Soldaten stehen in Sri Lanka vor einer Kirche in Colombo. | Bildquelle: REUTERS

Explosionen in Kirchen und Hotels Mehr als 150 Tote bei Anschlägen in Sri Lanka

Stand: 21.04.2019 11:40 Uhr

Während Ostergottesdiensten sind in Sri Lanka Anschläge auf Kirchen und auf beliebte Hotels verübt worden. Mehr als 150 Menschen wurden in den Tod gerissen. Unter den Opfern sind auch Ausländer.

Bei einer Serie von Explosionen in Kirchen und Hotels in Sri Lanka sind mindestens 156 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch 35 Ausländer, sagte ein Polizeivertreter. Hunderte weitere Menschen wurden verletzt. Stunden nach sechs nahezu zeitgleichen Explosionen wurden zwei weitere Anschläge gemeldet.

Mindestens 64 Menschen wurden laut dem Polizeivertreter bei Explosionen in drei Luxushotels und der St.-Antonius-Kirche in Colombo getötet. Mindestens 67 weitere starben in der St.-Sebastian-Kirche im nahe von Colombo gelegenen Touristenort Negombo.

25 weitere wurden in einer Kirche in Batticaloa im Osten des Landes getötet. Hinter den Explosionen an zwei Kirchen steckten möglicherweise Selbstmordattentäter. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwebten in Lebensgefahr.

Tote und Verletze nach Anschlagsserie in Sri Lanka
tagesschau 12:20 Uhr , 21.04.2019, Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi

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Ausgangssperre nach zwei weiteren Explosionen

Die Explosionen erschütterten die drei Kirchen, während die Gläubigen die Ostermesse feierten. Unter den Todesopfern waren nach Krankenhausangaben US-Bürger, Briten und Niederländer. Zur gleichen Zeit explodierten mehrere Bomben in drei Hotels in der Hauptstadt, dem Shangri-La, dem Cinnamon Grand und dem Kingsbury-Hotel. Die Hintergründe sind noch unklar.

Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen. Zunächst kam es in einem kleinen Hotel in Dehiwala-Mount Lavinia, einem Vorort von Colombo, zu einer siebten Detonation. Dabei kamen mindestens zwei Menschen ums Leben.

Anschließend ereignete sich eine achte Explosion in Orugodawatta, ebenfalls einem Vorort im Norden Colombos. Zum genauen Ort der Explosion und den möglichen Opfern gibt es noch keine Angaben. Als Reaktion verhängte das Verteidigungsministerium eine zwölfstündige Ausgangssperre in dem Land. Sie soll um 18 Uhr Ortszeit (14.30 Uhr MESZ) in Kraft treten.

Krisensitzung des Kabinetts

Sri Lankas Staatspräsident Maithripala Sirisena sprach von "Angriffen". Die Streitkräfte und die Polizei würden der "Verschwörung" auf den Grund gehen. Er rief in einem Statement die Bevölkerung zu Ruhe und Besonnenheit auf. Premierminister Ranil Wickremesinghe appellierte an alle Bürger, "in dieser unglücklichen Zeit zusammenzuhalten und stark zu sein". Der Regierungschef berief das nationale Sicherheitskabinett zu einer Sitzung ein.

Bundesregierung reagiert betroffen

Die Bundesregierung reagierte tief betroffen. "Entsetzen über die Nachricht, dass Christen auf Sri Lanka während der Ostermessen angegriffen und getötet wurden", schrieb der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, auf Twitter. "Wir trauern um sie und beten für die Verletzten und Familien. Terrorismus, religiöser Hass und Intoleranz dürfen nicht siegen."

Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte die Anschläge aufs Schärfste. "Die Nachrichten aus Sri Lanka machen fassungslos. Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und hoffen mit den Verletzten", schrieb er auf Twitter. Am Osterfest so viel Hass zu erleben, schmerze. "Ostern ist ein Fest der Liebe, das uns lehrt: Hass unsererseits kann nie die Lösung sein."

Maas: Gezielter Anschlag auf Christen

Weiter erklärte der SPD-Politiker: "Diese niederträchtige Tat richtete sich offenbar gezielt gegen Menschen, die sich am Ostersonntag in der Kirchen dem Gebet und der Besinnung widmeten, sowie gegen Reisende. Nichts kann die gezielte Ermordung unschuldiger Menschen rechtfertigen."

Die deutsche Botschaft in Sri Lanka stehe mit den lokalen Behörden in Kontakt und bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind. "Deutsche, die sich in Sri Lanka aufhalten, sollten sich von den Anschlagsorten fernhalten und den Anweisungen der Behörden Folge leisten", riet Maas. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter der Rufnummer 030-50000 melden.

Nur wenige Katholiken in Sri Lanka

Im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka sind nur sechs Prozent Katholiken. Zu ihnen gehören Mitglieder der tamilischen Minderheit und der singhalesischen Mehrheit. Ostern ist das höchste Fest des Christentums. Gläubige feiern die Auferstehung Jesu Christi.

Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Europäer. Sri Lankas 26-jähriger Bürgerkrieg war 2009 zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee besiegte die Aufständischen schließlich mit aller Härte. Die Vereinten Nationen werfen beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi, zu den Anschlägen in Sri Lanka
tagesschau24 11:00 Uhr, 21.04.2019

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. April 2019 um 07:00 Uhr.

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