Ein TGV-Zug steht am Saint-Charles Bahnhof in Marseille | Bildquelle: AFP

Projekt in Frankreich Autonom auf Schienen

Stand: 12.09.2018 13:17 Uhr

Die französische Bahn plant bis 2023 selbstfahrende Fracht- und Güterzüge. Sie sollen den Verkehr flüssiger machen und weniger Energie verbrauchen. Auch ein deutsches Unternehmen ist an der Entwicklung beteiligt.

Der staatliche französische Bahnbetreiber SNCF will mit Partnern aus der Industrie autonome Züge auf die Schiene bringen. Bis 2023 sollen Prototypen für Regional- und Frachtzüge entwickelt werden, die ohne Lokführer fahren können. "Das ist ganz klar die Zukunft des Zugs", sagt SNCF-Chef Guillaume Pepy. Die SNCF, der französische Staat und die Industrie investieren dafür 57 Millionen Euro in die Entwicklung.

Mit selbstfahrenden Zügen soll der Verkehr flüssiger werden, da alle mit der gleichen Geschwindigkeit verkehren. Dies bedeute auch "eine größere Pünktlichkeit der Züge", versprach Pepy. Die Züge sollen vor allem auf stark belasteten Strecken zum Einsatz kommen. Dadurch soll auch der Energieverbrauch sinken, da sich das Fahrverhalten verbessere, hieß es.

Komplexes Projekt

Zwei Konsortien sind an der Entwicklung der autonomen Züge beteiligt: Die Passagierzüge werden von dem kanadischen Hersteller Bombardier in Zusammenarbeit mit Bosch, der französischen Technologiegruppe Thales und dem Spezialisten für künstliche Intelligenz SpirOps entwickelt. An autonomen Güterzügen arbeitet der französische Hersteller Alstom unter anderem mit dem italienischen Signal-Spezialisten Ansaldo STS.

Weltweit gibt es schon eine Reihe führerlose Bahnen, meist sind das aber geschlossene Systeme wie U-Bahnen und Flughafen-Pendelzüge. Eine autonome Eisenbahn ist komplexer. Die Züge müssen mit Sensoren und Computersystemen ausgestattet werden, die Hindernisse erkennen und darauf reagieren.

Nach Darstellung Pepys geht es vor allem darum, vorhandene Technologie-Bausteine zu kombinieren - also etwa auf Erfahrungen aus der Entwicklung selbstfahrender Autos und automatischer U-Bahnen aufzubauen. Es sollen keine völlig neuen Züge entwickelt werden, was viel teurer wäre. Basis für den autonomen Regionalzug ist etwa ein vorhandenes Modell des Herstellers Bombardier, das dann mit Technik anderer Unternehmen aufgerüstet werden soll.

Nach der Testphase ab 2023 ist eine industrielle Fertigung ab 2025 geplant. Für TGV-Hochgeschwindigkeitszüge sollen zunächst nur Beschleunigung und Bremsvorgang automatisiert werden, es bleibt aber ein Lokführer an Bord.

ICE der Deutschen Bahn | Bildquelle: dpa
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Auch die Deutsche Bahn denkt über automatisierte Züge nach.

Überlegungen in Deutschland

Auch in Deutschland wird über automatisierte Züge nachgedacht. Der frühere Bahnchef Rüdiger Grube hatte vor zwei Jahren damit gerechnet, dass spätestens 2023 in Teilen des Netzes vollautomatisch gefahren werden könne - was bei Experten und Gewerkschaften auf Skepsis stieß.

In Hamburg soll 2021 die Pilotstrecke für die erste führerlose S-Bahn des Landes in Betrieb gehen, eine Kooperation der Hansestadt mit Siemens und der Deutschen Bahn. Für die Güterbahn-Tochter DB Cargo wurde in München eine vollautomatische Rangierlok getestet. Sie soll bis 2021 serienreif sein.

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