Besatzungsmitglieder der "Theodore Roosevelt" verladen Proviant. | Bildquelle: via REUTERS

Corona auf US-Flugzeugträger Virus-Erkenntnisse durch infizierte Seeleute?

Stand: 18.04.2020 13:32 Uhr

Auf beengten Kriegsschiffen auf See kann sich das Coronavirus leicht ausbreiten. Bereits Ende März gab es auf einem US-Flugzeugträger Dutzende Fälle. Nun erhofft sich das Militär daraus Erkenntnisse zur Pandemie.

Bereits Wochen vor dem Ausbruch von Covid-19 auf dem französischen Flugzeugträger "Charles de Gaulle" war die neuartige Lungenerkrankung auf dem US-Flugzeugträger "Theodore Roosevelt" aufgetreten. Der öffentlich gewordene Streit über die richtigen Maßnahmen gegen die Ausbreitung auf einem beengten Kriegsschiff hatte auch politische Konsequenzen.

Die US-Streitkräfte erhoffen sich auch medizinische Erkenntnisse zum Coronavirus, weil die Gruppe gut überwacht und kontrolliert werden kann. Es ließen sich Erkenntnisse über Symptome innerhalb einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ableiten, sagte General John Hyten. Zwei Drittel der positiv auf das Coronavirus getesteten Seeleute auf dem Flugzeugträger zeigten keine Symptome, betonte er. In allgemeinen Studien dagegen treten laut Hyten nur bei 20 bis 50 Prozent der Coronavirus-Infizierten keine Symptome auf. Die fast 5000 Besatzungsmitglieder seien allerdings auch jünger und gesünder als die durchschnittliche Bevölkerung.

Erster Soldat an Covid-19 gestorben

Zudem waren laut Hyten bei rund zehn Prozent der nun positiv getesteten Besatzungsmitglieder die Tests zunächst negativ ausgefallen. Hyten zufolge änderte sich dies immer innerhalb von zwei Wochen. Nach einer 14-tägigen Quarantäne könne also mit großer Sicherheit gesagt werden, ob jemand krank sei oder nicht, erklärte Hyten.

Bislang wurden 94 Prozent der Besatzung auf das Coronavirus getestet. 660 Seeleute haben sich mit dem Virus infiziert, bei 3920 fiel der Test negativ aus. Mehr als 4000 der fast 5000 Soldaten an Bord wurde an Land verlegt.

Ein Besatzungsmitglied starb an der Lungenkrankheit. Der 41-jährige Bootsmann war am 30. März positiv getestet und vom Schiff gebracht worden. Er ist der erste aktive US-Soldat, der an Covid-19 starb.

Rauswurf und Rücktritt

Der Konflikt um den richtigen Umgang mit der Corona-Krise an Bord hatte in der US-Armee hohe Wellen geschlagen. Träger-Kapitän Brett Crozier hatte Ende März angesichts Dutzender Coronavirus-Infektionen auf dem Schiff in einer Mail an seine Vorgesetzten in drastischen Worten Alarm geschlagen. Die Mail gelangte an die Öffentlichkeit, was Crozier von Teilen der Pentagon als Illoyalität ausgelegt wurde.

Der geschäftsführende Marine-Staatssekretär Thomas Modly entband Crozier von seinem Kommando. Später sorgte Modly mit einer von zahlreichen vulgären Ausdrücken durchsetzten Ansprache an die Besatzung des Flugzeugträgers für Empörung und musste schließlich zurücktreten. Inzwischen gilt nicht mehr als ausgeschlossen, dass Crozier sein Kommando zurückerhält. Eine Untersuchung der US-Marine steht offenbar kurz vor dem Abschluss.

Die "Theodore Roosevelt" liegt am 10. April im Marinehafen von Guam. | Bildquelle: AFP
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Die "Theodore Roosevelt" liegt noch immer in der Marinebasis auf Guam. Der

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