Massendemonstration in Khartum | Bildquelle: AFP

Machtpoker im Sudan Die Revolution als Volksfest

Stand: 26.04.2019 02:11 Uhr

Im Sudan ringen Militärrat und Opposition um die Macht. Hunderttausende Demonstranten fordern weiter eine zivile Regierung. Ob das gelingt, ist offen.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo, zzt. Khartum

Sie malen sich die Farben der Nationalflagge auf die Backe, die Arme und über das ganze Gesicht. Pfannkuchen, Sandwiches, Eier und Suppen werden am Straßenrand angeboten. Sie haken sich unter, tanzen, singen, schreien "Freiheit, Friede, Gerechtigkeit".

Volksfeststimmung unter Hunderttausenden dicht gedrängt auf den Straßen Khartums. Die Stimmung kocht über, das Anliegen ist ernst. Sie wollen die Revolution im Sudan zu einem guten Ende bringen, ihre neu gewonnene Freiheit verteidigen, einen Machtwechsel durchsetzen, der diesen Namen verdient.

"Ich bin seit dem ersten Tag der Proteste ganz vorne mit dabei", sagt Mohamed el Neima. "Wir kämpfen für die Würde unseres gesamten Volkes, für Freiheit und Sicherheit", so der Ingenieur. "Das alte Regime hat uns die Freiheit genommen, sich nicht an Recht und Gesetz gehalten. Jetzt bauen wir zusammen einen neuen Sudan, in dem es gerecht zugeht."

Krise im Sudan: Opposition protestiert erneut gegen Militärrat
tagesschau 20:00 Uhr, 25.04.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo zzt. Khartum

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Machtpoker am Hauptquartier des Militärs

Ärzte, Anwälte, Richter haben sich der Massenbewegung ebenso angeschlossen wie Bauern, Tagelöhner, Studenten aus allen Ecken des Landes. Ein bunter Querschnitt der Bevölkerung. Eine Million Menschen sollen es allein am Donnerstag gewesen sein, sagen Oppositionsgruppen.

Viele hat es dahin gezogen, wo die Fäden der Macht noch immer zusammenlaufen: Zum Platz vor dem Militärhauptquartier im Zentrum von Khartum. Sie wollen den Druck auf den herrschenden Militärrat hochhalten. Gerade jetzt, wo die Gespräche zwischen Militär und Opposition in die entscheidende Phase gehen. In einem sind sie sich einig: Die Herrschaft des Militärs muss beendet werden. "Wir alle wollen eine zivile Regierung. So einfach ist das", sagt Ola Azhari.

Baschirs Sturz ist nicht genug

Allerdings ist das nicht leicht. Die alten Eliten wollen von der Macht nicht einfach so lassen. Zu viel steht auf dem Spiel: Pfründe, Geld, Einfluss. Die neuen Machthaber haben auch unter Langzeitdiktator Umar al-Baschir gedient, waren Teil des Systems, bis zu seinem Sturz am 11. April.

Hunderttausende demonstrieren in Khartum für einen Machtwechsel | Bildquelle: AFP
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Sie fordern "Freiheit und Sicherheit". Hunderttausende demonstrieren in Khartum für einen Machtwechsel.

Dem 75-Jährigen war die Wirtschaftskrise, der Währungsverfall, die galoppierende Inflation, aber auch Korruption und brutale Härte gegen die eigene Bevölkerung zum Verhängnis geworden. Was als Protest gegen die Verdreifachung der Brotpreise begann, endete in seinem Sturz. Das Militär entzog dem gerissenen Diktator Baschir seine Gunst und setzte ihn fest.

Damit aber wollen sich die Demonstranten nicht zufrieden geben. Sie fordern den vollständigen Neuanfang. "Unsere Forderungen sind klar", sagt Mohamed el Neima: "Uneingeschränkte Freiheit für das sudanesische Volk, Gerechtigkeit und Frieden. Niemand darf mehr ausgebeutet werden."

Maximalforderungen, von denen die Verhandlungsführer der Opposition letztlich wohl Abstriche machen müssen, auch wenn das offiziell niemand zugeben will.

Al-Rashid Saeed, Sprecher des Oppositionsbündnis SPA, formuliert das so: "Die Ziele der Revolution sind nicht verhandelbar, wir halten daran fest, sie vollständig umzusetzen. Wir sprechen lediglich darüber, wie sie umgesetzt werden können."

"Krebsgeschwür Baschir" entfernen

Der Militärrat gibt sich immerhin kompromissbereit. Drei umstrittene Mitglieder sind zurückgetreten. Ein Zugeständnis an die Opposition. Mit der sei man sich in vielen Punkten einig, lässt er verlauten. In den anderen Punkten würden in Komitees nun Lösungen gesucht. "Wir haben den Gesprächskanal nach einer Unterbrechung wieder geöffnet", sagt Oppositionssprecher Saeed. "Die Gegenseite hat uns darum gebeten. Das Ziel der Gespräche ist es, einen Deal zu finden."

Das könnte noch ein zäher Prozess werden. Die Zeit allerdings läuft den Oppositionsgruppen davon. Ziehen sich die Verhandlungen über Monate hin, droht ihre Machtbasis zu erodieren, der Druck der Straße nachzulassen.

Aus der Erfahrung der gescheiterten Revolution in Ägypten haben sie jedoch zumindest eines gelernt: Mit dem Auswechseln einiger weniger Männer an der Spitze des Staates ist es nicht getan. Die neuen Machthaber setzen das alte System einfach fort oder verschärfen es sogar noch.

Ein Demonstrant, der nicht genannt werden will, bringt es so auf den Punkt: "Wenn die Militärs das Krebsgeschwür von Baschir nicht in sich tragen, können wir sie akzeptieren. Wenn doch, müssen sie weg." Die Stunde der Wahrheit rückt näher. Ohne Kompromisse aber wird der Machtübergang kaum gelingen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. April 2019 um 20:00 Uhr.

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