Das Containerschiff "Ever Given" fährt über den Suezkanal. | dpa

Nach Havarie im Suezkanal Ägypten hält "Ever Given" weiter fest

Stand: 12.05.2021 10:24 Uhr

Tagelang hatte der Containerfrachter "Ever Given" den Suezkanal blockiert - jetzt hat Ägypten das Schiff festgesetzt. Die Schadenersatzansprüche müssen geklärt werden, so die Behörden. Außerdem soll der Kanal ausgebaut werden.

Ägypten hat den Ende März im Suezkanal verunglückten Frachter "Ever Given" beschlagnahmt. Das riesige Containerschiff dürfe das Land nicht verlassen, bis die Schadenersatzansprüche mit dem japanischen Eigentümer geklärt sind, sagte der Leiter der Kanalverwaltung, Osama Rabie. Die Summe, die seine Behörde verlangt, nannte er nicht. Ein Rechtsvertreter der Kanalbehörde bezifferte sie auf umgerechnet mindestens 742 Millionen Euro. Auch die staatliche Zeitung "Ahram" nannte diese Zahl.

Bergungskosten und Gebühren

Die Schadenersatzforderung bezieht sich auf die Bergungskosten und während der Blockade ausgebliebene Gebühren für die Kanaldurchfahrt. Das Schiff hatte Güter im Wert von rund 2,9 Milliarden Euro geladen. Der Rechtsvertreter sagte, ein Gericht in Ismailia habe die Beschlagnahme der "Ever Given" verfügt und ein Ermittlungsverfahren zur Unglücksursache eröffnet.

Die etwa 400 Meter lange "Ever Given" hatte sich auf einem einspurigen Stück des Kanals quergestellt und zwischen den Ufern verkeilt. Dadurch war eine wichtigsten Wasserstraßen der Welt tagelang blockiert, was zu einem gewaltigen Rückstau führte. Erst nach knapp einer Woche wurde das Schiff freigeschleppt und auf dem Großen Bittersee festgesetzt, durch den der Suezkanal führt.

"Die wollen gar nichts zahlen"

Rabie wollte die Unglücksursache nicht näher erörtern. Ermittlungsergebnisse würden für Donnerstag erwartet, sagte er. Die Kanalbehörde trage jedenfalls keine Schuld. Der Fehler liege "natürlich" beim Eigentümer, mit dem verhandelt werde. "Die wollen gar nichts zahlen", kritisierte Rabie. Der Eigentümer Shoei Kisen Kaisha äußerte sich zunächst nicht.

Ein Rechtsstreit könnte kompliziert werden, denn der Frachter gehört einer japanischen Firma, wird von einer taiwanischen Spedition betrieben und fährt unter panamaischer Flagge.

Südlicher Kanalabschnitt soll breiter werden

Ungeachtet dessen zieht Ägypten nach der tagelangen Blockade Konsequenzen und hat angekündigt, einen Teil des Schifffahrtsweges auszubauen. Der südliche Kanalabschnitt solle verbreitert und vertieft werden, sagte der Rabie während einer Zeremonie in Ismailia, an der Präsident Abdel-Fattah al-Sisi und ranghohe Regierungsmitglieder teilnahmen.

Der Plan sieht vor, den Kanal an seinem südlichen Ende um etwa 40 Meter nach Osten zu verbreitern, auf der Seite der Halbinsel Sinai, wie Rabie erklärte. Der 30 Kilometer lange Abschnitt werde außerdem von derzeit 20 Metern auf 22 Meter vertieft. Eine 2015 eröffnete zweite Fahrrinne soll um zehn Kilometer verlängert werden. Dann könnten Schiffe auf dem Kanal auf einer Strecke von 82 Kilometern gleichzeitig in beide Richtungen fahren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 12. Mai 2021 um 10:00 Uhr.

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Moderation 12.05.2021 • 13:12 Uhr

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