Demonstranten in der Slowakei mit Bildern des ermordeten Journalisten | Bildquelle: AFP

Journalistenmord in der Slowakei Alle Festgenommenen sind wieder frei

Stand: 03.03.2018 18:40 Uhr

Sieben Verdächtige wurden nach dem Mord an dem Journalisten Kuciak festgenommen - nun sind sie wieder frei. Kuciak hatte über Verbindungen der italienischen Mafia in die slowakische Politik recherchiert.

Nach dem Mord an dem Journalisten Jan Kuciak haben die slowakischen Behörden alle Verdächtigen wieder freigelassen, die im Zuge der Ermittlungen festgenommenen worden waren. Die sieben Personen seien nach 48 Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt worden, sagte eine Polizeisprecherin. In der Zeit sei untersucht worden, ob eine Anzeige gerechtfertigt sei. Bei den Verdächtigen soll es sich auch um Personen gehandelt haben, über die Kuciak für seinen letzten Artikel recherchiert hatte.

Kuciak war am vergangenen Wochenende gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in deren Haus im Dorf Velka Maca erschossen aufgefunden worden. Der 27-Jährige hatte über Straftaten von Geschäftsleuten berichtet, von denen manche Verbindungen zu Politikern hatten.

Jan Kuciak
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Der slowakische Enthüllungsjournalist Jan Kuciak wurde laut Polizei mit Schüssen in Brust und Kopf getötet.

Gelder der EU veruntreut?

Mehrere hundert Trauernde gaben Kuciak und seiner Verlobten das letzte Geleit. Erzbischof Stanislav Zvolensky sagte beim Trauergottesdienst, dass dank Kuciaks Recherchen nun jeder in der Slowakei mehr über den Einfluss der italienischen Mafia wissen wolle.

Der Mord an dem Investigativjournalisten hat die Regierung und das Land erschüttert. Am Freitag waren Tausende in der Hauptstadt Bratislava und anderen Städten auf die Straße gegangen und hatten eine rasche Aufklärung verlangt.

Der Slowake war seit 2015 Redakteur des Newsportals Aktuality.sk, das zu Ringier Axel Springer Slovakia gehört. In seinem letzten, posthum veröffentlichten Artikel hatte Kuciak Verbindungen der slowakischen Regierung zu italienischen Geschäftsmännern mit Kontakten zur Mafia offengelegt. Mithilfe dieses Netzwerks sollen dem Journalisten zufolge in der Slowakei Steuern hinterzogen und Gelder der EU veruntreut worden sein.

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