Heinz-Christian Strache erklärt seinen Rücktritt. | Bildquelle: REUTERS

Untreueverdacht Ermittlungen gegen Strache

Stand: 26.09.2019 14:56 Uhr

Er soll versucht haben, private Ausgaben über seine Partei abzurechnen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien gegen Ex-FPÖ-Chef Strache und zwei seiner Mitarbeiter.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Wie die Wiener Staatsanwaltschaft schriftlich mitteilte, richten sich die Ermittlungen auch gegen Straches frühere Büroleiterin und seinen ehemaligen Leibwächter. Sie werden verdächtigt, Rechnungen und Scheinbelege eingereicht zu haben, die die FPÖ dazu bringen sollten, "auch private Ausgaben" zu bezahlen.

Heinz-Christian Strache verfügte als FPÖ-Chef nach Angaben seines heimatlichen Wiener Landesverbands über ein Spesenkonto in Höhe von 10.000 Euro pro Monat. Zudem sei ihm ein monatlicher Wohnkostenzuschuss in Höhe von 2500 Euro eingeräumt worden.

Büroleiterin und Ex-Leibwächter vernommen

Bereits Anfang der Woche hatte die Wiener Staatsanwaltschaft sowohl den ehemaligen Leibwächter, der vermutlich jahrelang angeblich belastendes Material gegen seinen damaligen Chef gesammelt habe, und die frühere Büroleiterin vorläufig festgenommen und ausführlich vernommen. Dabei hat der Ex-Leibwächter, ein Polizist und Wiener FPÖ-Lokalpolitiker, nach übereinstimmenden Berichten österreichischer Medien "ausgepackt" und eine "Lebensbeichte" gegenüber den Ermittlern abgelegt.

Wie die Wiener Staatsanwaltschaft heute mitteilte, laufe das Verfahren in der Spesenaffäre seit dem 18. September. Es habe sich aus "Beweisergebnissen der Causa Ibiza" entwickelt, so die Staatsanwaltschaft.

Screenshot aus dem Video | Bildquelle: dpa
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Strache war im Mai nach der Veröffentlichung eines Videos zurückgetreten, das in schwer belastete. Darin ist zu sehen, wie der Ex-FPÖ-Chef versucht, dubiose Geschäfte mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte zu machen.

Schlechter Zeitpunkt für negative Schlagzeilen

Für die FPÖ kommen die jüngsten Entwicklungen rund um ihren ehemaligen Parteichef wenige Tage vor den Nationalratswahlen am Sonntag zur Unzeit. Schlagzeilen wie "Strache-Beben", und "Strache Causa zerreißt FPÖ" dominieren die Berichterstattung. Norbert Hofer, der neue Parteichef, gab bereits am Dienstag auf seiner Facebook-Seite die Botschaft aus:

"Ich versichere an dieser Stelle, dass alle Vorwürfe, die jetzt gegen Heinz-Christian Strache erhoben werden, von unserer Partei bis ins kleinste Detail untersucht werden. Dies werden wir rasch und gewissenhaft durchführen. Und wir werden die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informieren und ich werde als Obmann der Freiheitlichen Partei auch nicht zögern, die nötigen und angebrachten Konsequenzen zu ziehen, sollten sich die Vorwürfe bestätigen."

Strache spricht von "Schmutzkübelkampagne"

Die Ergebnisse der FPÖ-internen Untersuchungen wolle die Partei erst in der Woche nach den Wahlen präsentieren. Für den FPÖ-Abgeordneten im Nationalrat, Robert Lugar, steht fest: "Wenn man sich als Obmann nicht so verhält, wie man das muss aufgrund der Statuen, aufgrund der Dinge, die man im Vorstand auch beschlossen hat, dann muss es natürlich Konsequenzen geben, aber ich gehe mal nicht davon aus."

Dagmar Belakowitsch, ebenfalls Parlamentsabgeordnete der FPÖ und seit vielen Jahren im Wiener Landesverband, verteidigte Strache hingegen: "Dass Politiker Spesenkonten haben, ist ja an und für sich nichts ganz Ungewöhnliches. Ich sitze seit 2005 im Wiener Landesparteivorstand. Dort gab es keinen Beschluss." Strache wies alle Anschuldigungen zurück. Es handele sich um eine "Schmutzkübelkampagne" gegen ihn.

Kurz vor der Wahl – Wiener Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen gegen Ex-FPÖ-Chef Strache
Clemens Verenkotte, ARD Wien
26.09.2019 13:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 26. September 2019 um 14:20 Uhr.

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