Russlands Außenminister Sergej Lawrow | dpa

Russisch-ukrainische Grenze Der Ton wird rauer

Stand: 22.11.2021 20:26 Uhr

Russische Truppenbewegungen an der ukrainischen Grenze bereiten Kiew und der NATO seit einiger Zeit Sorgen. Moskau aber spricht von "kriegslüsterne Rhetorik" der Ukraine und spart auch nicht mit Kritik an den USA.

Russland und die Ukraine beschuldigen sich gegenseitig, die angespannte Lage an ihrer Grenze zu verschärfen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf Kiew eine "kriegslüsterne Rhetorik" vor. Äußerungen ukrainischer Militärs könnten "einen Wunsch zu Provokationen reflektieren und den Konflikt in eine heiße Phase zu drehen", so Lawrow.

Ukraine weist Vorwürfe zurück

Der Ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba wies seinerseits russische Vorwürfe als "Desinformation" zurück, die Ukraine plane eine Militäroffensive im von prorussischen Separatisten kontrollierten Donbass. Kubela twitterte: "Lassen Sie mich offiziell erklären: Die Ukraine plant keine militärische Offensive im Donbass. Wir widmen uns der Suche nach einer politischen und diplomatischen Lösung des Konflikts."

Neben der Ukraine übte die russische Regierung auch heftige Kritik an den USA. Laut Kreml-Sprecher Dmitri Peskow folgten Berichte in US-Medien über eine geplante russische Invasion in der Ukraine zudem einem Plan, Russland in Verruf zu bringen. Peskow sagte, die USA und ihre Verbündeten könnten "aggressive Absichten in Kiew verschleiern und versuchen, das Problem des Südostens mit Gewalt zu lösen".

Er spielte damit offenbar auf den kürzlichen Besuch von US-Außenminister Antony Blinken in Kiew an, bei dem dieser erklärte, Russlands Strategieplan sehe eine Verstärkung der Truppen vor und dann eine Invasion, "fälschlicherweise behauptend, es sei provoziert worden". Russland werde zunehmend provoziert, "und diese Provokationen sind mit Waffen durchgeführt worden, die NATO-Länder der Ukraine geschickt haben", so Peskow. Moskau beobachte das mit großer Sorge.

"Amerikaner zeichnen ein Schreckensbild"

Auch der russische Auslandsnachrichtendienst kritisierte die US-Regierung. In einer Pressemitteilung warf dieser dem US-Außenministerium "absolute Lügen" über einen russischen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze vor. "Die Amerikaner zeichnen ein Schreckensbild von russischen Panzer-Armadas, die ukrainische Städte vernichten", hieß es. "Es ist überraschend zu sehen, wie eine ehemals angesehene außenpolitische Behörde sich in ein Sprachrohr von Lügenpropaganda verwandelt."

Washington behaupte, über "zuverlässige Informationen" über entsprechende Absichten Moskaus zu verfügen, erklärte der Nachrichtendienst in einer seltenen Erklärung. Die USA würden ihren Verbündeten jedoch "absolut falsche Informationen" über die russischen Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine und russische Absichten einer "Invasion" übermitteln.

Die US-Regierung hatte angesichts der jüngsten russischen Truppenbewegungen nahe der ukrainischen Grenze "echte Besorgnis" geäußert. Auf die Frage, ob die US-Geheimdienste davon ausgingen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin eine Landnahme in der Ukraine anstrebe, sagte US-Außenminister Antony Blinken am Samstag: "Wir kennen die Absichten von Präsident Putin nicht. Aber wir wissen, was in der Vergangenheit geschehen ist." Dabei bezog er sich offenbar auf die Annexion der Krim 2014.

NATO in Sorge

Die NATO-Partner und die Regierung in Kiew werfen Russland seit Tagen vor, durch einen großen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine die Spannungen zu schüren und womöglich sogar einen Einmarsch vorzubereiten. Bereits im März hatte Russland bei einem massiven Truppenaufmarsch Tausende Soldaten, schwere Militärausrüstung, Marineschiffe und Militärflugzeuge nahe der ukrainischen Grenze und in der Region der annektierten Krim-Halbinsel zusammengezogen. 

Nach Wochen erklärte Moskau das angebliche Manöver schließlich für beendet und zog seine Soldaten wieder ab. Nun gibt es nach Angaben des Westens wieder massive russische Truppenbewegungen Richtung Grenze, auf Videos sind Panzer und Raketen zu sehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. November 2021 um 23:43 Uhr.