Unruhen in Tunesien | Bildquelle: REUTERS

Tunesien Selbstverbrennung löst Proteste aus

Stand: 26.12.2018 15:08 Uhr

Aus Protest gegen hohe Arbeitslosigkeit hat sich in Tunesien ein Journalist selbst angezündet. Nach seinem Tod begannen Unruhen, die sich immer weiter im Land ausbreiten.

Die Selbstverbrennung eines Journalisten in Tunesien hat Proteste und Ausschreitungen in dem nordafrikanischen Land ausgelöst.

Nach der Beerdigung des 32-Jährigen errichteten Dutzende Demonstranten in der Nacht zum Dienstag in Kasserine im Westen des Landes eine Barrikade aus brennenden Autoreifen und blockierten die Hauptverkehrsstraße. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Der Journalist war am Montagabend seinen Verletzungen erlegen, nachdem er sich aus Protest gegen die hohe Arbeitslosigkeit und die allgemeine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Region Kasserine angezündet hatte. In einem Video hatte er gesagt, er wolle eine Revolution starten. Kasserine liegt 270 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt.

Mehrere Menschen festgenommen

Bei den Zusammenstößen in der Nacht zum Dienstag wurden nach Angaben des Innenministeriums sechs Sicherheitskräfte leicht verletzt. Neun Menschen seien festgenommen worden. Am Dienstagmorgen beruhigte sich die Lage zunächst, doch am Nachmittag gab es wieder Proteste. Dutzende Demonstranten gingen auf die Straße, die Polizei setzte erneut Tränengas ein. Vor dem Gouverneurssitz kam es zu Straßenschlachten. In der Nacht zum Mittwoch gingen die Ausschreitungen weiter.

Unruhen in Tunesien | Bildquelle: AFP
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Bei Protesten in mehreren Städten in Tunesien gab es mehrere Festnahmen.

Auch in der Stadt Jbeniana im Osten und in Tebourba im Norden gab es in der Nacht Proteste. Nach Angaben von Behördensprechern wurden dabei in Jbeniana ein Polizist verletzt und in Tebourba mindestens fünf Menschen festgenommen. Das Innenministerium teilte mit, dass es im Zusammenhang mit der Selbstverbrennung in Kasserine eine Festnahme gegeben habe. Nähere Angaben machte das Ministerium nicht.

Lebensbedingungen in Tunesien schlecht

Die Selbstverbrennung eines tunesischen Gemüsehändlers hatte Ende 2010 den Arabischen Frühling ausgelöst: Am 17. Dezember 2010 hatte sich in Sidi Bouzid der junge Mohamed Bouazizi aus Verzweiflung über seine Lage angezündet und damit landesweite Proteste ausgelöst - auch in Kasserine. Der Aufstand trieb im Januar 2011 den langjährigen Machthaber Zine Al Abidine Ben Ali aus dem Amt und führte zu ähnlichen Protesten in Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrain und Syrien.

Für den 14. Januar, den achten Jahrestag der Revolution, rief die tunesische Journalistengewerkschaft SNJT zu einem Generalstreik auf.

Tunesien ist das einzige der Länder des Arabischen Frühlings, das sich von einer Autokratie zu einer liberalen Demokratie entwickelt hat. Allerdings sind die Lebensbedingungen der meisten Menschen aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und steigender Inflation schlecht. Die nächsten Wahlen finden 2019 statt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Dezember 2018 um 14:55 Uhr.

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