Rakete startet in den Himmel | Bildquelle: dpa

Ende des INF-Vertrags Russland kritisiert US-Raketentest

Stand: 13.12.2019 11:43 Uhr

Russland hat sich nach einem erneuten Raketentest der USA alarmiert gezeigt. Doch der Test könnte auch ein Signal an ein anderes Land gewesen sein. Die Sorge vor einem Wettrüsten wächst.

Russland hat den neuen Raketentest der USA kritisiert. "Das alarmiert uns", sagte Wladimir Ermakow, Chef der Abteilung für Abrüstung im Außenministerium, der Agentur Ria zufolge. Russland werde das beim weiteren Vorgehen berücksichtigen.

Die USA hatten eine ballistische Mittelstreckenrakete getestet. Die bodengestützte Rakete wurde gestern von der Vandenberg-Luftwaffenbasis in Kalifornien aus abgefeuert und stürzte nach rund 500 Kilometern in den Pazifik, wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte. Es war bereits der zweite derartige Raketentest innerhalb von vier Monaten.

Ende der Abrüstung

Solche Tests wären unter dem von beiden Seiten beendeten Abrüstungsabkommen INF verboten gewesen. Im August waren die USA aus dem INF-Vertrag ausgetreten, Russland zog nach. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte den Schritt damit begründet, dass Russland gegen das Abkommen verstoßen habe. Die Regierung in Moskau wies dies zurück.

Das Ende des Vertrags von 1987 hat Ängste vor einem neuen globalen Rüstungswettlauf geschürt. Das Abkommen verbot landgestützte Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5500 Kilometern, die Atomsprengköpfe tragen können.

Das Abrüstungsabkommen New START, das die Zahl der strategischen Atomsprengköpfe begrenzt und das letzte wichtige Abkommen zwischen den beiden Großmächten ist, läuft im Februar 2021 aus. Russland hat bereits erklärt, es sei nicht mehr genügend Zeit, um ein umfassendes Nachfolgeabkommen auszuhandeln.

US-Test als Signal an Nordkorea?

Beobachter werteten den jüngsten Raketentest auch als Signal an Nordkorea. Pjöngjang hatte vor Kurzem mit eigenen weiteren Tests ballistischer Raketen noch in diesem Jahr gedroht, sollten die USA im Atomstreit keine Zugeständnisse machen. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Kelly Craft, drohte Nordkorea daraufhin für den Fall neuer Raketentests mit Konsequenzen und deutete zudem weitere Sanktionen an.

Hoffnungen auf neue wirksame Absprachen zur Rüstungskontrolle gibt es derzeit kaum. Als Grund für die Kündigung des Vertrages durch die USA gilt nämlich auch die Tatsache, dass der INF-Vertrag nur Amerikaner und Russen band, nicht aber Nordkorea oder die aufstrebende Militärmacht China. Das Land soll mittlerweile über knapp 2000 ballistische Raketen und Marschflugkörper verfügen, die unter das Abkommen fallen würden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Dezember 2019 um 12:00 Uhr.

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