Iranische Revolutionsgarden | Bildquelle: dpa

Iran nach Bann für Revolutionsgarden "USA sind Terrorunterstützer"

Stand: 09.04.2019 08:38 Uhr

Die iranischen Revolutionsgarden sind mehr als eine Armee. Auch in Wirtschaft und Politik spielen sie eine Rolle. Dass die USA sie nun als "Terrororganisation" einstufen, ruft entsprechende Reaktionen hervor.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Revolutionsgarden - schon der Name macht klar - hier geht es nicht einfach nur um die Armee eines Landes. Für viele sind die iranischen Revolutionsgarden ein Staat im Staat. Für US-Präsident Donald Trump sind sie eine Terrororganisation. Nächste Woche sollen sie auf die schwarze Liste der USA kommen. Als einer der ersten reagierte der Justizchef des Iran, Ebrahim Raisi, der den Obersten des Regimes sehr nahe steht:

"Heute kann jeder sehen, wie Amerika agiert. Sie haben keine anderen Ziele, als Terroristen zu bewaffnen, sie zu steuern und zu beherbergen. Die USA haben heute mit den Revolutionsgarden eine Organisation zu Terroristen erklärt, die den Menschen und Verteidigern der Islamischen Bewegung weltweit hilft. Dieses Vorgehen der Vereinigten Staaten wird niemals akzeptiert, es findet global keine Anerkennung."

Der Chef der Revolutionsgarden, Dschafari (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / Newscom
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Der Chef der Revolutionsgarden, Dschafari, steuert im Iran mehr als nur eine Armee.

Die Macht der Revolutionsgarden

Die Revolutionsgarden sind eine Armee mit Bodentruppen, Luftwaffe und Marine, aber sie sind mehr. Sie unterstehen direkt dem Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei - sind sein innenpolitisches Rückgrat. Sie kontrollieren Teile des Atomprogramms und der Raketeneinheiten.

Ihre Macht reicht weit in Politik und Wirtschaft hinein. Die Teheraner U-Bahn und andere Infrastrukturprojekte gehören zu ihren Geschäftsfeldern, sie kontrollieren die Ölförderung, Telefon und Internet teilweise auch. Trump will diesen Geldhahn zudrehen und mögliche Vermögen der Revolutionsgarden in den USA einfrieren. US-Unternehmen dürfen keine Geschäfte mehr mit ihnen machen.

Retourkutsche aus Teheran

In Teheran war man vorgewarnt. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Diskussionen darüber gegeben, die Revolutionsgarden zur Terrororganisation zu erklären. Zuletzt hatte es am Wochenende Gerüchte dazugeben. Die Reaktion aus Teheran darauf war schon vorbereitet. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Zarif erklärte:

"Der Nationale Sicherheitsrat der Islamischen Republik hat das US-Zentralkommando, bekannt unter dem Namen Centcom, und alle angegliederten Kräfte zur Terrorgruppe erklärt und die US-Regierung zu Terrorunterstützern."

Centcom, das ist ein US-Zentralkommando, das im Nahen Osten Einsätze koordiniert. Zarif hatte schon am Wochenende getwittert, Trump solle zwei Mal überlegen, bevor er die USA in eine weitere Katastrophe führe.

Kritik kam auch von der iranischen Opposition. Trotz der Differenzen mit den Revolutionsgarden stehe man geschlossen hinter ihnen, so ein Sprecher. Das Volk solle Trumps Schritt verurteilen. Das erfuhr umgehend im Staatsfernsehen vom neuen Streit.

Empörung hält sich in Grenzen

Im Iran sehen viele Menschen die Revolutionsgarden kritisch, machen sie mitverantwortlich für Korruption und Vetternwirtschaft und damit auch für die schlechte wirtschaftliche Lage. Die Empörung, dass ihre Armee jetzt eine Terrororganisation sein soll, hält sich deshalb bei manch einem Iraner auf der Straße in Grenzen.

Iran reagiert auf US-Entscheidung zu Revolutionsgarden
Karin Senz, ARD Istanbul
09.04.2019 08:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. April 2019 um 17:00 Uhr in den Nachrichten.

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