Bundespräsident Steinmeier | Bildquelle: dpa

Steinmeier in Yad Vashem Eine Rede, bei der jedes Wort sitzen muss

Stand: 22.01.2020 07:10 Uhr

Die Reise des Bundespräsidenten nach Israel ist eine ganz besondere: Steinmeier wird am Donnerstag als erstes deutsches Staatsoberhaupt in der Gedenkstätte Yad Vashem sprechen. Anlass ist der 75. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Wohl selten haben sich der Bundespräsident und seine Berater so viele Gedanken über eine so kurze Rede gemacht: Wenn Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag als erstes deutsches Staatsoberhaupt in der Gedenkstätte Yad Vashem spricht, dann hat er in der eng getakteten Zeremonie nur etwa acht Minuten Zeit - mehr nicht. Da sollte jedes Wort sitzen.

Klare Worte

Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist sich sicher, dass der Bundespräsident die richtigen Worte finden wird: "Bislang habe ich es immer erlebt, dass wir von ihm das gehört haben, was in der Funktion des Staatsoberhauptes notwendig und wichtig war."

Zum Beispiel nach dem antisemitischen Terroranschlag in Halle im vergangenen Oktober. Da sagte Steinmeier: "Mich ergreift Zorn über die nicht enden wollende Dummheit, Feigheit und Brutalität der Angriffe auf jüdische Gemeinden in unserem Land." Oder als er im Dezember beim jüdischen Gemeindetag auftrat und unmissverständlich klarstellte: "Diese Republik ist nur dann vollkommen bei sich, wenn Juden hier vollkommen sicher sind. Dieses Land ist nur dann ein Zuhause, wenn auch Juden sich hier zuhause fühlen."

Besucher gehen durch die "Halle der Namen" in der Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem
galerie

Ein zentraler Raum in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ist die "Halle der Namen".

Die Welt schaut zu

Die Rede in Yad Vashem ist nochmal eine besondere Herausforderung, denn Steinmeier wird auf Englisch sprechen. Das Bundespräsidialamt verspricht deutliche Worte: Über die bleibende deutsche Verantwortung für den millionenfachen Mord der Shoa, über die Erinnerung als Ansporn und Verpflichtung, eine bessere Gegenwart zu gestalten und eine klare Absage an jedwede Forderung nach einem Schlussstrich unter dieses Kapitel der deutschen Geschichte.

Die Welt schaut zu in Yad Vashem und vor allem die Israelis werden sehr genau hinhören, wenn das deutsche Staatsoberhaupt spricht, sagt Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus:

"Wir sind unter ganz besonderer Beobachtung der Israelis, das spüre ich selber auch. Was ich von mir gebe in der Öffentlichkeitsarbeit, ist in Israel sofort rezipiert. Und das ist auch gut so, denn die israelische Gesellschaft ist diesbezüglich ist ein sehr guter Seismograf."

Negative Entwicklung in Deutschland

Ein Seismograf, der gerade ziemlich heftig ausschlägt angesichts der negativen Entwicklungen in Deutschland. Da möchte Steinmeier natürlich gerne einen Gegenpol setzen. Es liegt viel Fokus auf dem Reden bei diesem Besuch in Israel, aber es wird für ihn auch ums Zuhören gehen.

Nach einem Gespräch mit seinem Amtskollegen Reuven Rivlin zum Auftakt besucht der Bundespräsident die Hilfsorganisation Amcha. Dort trifft er Überlebende des Holocaust, die ihm aus erster Hand erzählen werden, was sie während der Nazi-Zeit erlebt haben und wie sie sie überlebt haben.

Steinmeier besucht Gedenkstätte Yad Vashem in Israel
Sabine Müller, ARD Berlin
22.01.2020 05:00 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 22. Januar 2020 um 06:17 Uhr.

Korrespondentin

Sabine Müller Logo HR

Sabine Müller, HR

Darstellung: