Sendungsbild

Hitzewelle in Russland Waldbrände in Sibirien dehnen sich aus

Stand: 27.06.2020 21:04 Uhr

In Sibirien und im äußersten Osten Russlands weiten sich Waldbrände weiter aus. Teils verzichten die Kommunen wegen der hohen Kosten auf die Brandbekämpfung. Die Temperaturentwicklung seit Jahresbeginn beunruhigt Wissenschaftler.

In Russland breiten sich die Waldbrände in großen Teilen Sibiriens und im äußersten Osten weiter aus. Wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Behörden mitteilte, wurde in drei Regionen des Gebiets Magadan am Ochotskischen Meer der Ausnahmezustand ausgerufen.

Wie der staatliche Forstschutzdienst mitteilte, brennt insgesamt eine Fläche von mehr als einer Million Hektar. Das ist mehr als die Größe Zyperns. Besonders betroffen sei die Teilrepublik Jakutien im fernöstlichen Teil Sibiriens. Dort herrschen große Hitze und Trockenheit.

Löschen ist vielfach zu teuer

Die Regionalregierung in Magadan nannte Gewitter und Blitze als Grund für die Feuer. Die Hitze und starke Winde erschwerten die Löscharbeiten. Allein in der Region gebe es sieben Waldbrände.

Eine unmittelbare Gefahr für Menschen besteht demnach aber nicht, weil die meisten Waldbrände weit außerhalb bewohnter Gebiete liegen. Vielerorts wurden die Löscharbeiten nach Angaben der Behörden eingestellt. Der wirtschaftliche Schaden sei geringer als die Kosten für den Einsatz von Personal, Technik und Wasser.

Außerdem sei die finanzielle Situation der kommunalen Haushalte wegen den hohen zusätzlichen Sozialausgaben infolge der Corona-Pandemie angespannt. Dennoch sind laut Behörden mehr als 3000 Helfer und 43 Löschflugzeuge im Einsatz.

38 Grad in Werkojansk?

Die derzeitige Hitzewelle in den arktischen Regionen Russlands alarmiert Wissenschaftler. Die Weltwetterorganisation der Vereinten Nationen (WMO) prüft Berichte über einen möglichen Wärmerekord in der Arktis. Vergangenen Samstag sollen in der Stadt Werkojansk 38 Grad Celsius erreicht worden sein.

Die Arktis ist laut der WMO eine der Regionen, die am stärksten von der Erderwärmung betroffen ist. Im nördlich-mittleren Sibirien lagen die Temperaturen von Januar bis Mai durchschnittlich acht Grad Celsius über dem sonst üblichen Mittelwert, wie die auf Klima-Datenanalyse spezialisierte US-Einrichtung Berkely Earth errechnet hat.

Auch im vergangenen Jahr gab es in Sibirien große Feuer. Damals brannten nach Greenpeace-Schätzungen 150.000 Quadratkilometer ab, eine Fläche mehr als doppelt so groß wie Bayern. Wochenlang litten Menschen in vielen sibirischen Ständen unter giftigem Rauch.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juni 2020 um 21:43 Uhr.

Darstellung: