Wolodymyr Selenskyj | dpa

Selenskyj-Botschaft in Cannes "Wird das Kino schweigen oder reden?"

Stand: 18.05.2022 11:01 Uhr

Wie gehen die Filmfestspiele in Cannes mit dem Krieg um? Diese Frage stellte der ukrainische Präsident Selenskyj mit Blick auf die Gewalt in seinem Land bei der Eröffnung via Videobotschaft.

Die Filmfestspiele in Cannes sind am Abend eröffnet worden - unter anderem mit einer Ansprache des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Er appellierte, das Leid in der Ukraine nicht zu vergessen. Das Thema: Kino und Realität.

Jeden Tag sterben Hunderte von Menschen. Sie werden nach dem Schlussapplaus nicht wieder aufstehen.

Selenskyj wirbt für Zusammenhalt

Außerdem fragte der ukrainische Präsident in seiner Videobotschaft: "Wird das Kino schweigen oder darüber reden? Wenn es einen Diktator gibt, wenn es einen Freiheitskrieg gibt, hängt alles wieder von unserem Zusammenhalt ab. (...) Wir brauchen einen neuen Chaplin, der beweist, dass das Kino heutzutage nicht schweigt."

Immer wieder kam Selenskyj dabei auf Chaplin zurück, sprach aber auch von den Kriegsverbrechen, "die aktuell begangen werden". Doch auch Hoffnung spielte eine Rolle in der Ansprache: "Ich sage allen, die mich hören: Verzweifeln Sie nicht, der Hass wird irgendwann verschwinden und Diktatoren werden sterben."

Filmfestspiele im Schatten des Krieges

Der Krieg in der Ukraine spielte gleich zu Beginn des Festivals eine Rolle in Cannes. Auch auf den Eröffnungsfilm "Coupez!", der im Anschluss an die Feier gezeigt wurde, hatte der Krieg indirekt Einfluss. Nach Beschwerden aus der Ukraine hatte sich Regisseur Michel Hazanavicius bereit erklärt, seine Zombiekomödie von "Z (comme Z)" umzubenennen in "Coupez!".

Denn das "Z" wurde international in den vergangenen Monaten zu einem Symbol für die Unterstützung des russischen Angriffskrieges. Nun also "Coupez!", was übersetzt so viel heißt wie "Schneidet/Schneiden Sie" und somit aufs Filmhandwerk anspielt.

Russische Kinomacher ausgeschlossen

Ein weiteres Signal gegen den Angriffskrieg in der Ukraine: Russische Kinomacher, die dem Kreml nahestehen, sind in Cannes offiziell ausgeschlossen.

Im Wettbewerb um die Goldene Palme vertreten ist dagegen ein Film des Putin-kritischen Regisseurs Kirill Serebrennikow. Er war schon im vergangenen Jahr nominiert gewesen - hatte Russland aber nicht verlassen dürfen. Mittlerweile lebt der Regisseur in Berlin. Sein Auftritt in Cannes wird mit Spannung erwartet.

Mit Informationen von Wolfgang Landmesser, zzt. in Cannes

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. Mai 2022 um 22:30 Uhr.