Bundespräsident Steinmeier mit seinem Israelischen Amtskollegen Rivlin im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern der Berliner Moses-Mendelssohn-Schule in Berlin | Bildquelle: FILIP SINGER/EPA-EFE/REX

Erinnerung an den Holocaust Nur Schulunterricht reicht nicht

Stand: 28.01.2020 17:02 Uhr

Wie die Erinnerung an den Holocaust wach halten? Wie junge Menschen an das Thema heranführen? Bundespräsident Steinmeier und sein israelischer Amtskollege Rivlin warben vor Schülern in Berlin für einen Besuch in Israel.

In den Tagen rund um den 27. Januar - den offiziellen Holocaust-Gedenktag in Deutschland - wurde und wird einmal mehr darüber diskutiert, wie an den Massenmord an den europäischen Juden erinnert werden soll und kann. Auch, weil immer weniger Überlebende Zeugnis von den Verbrechen ablegen können.

Ein Vorschlag: Junge Leute sollte eine KZ-Gedenkstätte besuchen. Eine Forderung, über die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier jetzt noch einmal hinausging: Gemeinsam mit Israels Staatspräsident Reuven Rivlin rief Steinmeier die Jugendlichen auf, nicht nur ehemalige Konzentrationslager, sondern auch Israel und die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zu besuchen.

"Es darf sich nicht wiederholen"

"Wir haben jetzt die vierte, fünfte, sechste Generation nach dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg", sagte Rivlin bei einem Besuch des jüdischen Moses Mendelssohn Gymnasiums in Berlin. "Wir müssen einen Weg finden, um Euch und Eure Kinder wissen zu lassen, was passiert ist, und zu vermeiden, dass sich dies wiederholt." Es gebe wieder "Wellen von Antisemitismus, Hass und Rassismus" in der ganzen Welt, warnte Rivlin.

Ein Besuch Israels sei "aus meiner Sicht eine notwendige Ergänzung zur Information und zum Schulunterricht", erklärte Steinmeier. Der Bundespräsident betonte die Verpflichtung der Lehrer, ihre Schüler über den Nationalsozialismus, die Schoah und die daraus erwachsende Verantwortung zu informieren. "Was mich besorgt, ist, dass sich die Rolle der Schulerziehung ändert, weil der Einfluss der sozialen Medien heute mit der Erziehung in Schulen und Familien konkurriert", erklärte Steinmeier.

Auschwitz Symbol für den Massenmord

Am Montag hatte sich zum 75. Mal die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee gejährt. An der Gedenkveranstaltung in Auschwitz nahmen auch Steinmeier und Rivlin teil. Rivlin und seine Delegation flogen anschließend in der Maschine Steinmeiers mit nach Berlin. Beide Staatsoberhäupter werden am Mittwoch in der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus jeweils eine Rede halten.

Auschwitz gilt weltweit als Symbol für die Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten. Allein dort ermordete die SS mindestens 1,1 Millionen Menschen. Europaweit wurden etwa sechs Millionen Juden ermordet.

Auschwitz-Gedenken im Bundestag
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
29.01.2020 07:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Januar 2020 um 16:33 Uhr.

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