Trauer in Sri Lanka | M A PUSHPA KUMARA/EPA-EFE/REX

Sri Lanka IS reklamiert Anschläge für sich

Stand: 23.04.2019 13:33 Uhr

Über ihr Propaganda-Sprachrohr hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" die Anschläge in Sri Lanka für sich reklamiert. Sri Lankas Regierung geht von Vergeltung für den Angriff auf Moscheen in Neuseeland aus.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat die Anschläge auf Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka für sich reklamiert. "Diejenigen, die den Angriff ausgeübt haben, der vorgestern Bürger der US-geführten Koalition und Christen in Sri Lanka zum Ziel hatte, sind Kämpfer des Islamischen Staates", meldet das IS-Sprachrohr Amaq. Belege für diese Behauptung lieferte die Terrormiliz aber nicht. Mit "Bürgern der Koalition" bezeichnet der IS die Staatsbürger von Ländern, die der internationalen Anti-IS-Koalition angehören.

Die Regierung von Sri Lanka geht davon aus, dass die Taten als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch gedacht waren. Rachegelüste und Hass, nicht Religion, hätten die Täter motiviert, sagte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene im Parlament. Ein australischer Rechtsextremist hatte in Christchurch Mitte März 50 Menschen getötet.

Offenbar Brüderpaar unter den Attentätern

Für zwei Selbstmordanschläge auf Hotels in der Hauptstadt Colombo sind offenbar zwei muslimische Brüder verantwortlich. Die Söhne eines wohlhabenden Gewürzhändlers aus Colombo hätten sich als Gäste ausgegeben und in den Hotels Shangri-La und Cinnamon Grand in die Luft gesprengt, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Polizei. Die Brüder hätten innerhalb ihrer Familie eine "Terrorzelle" gebildet, wird ein Ermittler zitiert.

Nach Angaben der Regierung befinden sich 42 Menschen nach den Anschlägen in Gewahrsam, darunter ein syrischer Staatsbürger. Einer der Attentäter war demnach vor wenigen Monaten wegen der Beschädigung von Buddha-Statuen festgenommen worden. Bei neun Festgenommenen handle es sich um Mitarbeiter einer Fabrik, die einem der anderen Täter gehörte.

Regierung geht von internationalem Netzwerk aus

Die Regierung machte gestern eine extremistische Islamistengruppe mit Verbindungen zur Gruppe National Thowheeth Jamaath für die Anschläge verantwortlich. Sie ist überzeugt, dass die Täter Hilfe aus dem Ausland gehabt haben müssen. Am Ostersonntag hatten sich insgesamt sieben Selbstmordattentäter in drei Kirchen und drei Luxushotels in die Luft gesprengt. In der vergangenen Nacht trat ein öffentlicher Notstand in Kraft. Nach dem Gesetz sind etwa Hausdurchsuchungen ohne Erlaubnis eines Gerichts und Verhaftungen ohne Haftbefehl möglich.

Die Zahl der Toten stieg nach offiziellen Angaben auf 311. Unter den Opfern sind demnach 37 Ausländer. Mehr als 500 Verletzte würden noch in Krankenhäusern behandelt.

Massenbeerdigung in Negombo in Sri Lanka | REUTERS

In Sri Lanka werden die Opfer bestattet. In Negombo gab es eine Massenbeerdigung. Bild: REUTERS

Staatstrauer in Sri Lanka

Am Morgen wurden drei Schweigeminuten für die Opfer abgehalten. Im Ort Negombo, wo eine Kirche angegriffen worden war, gab es eine Massenbeerdigung. Im ganzen Land versammelten sich Menschen zu Trauerzeremonien - gemeinsame mit Hinterbliebenen wie Sudesh Kolonne.

Der Familienvater verlor seine Frau und seine fünfjährige Tochter: "Meine Tochter und meine Frau hatten sich so auf die Ostermesse gefreut. Kurz vor dem Ende bin ich schon raus aus der Kirche. Dann habe ich diesen lauten Knall gehört. Meine Tochter lag auf dem Boden. Daneben meine Frau. Sie lagen einfach da. Beide tot."

Mit Informationen von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 23. April 2019 um 13:00 Uhr.