Nawalny mit Unterstützer Schaweddinow | Bildquelle: REUTERS

Kreml-Kritiker "Illegaler" Wehrdienst in der Arktis?

Stand: 26.12.2019 11:37 Uhr

Der Wehrdienst eines 23-jährigen Russen in der Arktis sorgt für Diskussionen. Denn Ruslan Schaweddinow arbeitet für Regierungskritiker Nawalny. Der spricht von einem illegalen Vorgehen - Schaweddinow sei wehruntüchtig.

Ein Unterstützer des russischen Regierungskritikers Alexej Nawalny ist möglicherweise widerrechtlich zum Militärdienst eingezogen worden. Der 23-jährige Ruslan Schaweddinow wurde am Montag in seiner Wohnung abgeholt und anschließend auf eine abgelegene Militärbasis in der Arktis gebracht. Dort soll er seine einjährige Zeit beim Militär verbringen.

Laut Nawalny soll die Polizei in die Moskauer Wohnung Schaweddinows eingedrungen und ihn sofort festgenommen und abtransportiert haben.

Polizisten versuchen Schaweddinow bei einer Demo 2017 in Moskau festzunehmen | Bildquelle: REUTERS
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Polizisten versuchen Schaweddinow bei einer Demo 2017 in Moskau festzunehmen.

"Politischer Gefangener"?

Die Umstände des Falles sorgen nun für Diskussionen: Nawalny bezeichnete Schaweddinow als "politischen Gefangenen", das Vorgehen des Militärs sei "illegal". Sein Mitarbeiter sei aus gesundheitlichen Gründen wehruntüchtig. Wjatscheslaw Gimadi, ein Anwalt von Nawalnys Stiftung, sprach von einer "Entführung" Schaweddinows und warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie Verteidigungsminister Sergej Schoigu vor, direkt dafür verantwortlich zu sein.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen russischen Militär, der das Vorgehen verteidigt. Ein Gericht habe entschieden, dass Schaweddinow eingezogen werden dürfe, sagte Maxim Loktev. Schaweddinow habe sich seit langem vor dem Wehrdienst gedrückt. Seine jetzige Einberufung entspreche dem Gesetz. Kremlsprecher Dmitri Peskow verteidigte das Vorgehen des Militärs.

In Russland gilt die Wehrpflicht. Sie betrifft Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, die Dienstzeit beträgt ein Jahr.

Demonstration für Schaweddinow

Schaweddinow soll sich auf der Luftabwehrbasis im entlegenen Nowaja-Semlja-Archipel aufhalten. Es sei ihm verboten worden, sein Handy zu benutzen. Über seinen Aufenthaltsort informierte er seine Unterstützer offenbar dank der Hilfe eines anderen Soldaten.

Schaweddinow arbeitete als Projektmanager für Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung. Die Stiftung wurde von den russischen Behörden in diesem Jahr als "ausländischer Agent" eingestuft. Gegen sie wird wegen angeblicher Geldwäsche ermittelt. Einige Unterstützer Schaweddinows demonstrierten am Mittwochabend in Moskau vor dem Sitz des Generalstabs der russischen Streitkräfte.

Durchsuchungen bei Nawalnys Stiftung

Heute durchsuchte die Polizei das Büro von Nawalnys Stiftung in Moskau. Nawalny und mehrere Mitarbeiter veröffentlichten im Internet Videos vom Beginn der Durchsuchung. Darauf ist zu sehen, wie die Tür des Büros mit einer Bohrmaschine und einer Säge aufgebrochen wird. Nawalny schrieb bei Twitter, er sei "gewaltsam" aus dem Büro gebracht worden. Die Polizei habe Unterlagen der Stiftung beschlagnahmt.

Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker Putins. Die Stiftung des Anwalts deckt immer wieder Fälle von Korruption und den dekadenten Lebensstil von Vertretern der russischen Führung auf. Nawalny wurde schon mehrfach festgenommen und zu Haftstrafen verurteilt.

Team von Kreml-Kritiker Navalny erneut unter Druck
Martha Wilczynski, ARD Moskau
26.12.2019 22:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Dezember 2019 um 03:00 Uhr.

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