Demonstranten in Khartum | Bildquelle: REUTERS

Proteste im Sudan "Das Regime muss fallen!"

Stand: 25.12.2018 16:25 Uhr

Zunächst ging es nur um höhere Brotpreise - inzwischen rufen die Demonstranten zur Revolution auf. Wie gefährlich wird das für Diktator al-Baschir? Die Sorge vor einem Bürgerkrieg im Sudan wächst.

Von Constantin Schreiber, ARD-Studio Kairo

"Huriya" - "Freiheit" skandieren Hunderte Demonstranten, die durch die sudanesische Hauptstadt Khartum ziehen. Und weiter: "Revolution ist der einzige Weg."

Es wird eng für Sudans herrschenden Diktator Omar al-Baschir. Seit einer Woche flammen überall im Land immer wieder Proteste gegen die Regierung auf. Ausgelöst wurden sie durch eine Verdreifachung des Brotpreises. Für die Menschen im Sudan, das mit einem pro-Kopf Einkommen von 4500 US-Dollar im Jahr nach dem Jemen das ärmste Land der arabischen Welt ist, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Regierung verbreitet Verschwörungstheorien

Als Folge der Proteste hat die Regierung bereits am Samstag 13 Oppositionspolitiker festnehmen lassen und verbreitet Verschwörungstheorien. Ein Sprecher des Präsidenten behauptete auf einer Pressekonferenz, dass die Opposition von Israel unterstützt werde, um den Sudan ins Chaos zu stürzen.

Immer häufiger kommt es bei den Protesten zu tödlichen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Mindestens 20 Menschen sollen bisher gestorben sein. Weil sich die Lage von Tag zu Tag zuspitzt, sah sich al-Baschir am Montagabend dazu genötigt, weitreichende Reformen anzukündigen, die den "Menschen ein ordentliches Leben ermöglichen."

Oppositionelle bringen sich für möglichen Regimewechsel in Stellung
tagesschau 20:00 Uhr , 25.12.2018, Constantin Schreiber, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Al-Baschir seit 1989 an der Macht

Die Ankündigung scheint zu verpuffen. Unmittelbar nach al-Baschirs Auftritt kündigten die Demonstranten an, weiter auf die Straße zu gehen. "Das Regime muss fallen" lautet ihre klare Forderung.

Demonstranten in Khartum | Bildquelle: REUTERS
galerie

"Das Regime muss fallen" fordern die Demonstanten auf den Straßen Khartums.

Omar al-Baschir hält sich seit 1989 an der Macht. Er steht an der Spitze einer brutalen Militärregierung. Etwa 30 Prozent der Staatsausgaben fließen in das Militär - einer der höchsten Anteile weltweit. Die Regierung macht immer wieder mit Menschenrechtsverletzungen Schlagzeilen, zum Beispiel an der Bevölkerung im Bundesstaat Darfur, im Westen des Landes. Arabische Reitermilizen, die so genannten Dschandschawid, machen dort seit 2003 Jagd auf Menschen, zerstören Dörfer und vergewaltigen Frauen. Wegen dieser Menschenrechtsverletzungen wurde gegen al-Baschir bereits 2008 ein internationaler Haftbefehl erlassen.

Nachbarländer sind alarmiert

Die derzeitigen Proteste gegen die Regierung alarmieren auch die Nachbarländer, vor allem Ägypten. Chaos im Sudan könnte die gesamte Region weiter destabilisieren. Ägypten fürchtet zudem eine Flüchtlingswelle aus dem südlichen Nachbarland, sollten die Unruhen anhalten.

Die Zweifel wachsen, dass al-Baschir sich an der Macht wird halten können. Der im Exil in Kairo lebende Oppositionspolitiker Ali Mahmoud Hassanin sagt, seine Partei bereite sich jetzt auf einen Machtwechsel im Sudan vor. Er gehe davon aus, dass die Polizei und die Armee zum Volk überlaufen werden. Dann wollen er und andere Oppositionelle in das Land zurückkehren. "Wir haben bereits neue, demokratische Strukturen für unser Land entworfen. Die wir dann schnell umsetzen wollen, um ein Chaos zu vermeiden."

Sudans Präsident Omar al-Baschir | Bildquelle: AFP
galerie

Sudans Präsident Omar al-Baschir hält sich seit fast 30 Jahren an der Macht.

Derweil widersetzt sich al-Baschir weiter allen Rücktrittsforderungen. Heute trat er vor Anhängern im Bundesstaat Jazira auf und sagte, diejenigen, die öffentliche Einrichtungen zerstörten und auf die Straße gingen, seien "Verräter". Ausgerechnet die Dschandschawid, die arabischen Reitermilizen aus Darfur, soll al-Baschir nun um Unterstützung gebeten haben, um die Proteste im Sudan niederzuschlagen. Nichts deutet auf eine friedliche Beilegung des Konflikts hin.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Dezember 2018 um 20:00 Uhr.

Darstellung: