Fahnen des Tech-Festival South by Southwest (SXSW) hängen an Straßenlaternen. | Bildquelle: dpa

Nach SXSW-Absage wegen Corona Austin im Festival-Loch

Stand: 15.03.2020 08:52 Uhr

Keine Musik, keine Fachveranstaltungen, keine Besucher: Nach der Absage des Tech-Festivals "South by Southwest" wegen des Coronavirus kämpft die texanische Stadt Austin mit den Folgen.

Von Torben Ostermann, ARD-Studio Washington, zzt. Austin

Ein Café in Austins Innenstadt: Ein junges Pärchen sitzt an einem Tisch am Fenster, sonst ist niemand hier. Es ist leer - nicht nur in diesem Cafe, sondern auch nebenan und auch auf den Straßen. Eigentlich ist die Stadt in diesen Tagen Mitte März rappelvoll. Alleine aus Deutschland hatten sich mehr als 1000 Jung-Unternehmer angemeldet, um ihre Ideen amerikanischen Investoren zu präsentieren, denn das "South by Southwest" (SXWS) ist eine der wichtigsten Bühnen der digitalen Welt.

Claudia Schwarz von der Netzwerk-Plattform German Innovation ist trotz der Absage nach Austin gereist und versucht zu retten, was zu retten ist: "Wir haben in den letzten Tagen 70 Prozent unserer Sponsoren verloren, die waren alle vom Reiseverbot betroffen."

Eine Woche vor dem Start des Festivals hat die Stadtverwaltung von Austin die Reißleine gezogen: Die Bedrohung durch das Coronavirus war zu groß geworden - das SXSW wurde abgesagt. Schwarz und ihr Team hatten bereits alles organisiert: Bars und Veranstaltungsräume gemietet, Redner und Gäste eingeladen. Sie war schon dutzende Male in Austin, kennt hier viele Leute. Über die Jahre sind Freundschaften entstanden. "Die Menschen hier sind sehr nett. Viele Deals sind per Handschlag verabredet worden, das wird jetzt sicherlich alles auf den Prüfstand gestellt."

Veranstalter Bangen um Zukunft von SXSW

Nach der Absage von "South by Southwest" bangen die Veranstalter um seine Zukunft, denn das Festival war für diesen Fall nicht versichert. "Wir planen, weiterzumachen und 2021 ein weiteres Event zu veranstalten - aber ich bin mir nicht ganz sicher, wie wir das machen werden", sagte Festival-Chef Roland Swenson dem "Wall Street Journal". Die finanziellen Einbußen könnten nach Schätzungen der Organisatoren Dutzende Millionen Dollar erreichen.

Der finanzielle Schaden ist enorm. Die etwa 80.000 Besucher aus aller Welt dürften auf ihren Tickets sitzen bleiben. Kaum ein Veranstalter ist gegen Pandemien versichert.

Millionen-Dollar-Umsatz fehlt

Etwa 50 Meter über den Straßen Austins hat Fred Schmidt sein Büro. Er ist hier eine so etwas wie ein Start-Up-Idol: Durch den Verkauf seiner Computerspiel-Firma zu Geld gekommen, investiert er nun sein Vermögen in junge Unternehmen. Momentan erkennt er sein Austin kaum wieder: "Die ganze Innenstadt wird normalerweise von dem Festival eingenommen. Überall ist was los, es ist so aufregend. Die Stadt nun so zu sehen, ist traurig und macht mir Angst."

Ein Auto fährt am Neal Kocurec Memorial Center in Austin, Texas, vorbei, wo das Festival South by Southwest stattfinden sollte | Bildquelle: REUTERS
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Kein Festival, keine Besucher: Der Veranstaltungsort ist leer.

Zum 34. Mal hätte das Festival dieses Jahr stattfinden sollen, fast genauso lange ist Schmidt schon dabei. Mit den Jahren wurde das SXSW immer größer, immer bedeutender - auch für den Wirtschaftsstandort Austin. "Allein durch das Festival werden in Austin innerhalb von neun Tagen rund 350 Millionen Dollar umgesetzt. Bezieht man alles mit ein, also auch Firmen von außerhalb sind es sogar 500 Millionen Dollar."

Stimmung "komisch und ungewohnt"

Alexander Jones betreibt ein kleines Café in der Nähe des Rathauses. Er hatte sich auf die Massen eingestellt, auf den Umsatz kann der Jungunternehmer kaum verzichten: "Es tut schon weh. Ich habe viel eingekauft, Aushilfskräfte angestellt. Das brauche ich nun alles nicht. Das schmerzt."

Claudia Schwarz tut es vor allem für die freien Künstler leid - auch sie sind ein wichtiger Teil des Festivals. Es ist eine Branche, in der das Geld eh schon knapp sei, erzählt sie. "Wir haben hier einen jungen Regisseur, der acht Jahre lang an einem Film gearbeitet hat und diesen jetzt hier präsentieren wollte. Der ist jetzt natürlich zwischen Baum und Borke.“

Viele Bürger Austins beschreiben die Stimmung in der Stadt gerade als komisch und ungewohnt. Beinahe trotzig wirken da die kleinen Konzerte, die momentan in zahlreichen Hinterhöfen stattfinden. Das Festival ist abgesagt, der Schaden kaum abzusehen. Das öffentliche Leben aber, es geht weiter - zumindest noch.

Austin kämpft mit den Folgen nach Festival-Absage
Torben Ostermann, ARD Washington, zzt. Austin
15.03.2020 09:46 Uhr

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