Ein Mann mit Mundschutz beim Einkaufen | Bildquelle: dpa

Debatte in Deutschland Mundschutzpflicht vorerst kein Thema

Stand: 30.03.2020 18:09 Uhr

Österreich hat bereits eine Verpflichtung zum Tragen von Atemmasken in Supermärkten eingeführt. Nun denkt auch Bayern darüber nach. Die Bundesregierung ist dagegen zurückhaltender.

Eine Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes in Supermärkten nach dem Vorbild Österreichs ist in Deutschland derzeit noch kein Thema. Ein solcher Schutz sei "vielleicht eine sinnvolle Ergänzung zu den ohnehin geltenden Hygieneregeln", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Dies dürfe aber nicht dazu führen, "dass sich ein falsches Sicherheitsgefühl einstellt" und die Regeln wie Abstand halten, Hände waschen und Kontakte vermeiden nicht mehr eingehalten würden.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums verwies darauf, dass es sich bei der Anordnung in Österreich nicht um medizinische Masken handele, sondern um einen Mund-Nase-Schutz. Es könne sinnvoll sein, andere vor einer Ansteckung zu schützen, indem man eine Maske trägt, sagte der Sprecher. Die Nutzung solcher Masken könne insbesondere dann in Erwägung gezogen werden, wenn über Ausstiegsszenarien aus den aktuell geltenden Corona-Maßnahmen nachgedacht werde.

WHO gegen allgemeines Mundschutztragen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht ebenfalls keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan in Genf. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren. "Unser Rat: wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist."

Maas offen für Verpflichtung

Außenminister Heiko Maas zeigte sich dagegen offen für eine Mundschutzpflicht. "Wenn es Sinn macht, sollte man so etwas nicht ausschließen", sagte er in einem "Bild"-Interview. Es müsse dann aber auch sichergestellt sein, dass die Masken geeignet sind, einen selbst oder andere zu schützen. "Es nützt nichts, sich irgendetwas ins Gesicht zu hängen, was überhaupt keine Schutzwirkung entfaltet."

Bayern "beschäftigt der Gedanke"

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sagte mit Blick auf die in Österreich eingeführte Verpflichtung: "Uns beschäftigt der Gedanke ehrlich gesagt auch." Konkrete Pläne gebe es dafür aber noch nicht. Bayern ist besonders stark von den Corona-Infektionen betroffen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält einen Mundschutz beim Einkaufen für sinnvoll, will ihn aber noch nicht zur Pflicht machen. "Dazu müssen wir erst die ausreichende Zahl an Masken haben, ohne dass der vorrangige Einsatz im medizinischen und pflegerischen Bereich beeinträchtigt wird. Dieser hat absolute Priorität", so Kretschmann.

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte zuvor angekündigt, ab Mittwoch würden in den Märkten Mundschutzmasken an Kunden verteilt. Das werde einige Tage dauern. Sobald alle Märkte mit den Masken ausgestattet seien, werde das Tragen eines Mundschutzes beim Einkaufen Pflicht. Selbstgemachte Masken würden ebenfalls als ausreichender Mundschutz akzeptiert.

Bundesärztekammer rät zur Maske

Wissenschaftler erklären zwar, dass einfacher Mundschutz kaum Schutz vor Infektionen bietet. Ist jemand allerdings bereits erkrankt - im Zweifel ohne es zu wissen - lässt sich dadurch eine Ansteckung anderer verhindern. Beim Sprechen, Husten oder Niesen setzen wir Tröpfchen frei. Wenn man etwa ein Stück Tuch vor dem Mund habe, würden die großen Tröpfchen abgefangen, sagt der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten. "Je näher dran an der Quelle, desto besser. Deswegen muss die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger", so Drosten vor einigen Tagen im Podcast beim NDR

Deshalb spricht sich der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, für das Tragen von Masken aus: "Besorgen Sie sich einfache Schutzmasken oder basteln Sie sich selbst welche und tragen Sie diese im öffentlichen Raum", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Virologe Drosten sieht hierin auch einen wichtigen psychologischen Effekt: Wenn viele in der Öffentlichkeit eine Maske trügen, werde man daran erinnert, dass die Lage ernst sei.

Darstellung: