Der UN-Sicherheitsrat in New York | Bildquelle: AFP

Giftanschlag auf Ex-Spion Fall Skripal beschäftigt UN-Sicherheitsrat

Stand: 05.04.2018 09:28 Uhr

Angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Großbritannien und Russland wird sich der UN-Sicherheitsrat mit dem Fall Skripal befassen. Die USA bereiten laut einem Bericht neue Sanktionen vor.

Der UN-Sicherheitsrat befasst sich auf Antrag Russlands mit dem Vergiftungsfall Skripal. Heute Nachmittag New Yorker Zeit soll eine offene Debatte stattfinden.

Schon Mitte März hatte sich das mächtigste UN-Gremium zu der Salisbury-Attacke getroffen. Warum, so fragte der russische UN-Botschafter Wassilij Nebentsja damals, zerre man die Angelegenheit in den Sicherheitsrat? Nun will seine Regierung selbst ein solches Treffen.

Gernot Erler, Russland-Beauftragter der Bundesregierung, zum Fall Skripal
Morgenmagazin, 05.04.2018

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Grundlage für das Treffen, so der russische UN-Botschafter weiter, sei ein Brief der britischen Premierministerin Theresa May vom 13. März an den Sicherheitsrat. Darin hatte sie mit "hoher Wahrscheinlichkeit" Moskau für den Anschlag verantwortlich gemacht. Nebentsja erklärte dagegen, Chemiewaffen dürften egal wo von niemanden genutzt werden und es sei nicht hinnehmbar, dass solche Taten straflos blieben.

Die USA wollen einem Bericht zufolge bis Freitag neue Sanktionen gegen Russland verhängen. Die "Washington Post" berichtet unter Berufung auf US-Behörden, dass es sich um Wirtschaftssanktionen gegen Oligarchen mit Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin handele. 

US-Diplomaten verlassen Botschaft in Moskau

Im diplomatischen Schlagabtausch in der Affäre Skripal haben amerikanische Diplomaten unterdessen offenbar die US-Botschaft in Moskau verlassen. Die russische Regierung hatte bis zu diesem Stichtag die Ausweisung von 60 US-Diplomaten angeordnet; exakt die Zahl, die die US-Regierung für russische Diplomaten angeordnet hatte.

Am Mittwoch hatte die Sondersitzung des Exekutivrats der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag mit heftigen gegenseitigen Vorwürfen geendet. Die Regierung in London beharrte darauf, dass Moskau hinter der Attacke stecke. Sie bezeichnete den russischen Vorschlag, gemeinsam zu ermitteln, als "pervers". Russland wies dagegen die Vorhaltungen Großbritanniens erneut als haltlos zurück.

OPCW-Ergebnisse stehen noch aus

Die OPCW erwartet in der kommenden Woche die Ergebnisse der Laboruntersuchungen. Sie werde den Bericht dann an Großbritannien übergeben, teilte die Organisation bei der Sondersitzung ihres Exekutivrates mit.

Der frühere russische Doppelagent Skripal war am 4. März gemeinsam mit seiner Tochter Julija im südenglischen Salisbury vergiftet worden. Der 66-Jährige befindet sich in einem kritischen Zustand, seiner 33 Jahre alten Tochter geht es besser. Nach Erkenntnissen britischer Forscher wurde bei dem Attentat das Nervengift Nowitschok verwendet, das einst in der Sowjetunion entwickelt wurde.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den berüchtigsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen der Opfer sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Mit Informationen von Kai Clement, ARD-Studio New York

Salisbury und der UN-Sicherheitsrat: Russland verlangt offene Debatte
Kai Clement, ARD New York
05.04.2018 08:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. April 2018 um 09:00 und um 17:00 Uhr.

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