Ein Netzwerkkabelstecker leuchtet in einer Netzwerkzentrale in Baden-Württemberg. | Bildquelle: dpa

Weltweit an der Spitze Darum hat Südkorea das schnellste Internet

Stand: 04.01.2019 09:27 Uhr

In keinem Land der Welt kann man so schnell und günstig surfen wie in Südkorea. Offiziell sind mehr als 99 Prozent der Haushalte vernetzt. Wie hat das Land geschafft, an der Weltspitze zu stehen?

Von Martin Fritz, ARD-Studio Tokio

Seit Langem trumpft Südkorea mit seinem Internet auf. Im IT-Entwicklungsindex der Vereinten Nationen belegt die zehntgrößte Industrienation der Welt seit Jahren den ersten oder zweiten Platz. Im September ermittelte der Dienstleister Opensignal für Südkorea eine durchschnittliche Surfgeschwindigkeit von mehr als 45 Megabit pro Sekunde. Das deutsche Internet ist mehr als die Hälfte langsamer.

Auch bei der Netzabdeckung liegt Südkorea an der Weltspitze. Offiziell haben über 99 Prozent der Haushalte einen Internetzugang in Hochgeschwindigkeit. In Deutschland beträgt die Netzabdeckung laut Opensignal nur 57 Prozent.

Südkoreas Vorsprung ist relativ einfach zu erklären: Der Staat entschied 1990, ein flächendeckendes Internet aufzubauen. Als erstes wurden Behörden und Ministerien verbunden. Auch wurde die Branche dereguliert, um einen gesunden Wettbewerb anzuheizen. Der Staat förderte die Entwicklung neuer Technologien. Die ISDN-Telefontechnik wurde übersprungen, bald setzte sich der DSL-Standard durch. Nach nur acht Jahren waren 40 Prozent der Bevölkerung mit dem Internet verbunden. Schon bald wurden Glasfaserkabel verlegt.

Lizenzen günstiger als in Deutschland

D-Mobilfunklizenzen für schnellere Übertragungen wurden vom Staat relativ preisgünstig vergeben, damit die Telekom-Unternehmen ihre Netze möglichst schnell aufbauten. In Südkorea kosteten die UMTS-Lizenzen, die nach der Jahrtausendwende verkauft wurden, nur 2,6 Milliarden Euro. Der deutsche Staat kassierte dafür damals rund 20 Mal mehr, nämlich 50,8 Milliarden Euro.

Menschen vor einem 5G-Schild | Bildquelle: dpa
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Südkorea verkaufte Lizenzen für 2,8 Milliarden Euro.

So ging es bis heute weiter: Die LTE-Lizenzen in Südkorea wurden bei drei Auktionen zwischen 2010 und 2016 für insgesamt 4,9 Milliarden Euro versteigert. Deutsche Telekom-Unternehmen legte dafür das Doppelte auf den Tisch. Bei der neuen 5G-Technik ergibt sich das gleiche Bild. Südkorea hat die Lizenzen für 2,8 Milliarden Euro verkauft, der deutsche Staat erhofft sich das Drei- bis Vierfache.

Deshalb sparen die deutschen Mobilfunkanbieter bis heute an ihren Netzen, während das mobile Internet in Südkorea relativ günstig ist. Ob U-Bahnen, Behörden, Cafés oder Kaufhäuser - überall gibt es Zugang zu kostenlosem WLAN. Prepaid lässt sich Datenvolumen für umgerechnet knapp ein Euro je GB kaufen.

Viele Vorteile gegenüber Deutschland

Allerdings hatte Südkorea beim Ausbau des Internets auch einige Vorteile gegenüber Deutschland. Fast die Hälfte der Einwohner lebt im Großraum Seoul und die meisten Südkoreaner wohnen in Hochhäusern. Zudem ist Südkorea dreieinhalb Mal kleiner als Deutschland. Das alles senkt die Anschlusskosten für Breitband. Die Kehrseite der Medaille sind die Glasfaser-Spaghetti in luftiger Höhe über Bürgersteigen und Straßen, weil die Kabel häufig überirdisch verlegt werden.

Warum Südkorea das schnellste Internet hat
Martin Fritz, ARD Tokio
04.01.2019 08:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Januar 2019 um 07:41 Uhr in der Wirtschaft.

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