Matteo Renzi kündigt seinen Rücktritt als Parteichef an | Bildquelle: ETTORE FERRARI/EPA-EFE/REX/Shutt

Nach der Italienwahl Renzi will als Parteichef zurücktreten

Stand: 05.03.2018 18:51 Uhr

Nach der Niederlage der Sozialdemokraten in Italien hat Renzi seinen Rücktritt vom Parteivorsitz der PD angekündigt. Zugleich erklärte er, dass seine Partei in die Opposition gehen werde.

Der Parteichef des sozialdemokratischen Partito Democratico (PD), Matteo Renzi, hat die Konsequenz aus dem desaströsen Wahlergebnis seiner Partei gezogen. Er kündigte seinen Rücktritt an. "Wir haben Fehler gemacht, es ist klar, dass ich nach diesem Ergebnis die Führung des Partito Democratico aufgebe", sagte er.

Zugleich betonte er, der PD werde in die Opposition gehen und sich keinem Regierungsbündnis anschließen. Die Niederlage zwinge die Partei, eine neue Seite aufzuschlagen, erklärte er: "Ihr solltet  wissen, dass unser Platz in dieser Legislaturperiode die Opposition ist. Denn der PD ist gegen die Anti-System-Parteien gegründet worden, und wird jetzt nicht zur Krücke für diese Anti-System-Parteien, womöglich nach einem Hinterzimmer-Deal."

Wer die bislang stärkste Regierungspartei in Zukunft führt, ist offen. Davon wird auch der künftige PD-Kurs abhängen - und ob man sich am Ende nicht doch an einer Regierung beteiligt.

Der PD könnte rein theoretisch ein Bündnis mit der Fünf-Sterne-Bewegung schließen, die bei der Wahl stark zugelegte, aber auch keine Mehrheit bekam. Koalitionsverhandlungen können erst nach dem 23. März beginnen, wenn das neue Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammenkommt.

Früherer Hoffnungsträger

Der 43-jährige Renzi galt einst als Hoffnungsträger, der Italien wieder aus der Krise führen könnte. Anfang 2014 hatte er das Amt des Ministerpräsidenten übernommen, nachdem er seinen Parteikollegen und Vorgänger Enrico Letta aus dem Amt gedrängt hatte. Renzis Popularität begann zu schwinden, als er das Verfassungsreferendum im Dezember 2016 zur Abstimmung über seine eigene politische Zukunft erklärte.

Nach dem Scheitern des Referendums musste er als Regierungschef zurücktreten. Im Mai vergangenen Jahres hatte er den Vorsitz der Partei zurückerobert. Vor allem dem linken Flügel seiner Partei aber passte Renzis Modernisierungskurs nicht.

Seine Partei war bei der Abstimmung am Sonntag mit nur rund 19 Prozent deutlich hinter die populistische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtsextreme Lega zurückgefallen.

Die Partei, der auch Ministerpräsident Paolo Gentiloni angehört, verlor auch wichtige Direktmandate in Hochburgen wie der Toskana oder in Umbrien. Bei der Wahl 2013 hatte der PD noch bei 25,4 Prozent gelegen.

Mit Informationen von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Sieger und Verlierer nach der Italienwahl
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
06.03.2018 01:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. März 2018 um 18:00 Uhr.

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