Gefundene Kupferteile aus dem Schiffswrack 16. Jahrhundert im niederländischen Wattenmeer | Bildquelle: KOEN VAN WEEL/EPA-EFE/REX

Bergung in der Nordsee Container gesucht, Schiffswrack entdeckt

Stand: 03.04.2019 20:21 Uhr

In der Nordsee hat ein Bergungsschiff Container der havarierten "MSC Zoe" gesucht und möglicherweise ein Schiffswrack entdeckt. Es wäre ein Sensationsfund.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Eigentlich sollte das Bergungsschiff die Reste der versunkenen Container des havarierten Frachters "MSC Zoe" aus der Nordsee fischen. Doch was da kurz vor der Küste von Terschelling am Kran des schweren Schiffes baumelte, waren zerbeulte und grün angelaufene Kupferplatten und löcherige, morsche Holzbalken.

Aus Laiensicht nichts anderes als Altmetall und Abfall für den Wertstoffhof, aus Sicht des Meeresarchäologen Thijs Coenen ein Sensationsfund. Fracht und Schiff, beides sei einmalig, findet der Fachmann:

"Dies ist das älteste Schiff, das wir je in den Niederlanden entdeckt haben. Hinzu kommt die höchst interessante Ladung an Bord: Kupfer, das wahrscheinlich zur Herstellung der ersten Kupfermünzen unseres Landes bestimmt war."

Gefundene Kupferteile und Holzteile aus dem Schiffswrack im niederländischen Wattenmeer | Bildquelle: KOEN VAN WEEL/EPA-EFE/REX
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Holzplanken und Kupfer aus dem Handelsschiff werden in Amersfoort präsentiert.

Baujahr 1540

Das Schiff wurde wahrscheinlich um 1540 gebaut, sagt Coenen. Die Bäume, die das Holz geliefert haben, seien jedenfalls definitiv im Herbst 1536 gefällt worden, so der Experte nach einer ersten Auswertung der Fundstücke. Es handele sich vermutlich um eine für die damalige Zeit neue Generation von Schiffen - etwa 25 bis 30 Meter lang und sieben Meter breit.

Cojen erhofft sich Erkenntnisse auf die Art, wie früher solche Schiffe gebaut wurden:

"Für uns markiert so ein Schiff auch den Übergang zwischen verschiedenen Bautraditionen. Dieses Schiff ist nach einer damals neuen Bauweise konstruiert worden - für besonders große Schiffe, mit denen man weiter fahren konnte. Solche Schiffe haben später die ganze Welt umsegelt."

Gefundene Kupferteile aus dem Schiffswrack im niederländischen Wattenmeer | Bildquelle: KOEN VAN WEEL/EPA-EFE/REX
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Das Kupfer könnte Aufschlüsse über das Goldene Zeitalter der Niederlande liefern, hofft Wissenschaftsministerin Ingrid van Engelshoven.

Kupfer der Fugger

Gravuren in den oxidierten Kupferplatten weisen darauf hin, dass die Fracht der reichen deutschen Bankiers- und Handelsfamilie Fugger gehörte, die im 16. Jahrhundert ein Kupfermonopol besaß.

Kulturministerin Ingrid van Engelshoven ist davon überzeugt, dass die Erforschung des Wracks und der Ladung wichtige Aufschlüsse über das sogenannte Goldene Zeitalter der Niederlande liefern wird:

"Der Fund dieser Kupferplatten verrät einiges über den Handel mit Kupfer in jener Zeit und darüber, wie die Ströme verliefen. Aber auch darüber, wie im 16. Jahrhundert der Handel in unseren Städten blühte und dass dafür Kupfermünzen nötig waren, wofür Kupferplatten mit Schiffen in die Niederlande gefahren wurden."

Taucher sollen mehr (heraus)finden

Im Sommer sollen Taucher die Fundstelle nördlich der Insel Terschelling genauer untersuchen. Danach wird entschieden, ob weitere Reste des Schiffs geborgen werden. Die "MSC Zoe" hatte Anfang Januar bei schwerem Unwetter fast 350 Container verloren. Dass bei der Bergung dieser Container nun ein Schiff aus dem 16. Jahrhundert entdeckt wurde, bezeichnete die Ministerin als Glück im Unglück. Der Fund, so van Engelshoven, sei eine Bereicherung für das kulturelle Erbe der Niederlande.

Schiffswrack in der niederländischen Nordsee entdeckt
Ludger Kazmierczak, ARD Den Haag
03.04.2019 18:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. April 2019 um 16:31 Uhr.

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