Unterstützer der rechten Vox schwenken vom Auto aus Flaggen, während sie als Protest-Korso durch die Stadt fahren. | REUTERS

Coronavirus in Spanien Erneute Proteste, Touristen erst ab Juli

Stand: 23.05.2020 16:42 Uhr

Trotz erneuter Proteste bleibt Spaniens Regierung streng: Touristen sind erst ab Juli wieder in dem von der Corona-Pandemie schwer geplagten Land willkommen. Die Wirtschaft stellt das vor Probleme.

Spanien will erst im Sommer wieder seine Grenzen öffnen, um die für die Wirtschaft so wichtigen Touristen ins Land zu lassen. "Ab Juli wird der Empfang ausländischer Touristen unter sicheren Bedingungen wiederaufgenommen werden", verkündete Ministerpräsident Pedro Sánchez in einer Rede an die Nation. "Wir werden garantieren, dass die Touristen keine Risiken eingehen werden und auch, dass sie keine Risiken für uns verursachen", versicherte er.

Sánchez' Ankündigung machte Hoffnungen auf eine baldige Wiederaufnahme des Tourismus zunichte, die aufkamen, als mit Italien ein anderer Corona-Brennpunkt Europas die Grenzöffnung für Touristen ab dem 3. Juni angekündigt hatte.

Viele Bürger Spaniens, aber auch Vertreter der Wirtschaft werden angesichts der anhaltenden Beschränkungen unruhig. Das mit 234.824 registrierten Infektionsfällen und 28.000 Covid-19-Toten am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene EU-Land hatte wochenlange, strikte Ausgangssperren erlassen, die erst sehr langsam gelockert werden.

Regierungskritische Demos in Spanien | AFP

Die rechte Partei Vox hatte zu Autokorsos in Spanien aufgerufen, bei denen Anhänger ihrem Ärger über die Corona-Auflagen Luft machten. Bild: AFP

Druck auf Regierungschef wächst

Doch der Druck der Unternehmer und der konservativen Opposition auf die sozialdemokratische Regierung wächst. Tausende folgten einem Aufruf der rechtspopulistischen Partei Vox, bei Kundgebungen in den großen Städten Madrid, Barcelona und anderen Städten gegen die Auflagen zu protestieren.

Viele kamen in einem Autokorso zusammen, an dem sich auch Vox-Chef Santiago Abascal beteiligte. Es gab Hupkonzerte und viele riefen immer wieder "Viva España!" oder "Freiheit, Freiheit!", schwenkten Nationalfahnen oder forderten lautstark Sánchez' Rücktritt.

Dem Konvoi folgten sehr viele Demonstranten zu Fuß, die die Abstandsregeln nicht einhielten und im Zentrum Madrids mehrere Verkehrsadern blockierten.

Die größte Oppositionspartei Partido Popular (PP) beteiligte sich nicht an dem Korso, warf Sánchez aber ebenfalls vor, die Freiheiten der 47 Millionen Spanier einzuschränken. PP-Vizesekretärin Ana Beltrán sagte, man unterstütze friedliche Proteste gegen die Regierung, "weil die Menschen es satt haben".

Sánchez: Vorsicht als "Gütesiegel" Spaniens

Sánchez wies die Vorwürfe mit den Worten zurück, es gebe "keinen Konflikt zwischen Gesundheit und Geschäft". "Der spanische Tourismus wird von nun an zwei Gütesiegel haben: Ökologische Nachhaltigkeit und sanitäre Sicherheit", sagte er.

Auf Antrag der Regierung war jüngst der seit Mitte März geltenden Notstand bis zum 6. Juni verlängert worden. Eine weitere Verlängerung wird erwogen.

Mehrere andere EU-Länder haben bereits in Aussicht gestellt, ihre Grenzen im Sommer wieder für Touristen zu öffnen. Griechenland kündigte den Start der diesjährigen Tourismussaison für den 15. Juni an. Internationale Flüge sollen demnach ab dem 1. Juli wieder schrittweise anlaufen. Österreich will seine Grenzen zu Deutschland am 15. Juni öffnen. In den Niederlanden sollen Urlauber ab dem 1. Juli wieder Campingplätze besuchen dürfen. Die Bundesregierung will Mitte Juni ihre weltweite Reisewarnung aufheben und durch detaillierte Hinweise zu einzelnen Ländern ersetzen.