Leerer Strand mit roter Flagge in Sri Lanka | Bildquelle: REUTERS

Sri Lanka nach den Anschlägen Touristen bleiben aus

Stand: 08.05.2019 17:17 Uhr

Gut zwei Wochen nach den Anschlägen auf Sri Lanka demonstriert Präsident Sirisena Gelassenheit. Das Land sei wieder sicher. Nun hoffen die Menschen auf die Rückkehr der Touristen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Sri Lanka versucht nach den Terroranschlägen vom Ostersonntag zur Normalität zurückzukehren. Präsident Maithripala Sirisena sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP, das Land sei wieder sicher, fast alle Verdächtigen seien tot oder in Haft: "Unsere Sicherheitsdienste haben alle Terroristen identifiziert und 99 Prozent von ihnen wurden verhaftet. Ein oder zwei sind noch auf der Flucht, aber die haben wir auch bald. Wir haben deren Waffen und Sprengstoff sichergestellt und deren Rückzugsorte und Trainingscamps aufgelöst. Unsere Sicherheitsbehörden waren sehr erfolgreich, deshalb ist unser Land jetzt in einem besseren Zustand."

Soldaten in Colombo, Sri Lanka | Bildquelle: AFP
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Präsident Maithripala Sirisena sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP, das Land sei wieder sicher.

Auch Premierminister Ranil Wickremesinghe lobte die Arbeit der Sicherheitsbehörden. Die Gefahr sei aber noch nicht vorüber, sagte der Regierungschef vor dem Parlament in Colombo: "Wir sind Opfer des internationalen Terrorismus geworden. Auch wenn wir alle Terroristen hier im Land in Haft genommen haben, ist der Terrorismus nicht besiegt. Wir müssen mit den anderen Ländern den internationalen Terrorismus bekämpfen, wir müssen Informationen und Technologie austauschen. Und dafür müssen wir den rechtlichen Rahmen schaffen."

Viel weniger Touristen

Bei einer Serie von Selbstmordanschlägen, auf drei Kirchen und drei Luxushotels, waren am Ostersonntag rund 250 Menschen getötet worden, darunter auch Dutzende Touristen aus dem Ausland. Seitdem ist der in den vergangenen Jahren florierende Tourismus in Sri Lanka drastisch eingebrochen. Nach Angaben der Tourismus-Behörde sank die Zahl der ausländischen Besucher im April um 7,5 Prozent. Dies sei der größte Rückgang in einem Monat seit Ende des Bürgerkriegs vor zehn Jahren.

An den Stränden des Ferienortes Negombo, nördlich der Hauptstadt von Sri Lanka, wo am Ostersonntag in der Kirche Sankt Sebastian eine Bombe explodiert war, herrscht gähnende Leere. In den Strand-Restaurants und Hotels gibt es zurzeit kaum Gäste.

Keine Gäste in der Bar des Warahena Beach Hotels in Bentot, Sri Lanka | Bildquelle: REUTERS
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Gähnende Leere in den Restaurants und Bars.

Eigentlich sei ihr Haus ausgebucht gewesen, sagte Hotelbesitzerin, Samanmali Collone, einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters, doch nach Ostern hätten alle Gäste storniert. "Die Hotelbranche ist besonders betroffen von den Anschlägen am 21. April. Es kommen keine Touristen mehr und ich weiß gar nicht, wie ich mein Hotel weiter führen soll. Wir müssen unsere Kredite zurückzahlen. Und die Bank will uns keine weitere Überziehung genehmigen. Anweisung von oben, hieß es."

Titel des "besten Reiseziels" verloren

2,3 Millionen Reisende kamen nach Angaben der Tourismus-Behörde allein im vergangenen Jahr nach Sri Lanka. 400 Prozent mehr als noch vor 10 Jahren, unmittelbar nach Ende des Bürgerkrieges. Der Reiseführer Lonely Planet verlieh der Perle des Indischen Ozeans, wie der Inselstaat an der Südspitze Indiens genannt wird, den Titel bestes Reiseziel des Jahres 2019. Doch das ist nun Geschichte.

Und es sind nicht nur die Hotels, die den Einbruch bei den Buchungszahlen zu spüren bekommen. Rund eine Million Menschen in Sri Lanka leben direkt oder indirekt vom Tourismus. Souvenirverkäufer und Rikscha-Fahrer sind ebenfalls betroffen. "In unserer Vereinigung sind 60 TucTuc-Fahrer organisiert, aber im Moment gibt es absolut nichts zu tun. Schauen Sie, nur drei Fahrer stehen jetzt hier, aber auch für uns gibt es keine Kundschaft. Wir stehen nur rum und warten", sagt ein Rikscha-Fahrer.

Schulen wieder geöffnet

Im öffentlichen Leben in Sri Lanka kehrt allmählich wieder Ruhe ein. Die Ausgangssperren wurden aufgehoben, Anfang der Woche wurden auch die Schulen wieder geöffnet, obwohl viele Eltern ihre Kinder noch zu Hause behielten. Auch in Negombo selbst hat sich die angespannte Lage offenbar wieder beruhigt. Dort waren am vergangenen Wochenende bei gewalttätigen Auseinandersetzungen Geschäfte, Wohnhäuser und Fahrzeuge von Muslimen beschädigt worden.

Sri Lanka und die Rückkehr zur Normalität: Touristen bleiben aus
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
08.05.2019 16:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Mai 2019 um 15:38 Uhr.

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