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Klimawandel in Grönland Schlittenhunde, die über Wasser laufen

Stand: 23.06.2019 09:27 Uhr

Das Foto erregte weltweit Aufsehen: Schlittenhunde auf Grönland laufen pfotentief im Wasser über eine Eisfläche. Es scheint die Sorge von Klimaschützern um das arktische Eis zu bestätigen.

Von Jan Liebold, ARD-Studio Stockholm

Als der Meteorologe Steffen Olsen am 13. Juni mit seinem Team im Inglefield-Fjord im Nordwesten Grönlands unterwegs ist, bietet sich ihm ein ungewöhnliches Naturschauspiel. Weil es mit 17 Grad ein besonders warmer Tag in der Arktis ist, taut eine dünne Eisschicht auf dem zugefrorenen Fjord und verwandelt die Oberfläche in einen See aus Schmelzwasser. Olsen fotografiert diesen Moment, es scheint fast so, als ob die Hunde, die seinen Schlitten ziehen, über Meerwasser laufen.

Symbol für globale Erwärmung

"Es war eine Momentaufnahme", sagt Olsen, der als Forscher für das Dänische Meteorologische Institut in Kopenhagen arbeitet und mittlerweile von seiner Forschungsreise aus Grönland zurückgekehrt ist. "Ein Beleg für den Klimawandel ist es aber nicht. Solche besonders warmen Tage gibt es immer mal wieder in der Arktis."

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Forscher Steffen Olsen hat nicht damit gerechnet, dass das Foto so hitzig diskutiert wird.

Und dennoch bewegt das Foto vom Schmelzwasser auf dem Eismeer viele Menschen, als Olsen es auf Twitter stellt. Es wird tausendfach geteilt. Journalisten auf der ganzen Welt fragen an, ob sie es veröffentlichen dürfen. In den sozialen Netzwerken wird das Bild für viele Menschen zum Symbol für die Gefahren der Erderwärmung, andere halten es für manipuliert, werfen Olsen vor, er dramatisiere die Situation.

"Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass das Foto so hitzig diskutiert wird", sagt der Forscher - er ist trotz des Wirbels froh, dass endlich über die Natur der Arktis gesprochen wird. Denn dass es in der Region seit Jahren immer wärmer wird, haben Wissenschaftler längst nachgewiesen.

Grönland eisfrei in 1000 Jahren?

Eine neue Studie, die vor wenigen Tagen von Forschern aus Alaska und der Technischen Universität Dänemark vorgestellt wurde, versucht die Folgen des Klimawandels abzuschätzen: Gehe der Ausstoß von Treibhausgasen unvermindert weiter oder nehme sogar zu, könnte es in Grönland in den nächsten Jahrhunderten zu einer dramatischen Gletscherschmelze kommen, sagt Mitautor René Forsberg. "Das hätte natürlich drastische Folgen für den Anstieg des Meeresspiegels. Wir können jetzt schon ziemlich sicher sagen, dass der Meeresspiegel in den nächsten hundert Jahren zwischen einem halben und einem Meter steigen wird."

In 1000 Jahren könnte Grönland sogar völlig eisfrei sein, prognostizieren die Forscher weiter. Auch wenn das natürlich ein kaum abzuschätzendes Zukunftsszenario ist.

Schlittenhunde, die über Wasser laufen - ein Foto und seine Geschichte
tagesthemen 23:15 Uhr, 22.06.2019, Jan Liebold, ARD Stockholm

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2019 könnte viel Gletscher schmelzen

Besorgniserregend ist für viele Forscher auch, dass in Grönland das sommerliche Tauwetter in diesem Jahr sehr früh eingesetzt hat. Schon jetzt, im Juni, ist ungewöhnlich viel Gletschereis geschmolzen. Sollten die Temperaturen weiter hoch bleiben, könnte 2019 auf Grönland so viel Gletschereis schmelzen, wie noch nie zuvor und der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 2012 würde übertroffen werden.

Meteorologe Olsen hofft deshalb, dass sein Foto vom Schmelzwasser auf dem Eismeer nicht in Vergessenheit gerät. Die arktische Natur sei sehr zerbrechlich. Und das Foto könne die Menschen daran erinnern, sich endlich besser zu kümmern, um die Umwelt, die sie umgibt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. Juni 2019 um 23:15 Uhr.

Korrespondent

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