Oleg Senzow | AP

Inhaftierter ukrainischer Regisseur Sacharow-Preis für Senzow

Stand: 25.10.2018 15:12 Uhr

Der in Russland inhaftierte ukrainische Filmemacher Senzow erhält den Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments. Er sitzt seit vier Jahren in einem sibirischen Straflager.

Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit geht in diesem Jahr an den ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow. Mit dem Preis ehrt das Europäische Parlament besonderes Engagement für Menschenrechte.

20 Jahre Gefängnis

Senzow hatte sich gegen die 2014 erfolgte völkerrechtswidrige Annexion seiner Heimat, der ukrainischen Halbinsel Krim, durch Russland engagiert. Daraufhin wurde er wegen angeblich geplanter Terroranschläge von einem russischen Gericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Berichten zufolge befindet er sich derzeit in einem Straflager in Sibirien.

Hungerstreik in der Strafkolonie

Senzow ist nach einem mehrmonatigen Hungerstreik in einer Strafkolonie gesundheitlich so angeschlagen, dass er in Lebensgefahr schwebt. Mit der Protestaktion wollte er erreichen, dass alle in Russland inhaftierten politischen Gefangenen aus der Ukraine freigelassen werden. 

Senzow wurde 1976 in Simferopol auf der Halbinsel Krim geboren, studierte in den 1990er-Jahren Wirtschaft in Kiew und belegte später Regiekurse in Moskau. In Simferopol betrieb er einen Computerclub, der auch zum Gegenstand seines ersten und einzigen Filmes "Gamer" 2011 wurde. Sein zweites Filmprojekt trägt den Titel "Nashorn".

Nominiert wurde Senzow von der konservativen EVP-Fraktion im Parlament, der unter anderem CDU und CSU angehören. Neben ihm waren auch der marokkanische Regierungskritiker Nasser Zefzafi und eine Gruppe verschiedener Organisationen nominiert, die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer aus Seenot retten. Im vergangenen Jahr wurde die venezolanische Opposition geehrt.

Oleg Senzow

Der ukrainische Regisseur Oleg Senzow wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Solidarität des Europaparlaments

Viele Abgeordnete des Europaparlaments unterstützten die Entscheidung, den Preis an Senzow zu verleihen. Mit der Auszeichnung möchte das Europaparlament seine Solidarität ihm und seiner Sache gegenüber zum Ausdruck bringen. "Wir fordern, dass Oleg Senzow sofort freigelassen wird, denn sein Gesundheitszustand ist kritisch", sagte Parlamentspräsident Antonio Tajani. Der CDU-Europapolitiker Michael Gahlert sagte, Senzow habe sich für die Freiheit der Meinungsäußerung eingesetzt. Er habe dagegen protestiert, dass seine Heimat von Russland besetzt und annektiert worden sei. Dafür sei er verurteilt worden, und deswegen verdiene er Unterstützung.

Klare Botschaft an Russland

Mit dem Sacharow-Preis für Senzow schickte das Europaparlament eine klare Botschaft an Russland. Und die lautet: Die Annexion der Krim vor viereinhalb Jahren ist nicht vergessen. Das EU-Parlament stehe zur Ukraine und zur Unberührbarkeit der ukrainischen Grenzen, sagte der SPD-Europaabgeordnete Arne Lietz.

Engagement für Menschenrechte

Das Europäische Parlament verleiht den Sacharow-Preis seit 1988 jährlich und ehrt damit besonderes Engagement für Menschenrechte. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 12. Dezember verliehen. Dass Russland den inhaftierten Preisträger dazu ausreisen lässt, gilt als unwahrscheinlich. 

Der Sacharow-Preis erinnert an den sowjetischen Physiker, Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow (1921-1989). Unter den früheren Preisträgern waren der saudiarabische Blogger Raif Badawi, der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der Vater des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, sowie die jesidische Aktivistin Nadia Murad und der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege.

Mit Informationen von Karin Bensch-Nadebusch, ARD-Studio Brüssel

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Die Ukraine ist überall 25.10.2018 • 19:32 Uhr

@wenigfahrer 17:14 Preis sollte an Putin gehen

Wir könnten den Preis ja für die beste Selbstdarstellung Putins für das Ponyreiten ohne Hemd verleihen oder die beste Regierarbeite bei der Besetzung der Krim (Kategorie beste Lüge und fairstes Referendum).