Menschen in Singapur halten beim Schlangestehen vor dem Wahllokal Abstand | Bildquelle: REUTERS

Wahl in Singapur Überraschungen unerwünscht

Stand: 10.07.2020 10:51 Uhr

Dass die Regierungspartei in Singapur nach 60 Jahren an der Macht erneut den Wahlsieg holen wird, gilt als sicher. Die Bürger sind zufrieden - obwohl die Corona-Pandemie auch die Finanzmetropole schwer getroffen hat.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

"Majula Singapora" - "Vorwärts Singapur", die Hymne ist allerorten zu hören dieser Tage. Die Stadt ist mit rot-weißen Nationflaggen geschmückt - Wahltag ist Feiertag. Die Parteiprogramme lassen sich in wenigen Schlagworten zusammenfassen: Zukunft, Arbeit, Wohlstand, gemeinsam, Herausforderungen, Größe. "Eine vereinte Nation unabhängig von Rasse, Sprache oder Religion", so lautet das Bekenntnis.

In Singapur regiert seit der Unabhängigkeit vor 60 Jahren die "People's Action Party" (PAP) - und es braucht keine Propheten, um vorauszusagen, dass die PAP auch weiter an der Macht bleiben wird. "Bitte wählt mich", viel mehr braucht Premier Lee Hsien Loong auch gar nicht zu sagen.

Lee HSien Long | Bildquelle: dpa
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Premier Lee Hsien Loong darf mit einer Wiederwahl rechnen.

Kaum Kritik an der Regierung

Lee ist der Sohn des legendären Staatsgründers Lee Kuan Yew, der Singapur 31 Jahre lang regiert hat. "Zuviel Demokratie schadet nur", war sein Credo. Er hat dafür gesorgt, dass sozial Schwache Eigentumswohnungen kaufen können, hat den Aufstieg Singapurs zur reichen Wirtschaftsmetropole begleitet und wird im 5,7 Millionen-Einwohner Stadtstaat bis heute wie ein Heiliger verehrt. Der Blogger Amos Yee, der Lee nach dessen Tod als entsetzlichen Mann bezeichnete, landete in der Psychatrie - wer so etwas tut, muss einfach verrückt sein.

Wie ein strenger, aber wohlmeinender Vater seine unmündigen Kinder: So behandelt der Staat bis heute seine Bürger. Trotzdem dürfte es schwer fallen, jemanden zu finden, der schlecht über die Regierung redet. "Die Regierung ist ja deshalb an der Regierung, weil sie es am besten kann. Sonst wäre sie ja in der Opposition", heißt es da etwa. Auch Sätze wie "Probleme gibt es nur dort, wo eine Regierung alle vier oder fünf Jahre wechselt", hört man hier häufig.

Opposition spielt keine Rolle

Eine reiche, unglaublich grüne Stadt mit perfekter Infrastruktur, herausragenden Schulen, ehrgeiziger Architektur, fast ohne Verbrechen. Die Covid-19-Pandemie hat allerdings auch die neureiche Finanzmetropole gebeutelt. Nach wie vor gibt es Einschränkungen, allerdings keinen Widerstand oder öffentliche Kritik - die Singapurer vertrauen darauf, dass die Regierung am Besten weiß, was gut für ihre Bürger ist.

Elf Parteien treten an, aber die Opposition spielt keine Rolle in Singapur. Die regierende PAP hat noch nie weniger als 93 Prozent der Parlamentssitze besetzt in den letzten 60 Jahren. Singapurs große Tageszeitung "Straits Times" - wie Fernsehen und Radio über Holdings in Regierungs- oder Parteibesitz - erscheint morgen übrigens verspätet, damit sie auch wirklich über die Ergebnisse in sämtlichen Wahlbezirken berichteten kann. Große Überraschungen dürften das allerdings nicht sein. 

Überraschungen unerwünscht - Wahlen in Singapur
Holger Senzel, ARD Singapur
10.07.2020 09:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Juli 2020 um 10:38 Uhr.

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