläge auf Menschen, die sich zum Beten versammelt haben, verletzen uns alle. Als Erwiderung darauf dürfen wir nicht erlauben, dass unsere Gemeinschaften auseinander getrieben werden, sondern wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um in Frieden und Respekt zusammen zu leben."

Der Jüdische Weltkongress reagierte entsetzt auf den "bösartigen Angriff" nur sechs Monate nach einer Schießerei in einer Synagoge in der US-Stadt Pittsburgh mit elf Toten. "Es gibt absolut keine Rechtfertigung oder Erklärung für eine solche Gewalt", erklärte der Präsident des Kongresses, Ronald S. Lauder. Es sei unvorstellbar, dass erneut unschuldige Menschen Ziel von Gewalttaten seien nur aufgrund ihrer Religion und weil sie entschieden hätten, einen Gottesdienst zu besuchen.

Der Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen (CAIR) drückte seine Solidarität mit der jüdischen Gemeinde der Region San Diego aus. Die Organisation rief alle Gebetshäuser und religiösen Organisationen auf, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

Tödliche Schießerei in Synagoge nahe San Diego
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
28.04.2019 18:15 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 28. April 2019 die tagesschau um 13:15 Uhr und MDR Aktuell um 19:35 Uhr.

Korrespondentin

Darstellung: