Die Sea-Watch im Mittelmeer | Bildquelle: AFP

Streit um Flüchtlingsschiffe Italien will Kinder und Mütter aufnehmen

Stand: 04.01.2019 21:08 Uhr

Die beiden Rettungsschiffe deutscher Organisationen mit Dutzenden Flüchtlingen an Bord finden weiterhin keinen offenen Hafen. Italien bietet an, Frauen und Kinder aufzunehmen - die Kritik an den EU-Staaten wird immer lauter.

Seit Tagen bleiben die beiden Schiffe der deutschen Organisationen Sea-Watch und Sea-Eye mit 49 Bootsflüchtlingen auf dem Mittelmeer blockiert. Die Schiffe befinden sich in maltesischen Hoheitsgewässern. Die Häfen bleiben für sie aber geschlossen.

Italien zeigt sich nun immerhin bereit, Kinder und ihre Mütter aufzunehmen. Vize-Regierungschef Luigi Di Maio forderte Malta auf, die Frauen und Kinder an Land gehen zu lassen und sie dann nach Italien zu schicken. "Wir nehmen sie auf. Wir sind wieder einmal, wie immer, bereit, ganz Europa eine Lektion in Sachen Menschlichkeit zu geben", erklärte Di Maio auf Facebook. Zuvor hatten auch mehrere deutsche Städte sich bereit erklärt, einen Teil der Migranten von den Schiffen aufzunehmen.

Italienische Häfen bleiben gesperrt

Seit Antritt der italienischen Regierung im vergangenen Sommer lässt Rom zivile Rettungsschiffe nicht mehr in die Häfen des Landes einlaufen und hat damit die privaten Seenotretter erheblich unter Druck gesetzt.

Die Lage an Bord hatte sich zuletzt zugespitzt. Ein Flüchtling sprang über Bord, um offenbar schwimmend zu versuchen, Malta zu erreichen. "Nach ein paar Metern hat er wegen der Kälte und der Strömung aufgegeben und wurde mit einem Rettungsring zum Schiff zurückgezogen", berichtete der Fotograf Federico Scoppa der Nachrichtenagentur AFP.  Die Migranten schlafen auf dem Boden. Wir haben Hygieneprobleme", sagte der Einsatzleiter der "Sea-Watch 3", Philip Hahn, dem Sender "Radio 24". Die Lage werde "psychologisch immer schwieriger".

Massive Kritik

Die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic forderte, dass die EU-Staaten den Flüchtlingen unverzüglich einen "sicheren Hafen" anbieten müssten. Fünf deutsche Abgeordnete mahnten nach einem Besuch auf der "Sea-Watch 3" eine sofortige Lösung an. An Bord des Schiffes spielten sich dramatische Szenen ab. Die Gesundheit und Sicherheit der Kinder, Frauen und Männer an Bord der Schiffe dürfe nicht länger gefährdet werden, schrieb Mijatovic auf Twitter. "Menschlichkeit und Mitgefühl müssen die Oberhand gewinnen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Januar 2019 um 20:00 Uhr.

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