Gedenken in Madrid | Bildquelle: AFP

Spanien gedenkt der Corona-Opfer "Ihr Schmerz ist unserer"

Stand: 16.07.2020 13:36 Uhr

Spanien hat in einem Staatsakt Abschied von den 28.000 Toten genommen, die infolge der Corona-Pandemie ums Leben kamen. König Felipe VI. sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus und würdigte den Einsatz aller Helfenden.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Es ist einer der besonders berührenden Momente dieses Morgens: König Felipe VI. läuft mit seiner Tochter Leonor zur Flamme, die zum Gedenken an die Opfer entzündet worden ist. Sie legen eine weiße Rose nieder. Beide tragen sie schwarze Atemmasken, dem Anlass angemessen.

Rund 400 Gäste haben sich hier im Vorhof des Königspalasts von Madrid versammelt, um der Opfer zu gedenken - darunter EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen oder NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Gedenken in Madrid - Königsfamilie | Bildquelle: REUTERS
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Die spanische Königsfamilie gedenkt der Corona-Opfer. "Dieser Akt kann den Schmerz aber nicht lindern", betonte der 52-jährige Monarch.

Auch Hernando Calleja ist gekommen. Er hat seinen Bruder verloren. José Maria Calleja war ein bekannter Journalist, der früher gegen die baskische Terrororganisation ETA angeschrieben hat und um sein Leben fürchten musste. Die ETA hat er überlebt, das Coronavirus nicht: "José Maria war ein mutiger und aufrichtiger Mann. Aber das Virus hat keinen Unterschied gemacht. Auch die besten, die größten Kämpfer, sind von uns gegangen. Das Virus war und ist ein kalter, grausamer und zerstörerischer Vollstrecker."

Niemand dürfe vergessen werden, der sein Leben gelassen habe, Gedenken sei Pflicht. Die Erinnerung ist für die Opfer die größte Würdigung, so Calleja, sichtlich bewegt.

Gedenken vor dem Königspalast in Madrid | Bildquelle: dpa
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Gedenkfeier mit Abstandsregeln vor dem Königspalast in Madrid

Der Staatsakt ist aber nicht nur eine Gedenkfeier für die mehr als 28.000 Toten, die das Virus in Spanien gefordert hat. Es ist auch eine Würdigung für all jene, die in dieser Krise an vorderster Front waren, zum Beispiel das Gesundheitspersonal.

Botschafter des letzten Abschieds

Die Krankenschwester Aroa López aus Barcelona spricht heute in ihrem Namen. Wir haben Situationen erlebt, die die Seele beschädigen sagt sie: "Wir waren Botschafter des letzten Abschieds für alte Menschen, die alleine starben, während sie die Stimme ihrer Kinder durch das Telefon hörten. Wir haben Videotelefonate gemacht, Hände gehalten und Tränen heruntergeschluckt, wenn jemand sagte: Lass mich nicht alleine sterben."

Aroa Lopez spricht auf der Gedenkfeier in Madrid | Bildquelle: ZIPI POOL/EPA-EFE/Shutterstock
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Aroa López sprach im Namen des Gesundheitspersonals.

Sie erzählt von den schlimmen Wochen, als die Krankenhäuser völlig überlastet waren - und sie und ihre Kollegen sich schrecklich machtlos fühlten: "Wir haben alles gegeben, am Rande unserer Kräfte gearbeitet und vielleicht besser denn je verstanden, warum wir diesen Beruf gewählt haben: Um zu helfen und Leben zu retten. Auch wenn viele Kollegen dafür selbst ihr Leben geben mussten."

König Felipe VI. ehrt Einsatz

Über 52.000 Krankenhausmitarbeiter haben sich in Spanien mit dem Coronavirus infiziert, 63 sind gestorben. Das würdigte auch Spaniens König Felipe VI. in seiner Ansprache: "Diese Krise hat unser Land und unsere Gesellschaft auf die Probe gestellt. Aber wir haben auch das Wertekorsett von Tausenden von Mitbürgern gesehen, die ihre Kraft und ihre Arbeit in den Dienst der Gemeinschaft gestellt haben."

König Felipe VI. hält eine Rede auf der Gedenkfeier in Madrid | Bildquelle: AFP
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König Felipe VI. hält eine Rede auf der Gedenkfeier in Madrid

Der König würdigte dieses "hingebungsvolle, kompromisslose Verhalten" besonders. Aber er zeigte auch Respekt vor der gemeinsamen Anstrengung aller Spanier, die während der wochenlangen harten Ausgangssperre eisern zu Hause geblieben waren. An die Adresse der Angehörigen sagte er: "Sie sind in Ihrem Schmerz nicht alleine. Ihr Schmerz ist unserer."

Emotionaler Staatsakt für die Covid-19-Opfer
Marc Dugge, ARD Madrid
16.07.2020 12:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juli 2020 um 13:00 Uhr.

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