Kinder an einem Strand auf Mallorca | Bildquelle: AFP

Balearen und Kanaren Pilotprojekt mit deutschen Touristen

Stand: 18.05.2020 12:52 Uhr

Bereits Ende Juni wollen die Balearen deutsche Touristen testweise ins Land holen. Auch die Kanaren verfolgen einen ähnlichen Plan. Doch die dringend benötigten Gäste müssen einige Vorgaben erfüllen.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Die Balearischen Inseln leben vom Tourismus. An ihm hängt fast jeder zweite Arbeitsplatz auf Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera. Daher ist der Druck von Hoteliers auf die Inselregierung groß, wieder Urlauber hineinzulassen - vor allem vom wichtigen deutschen Markt.

Balearen-Präsidentin Francina Armengol will die Inseln zu einer Art Versuchslabor machen: Sie möchte Touristen auf die Balearen holen, die aus den deutschen Regionen kommen, in denen es nur wenige Covid-19-Fälle gibt. Sie stehe in enger Abstimmung mit den Bundesländern und mit einem großen deutschen Reiseveranstalter, sagt die Regierungschefin auf Anfrage des ARD-Studios Madrid.

"Wir arbeiten mit TUI zusammen, um wieder erste Reisen auf die Balearen zu ermöglichen. Bei diesem Projekt arbeitet außerdem die Riu-Hotelgruppe mit, die ja ein mallorquinisches Unternehmen ist. Gemeinsam starten wir diesen Pilotversuch", sagt sie.

Nur wenn es der Verlauf der Pandemie zulässt

Die ersten Reisen deutscher Touristen sollen Ende Juni beginnen, so der Plan. Allerdings nur, wenn der Verlauf der Corona-Pandemie es zulässt - also die Zahl der Neuinfektionen auf den Balearen und in Deutschland überschaubar bleibt. Wenn die Versuchsreisen funktionieren, könnte im Juli der klassische Tourismus wieder vorsichtig hochgefahren werden.

Ähnlich planen es die Kanarischen Inseln, sagt Regionalpräsident Ángel Victor Torres. "Es ist unerlässlich, dass der Tourimus wieder anläuft. Dass volle Flugzeuge bei uns landen, die Hotels öffnen und eine gewisse Normalität zurückkehrt. Schließlich ist der Tourismus unsere wichtigste Einnahmequelle", sagt Torres. Reisende müssten allerdings einen Virus-Test in ihrem Heimatland machen. Das sollte europaweit geregelt sein.

Konkret: Teneriffa, Gran Canaria und Co. wollen keine Urlauber hereinlassen, die nicht nachweisen können, coronavirusfrei zu sein. Neben einem Corona-Test im Heimatland der Urlauber möchte die Kanaren-Regierung ein weiteres Kontrollinstrument ausprobieren: einen digitalen Gesundheitspass in Form einer Handy-App.

Viele offene Fragen

Mitte Juli soll der erste Flug auf die Kanaren starten, bei dem alle Passagiere über eine solche App registriert sind. Damit wären sie mit den örtlichen Gesundheitsbehörden vernetzt, die gezielt Informationen auf die Smartphones der Nutzer schicken können. Welche Daten genau ausgetauscht werden sollen, ist bisher nicht bekannt. Ebenso wenig, wo der Pilotflug startet und welchen kanarischen Flughafen er ansteuert.

Für die spanische Regierung in Madrid ist klar: Touristen können nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wieder ins Land kommen. Zu groß ist die Sorge vor einem neuen Ausbruch des Coronavirus, so Ministerpräsident Pedro Sánchez am Wochenende. "Der Tourismus braucht Sicherheit und Garantien für den Schutz der Gesundheit. Die Urlauber reisen zu uns wegen der Landschaft, der Strände, unserer Kultur, unserer Gastronomie. Aber sie wollen auch an ein sicheres und kontrolliertes Ziel reisen", so Sánchez.

Wer in diesem Jahr nach Spanien möchte, muss sich also auf zusätzlich Vorsichtsmaßnahmen einstellen. Dass dazu wahrscheinlich nicht alle Touristen bereit sind, ist den Behörden klar. Sie planen mit einem Bruchteil der bisherigen Zahl der Urlauber. Überfüllte Strände auf Mallorca oder Teneriffa wird es in diesem Sommer wohl nicht geben.

Corona-Krise: Balearen planen langsame Rückkehr zum Tourismus
Oliver Neuroth, ARD Madrid
18.05.2020 12:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 18. Mai 2020 um 13:08 Uhr im Mittagsecho.

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