Frühwarnflugzeug-Flugzeug Berijew A-50  | Bildquelle: AP

Warnschüsse auf Militärjet Russland widerspricht Südkorea

Stand: 23.07.2019 11:35 Uhr

Ein russisches Aufklärungsflugzeug hat Südkoreas Luftraum verletzt - so jedenfalls die Darstellung der Regierung in Seoul, die auch von Warnschüssen ihrer Luftwaffe berichtet. Russland stellt den Vorfall anders dar.

Zwischen Südkorea und Russland sorgt ein Zwischenfall mit einem russischen Militärflugzeug für Verstimmung. Zunächst hatten südkoreanische Stellen gemeldet, zwei Abfangjäger hätten 360 Warnschüsse auf das Flugzeug abgegeben, nachdem es in den Luftraum des Landes eingedrungen sei.

Russland dagegen bestreitet nun, dass eines seiner Flugzeuge den südkoreanischen Luftraum verletzt habe. Der geplante Flug zweier russischer Bomber sei über neutralen Gewässern des Japanischen Meeres durchgeführt worden, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Es seien auch keine Warnschüsse von südkoreanischen Kampfjets abgegeben worden. "Wenn russische Piloten eine Sicherheitsbedrohung verspüren würden, würde die Antwort nicht lange auf sich warten lassen."

Laut Russland näherten sich den russischen Flugzeugen in der Nähe der Inselkette zwei südkoreanische Kampfjets, "die unprofessionelle Manöver ausführten, dabei den Kurs eines russischen strategischen Bombers mit Luft-Boden-Raketen kreuzten und damit eine Gefahr für ihre Sicherheit schufen". Die südkoreanischen Piloten hätten auch keinen Kontakt zu den russischen Maschinen gehabt.

"Es war nicht das erste Mal, dass südkoreanische Piloten erfolglos versuchten, russische Flugzeuge daran zu hindern, über die neutralen Gewässer des Japanischen Meeres zu fliegen", so das russische Ministerium. Es nannte dies eine Luftverteidigungszone, die von südkoreanischer Seite spontan festgelegt worden sei. Solche "Zonen" seien nicht durch internationale Regeln festgelegt.

Botschafter einbestellt

Nach Darstellung des südkoreanischen Verteidigungsministeriums war das russische Flugzeug dagegen zweimal innerhalb kurzer Zeit in den Luftraum des Landes eingedrungen. Die Vorfälle ereigneten sich demnach vor der Ostküste nahe einer Felseninselkette, die von Südkorea Dokdo genannt wird. Zwei Bomber vom Typ TU-95 und ein Aufklärungsflugzeug vom Typ A-50 seien zunächst in die Luftraumüberwachungszone der Inselgruppe geflogen, die von Südkorea kontrolliert, aber auch von Japan beansprucht wird. Diese Zone gehört nicht direkt zum Hoheitsgebiet eines Landes, stellt aber einen Puffer gegen unberechtigtes Eindringen dar.

Das russische Aufklärungsflugzeug sei zunächst abgedreht, dann aber zurückgekehrt und über die vorgelagerte Überwachungszone hinaus in den südkoreanischen Luftraum eingedrungen. Südkoreanische Jets seien ihm gefolgt und hätten die Warnschüsse abgegeben. Auch zwei chinesische Kampfflugzeuge seien in diese Zone hinein geflogen.

Außenministerium und Generalstab in Seoul bestellten die Botschafter und Militärattachés Moskaus und Pekings ein und überreichten ihnen Protestnoten. Der Zwischenfall sei der erste mit einem Flugzeug der russischen Luftwaffe gewesen, hieß es.

Belastete Beziehungen

Im Territorialstreit im Japanischen Meer ist Russland keine Partei. Allerdings sind die Beziehungen zwischen Moskau und Seoul historisch belastet. Die Sowjetunion unterstützte im Koreakrieg von 1950 bis 1953 den Norden; 1983 schoss ein russischer Kampfjet ein südkoreanisches Passagierflugzeug mit 269 Menschen an Bord ab, das irrtümlich in den Luftraum der damaligen Sowjetunion geflogen war. Diplomatische Beziehungen wurden erst 1990, ein Jahr vor dem Zerfall der Sowjetunion, aufgenommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juli 2019 um 12:00 Uhr.

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