Bundesaußenminister Heiko Maas | Bildquelle: FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutte

Fall Skripal Maas offen für Dialog mit Russland

Stand: 01.04.2018 04:19 Uhr

Im Streit mit Russland wegen des Giftanschlags auf den Ex-Agenten Skripal signalisiert Außenminister Maas Dialogbereitschaft. Man müsse Vertrauen wieder aufbauen - wenn Russland dazu denn auch bereit sei.

Bundesaußenminister Heiko Maas geht in der diplomatischen Krise wegen des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien auf Russland zu. Durch das russische Verhalten der vergangenen Jahre sei zweifellos viel Vertrauen verloren gegangen, sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag". "Gleichzeitig brauchen wir Russland als Partner, etwa für die Lösung regionaler Konflikte, für Abrüstung und als wichtige Stütze der multilateralen Ordnung", sagte Maas.

"Wir sind deshalb offen für den Dialog und setzen darauf, das Vertrauen wieder Stück für Stück aufzubauen, wenn Russland dazu auch bereit ist", so Maas. Dennoch sei der Schulterschluss der Europäer in der Russland-Politik richtig gewesen, sagte er. "Aus Solidarität mit Großbritannien aber auch als Signal der Geschlossenheit."

Mitarbeiter des US-Konsulats in St. Petersburg ziehen die US-amerikanische Flagge vom Balkon ihres Hauses. | Bildquelle: dpa
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Mitarbeiter des US-Konsulats in St. Petersburg holen die Flagge ein. Moskau hatte die Schließung angeordnet. Auch ein russisches Konsulat in den USA schließt.

140 russische Diplomaten ausgewiesen

Insgesamt wiesen westliche Staaten mittlerweile mehr als 140 russische Diplomaten aus. Russland will grundsätzlich in gleicher Münze zurückzahlen. Im Falle Großbritanniens legte die Regierung in Moskau zuletzt noch einmal nach. Nachdem zunächst 23 Diplomaten ausgewiesen wurden, teilte das russische Außenministerium gestern mit, dass insgesamt rund 50 weitere britische Botschaftsmitarbeiter das Land verlassen müssten.

Die Moskauer Botschaft in London warnte russische Reisende in Großbritannien vor Provokationen. Der Hinweis auf der Webseite der Botschaft erschien, nachdem am Freitag auf dem Londoner Flughafen Heathrow ein Passagierflugzeug der russischen Fluggesellschaft Aeroflot von britischen Zollbeamten durchsucht worden war. In dem Hinweis ist von einer "antirussischen Politik, zunehmender drohender Rhetorik der britischen Seite und selektiven Maßnahmen der britischen Regierung gegen russische Individuen und legale Einrichtungen" die Rede.

US-Konsulat in St. Petersburg schließt

In Russlands zweitgrößter Stadt St. Petersburg bereiteten die Mitarbeiter des dortigen US-Konsulat die Schließung der Einrichtung vor. Sie räumten das Gebäude und nahmen die US-Flagge ab. Moskau hatte die Schließung angeordnet, nachdem Washington die Schließung des russischen Konsulats in Seattle verfügt hatte.

Auch vier Angehörige der deutschen Botschaft müssen Russland verlassen. Zuvor hatte Deutschland vier Russen zu unerwünschten Personen erklärt.

Skripal nach wie vor in kritischem Zustand

Der Fall Skripal entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zur internationalen Krise. Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass der Ex-Agent Skripal und seine Tochter Julia mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden. London bezichtigt daher den Kreml als Drahtzieher. Russland weist die Anschuldigungen zurück.

Skripal und seine Tochter Julia waren nach britischen Angaben vor fast vier Wochen mit dem Kampfstoff in Salisbury vergiftet worden. Der Ex-Agent befindet sich noch in einem kritischen Zustand. Julia Skripal gehe es deutlich besser.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. April 2018 um 08:00 Uhr.

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