Tür am saudischen Konsulat in Istanbul | Bildquelle: SEDAT SUNA/EPA-EFE/REX/Shutterst

Reaktionen im Fall Khashoggi Zweifel an den Todesumständen

Stand: 20.10.2018 22:52 Uhr

Während US-Präsident Trump die saudische Version zu den Umständen von Khashoggis Tod für glaubwürdig hält, gibt es international erhebliche Zweifel. Die Bundesregierung verurteilte die Tat scharf.

Nach wochenlangem Abstreiten hat Saudi-Arabien zugegeben, dass der vermisste Journalist Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul ums Leben gekommen ist.

Zwischen Khashoggi und mehreren Personen sei es zu einem tödlichen Streit gekommen, berichtete die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur Spa.

Trump sorgt sich um Jobs und Unternehmen

US-Präsident Donald Trump begrüßte die Festnahmen von 18 Verdächtigen in Saudi-Arabien, hält den Fall aber noch nicht für restlos aufgeklärt. "Es ist nur ein erster Schritt, aber es ist ein großer erster Schritt", sagte er in Arizona. Ansonsten reagierte der Präsident verhalten.

Zunächst wolle er mit Kronprinz Mohammed bin Salman sprechen, ehe er nächste Schritte ergreife. Über den Umfang einer US-Reaktion wolle er sich mit dem Kongress abstimmen. Ihm schwebe "eine Form von Sanktion" vor. Doch würde er es vorziehen, wenn amerikanische Unternehmen und Jobs nicht unter einer milliardenschweren Kürzung von Waffendeals mit dem Königreich leiden müssten. Auf die Frage, ob er Saudi-Arabiens Erklärung zum Tod Khashoggis für glaubwürdig halte, sagte der Präsident: "Das tue ich."

"Einfach nicht glaubwürdig"

Andere Politiker reagierten weitaus skeptischer. So meldete US-Senator Lindsey Graham erhebliche Zweifel an der Saudi-Version der Todesumstände an. "Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass ich der neuen saudischen Schilderung zum Tod Herrn Khashoggis skeptisch gegenüberstehe", schrieb der Republikaner. "Erst haben wir erzählt bekommen, dass Herr Khashoggi das Konsulat angeblich verlassen hat, und es gab ein pauschales Dementi jeglicher saudischer Verstrickung", twitterte Graham. "Und nun bricht ein Streit aus und er wird im Konsulat getötet, alles ohne Wissen des Kronprinzen."

Der Abgeordnete Eliot Engel, der ranghöchste Vertreter der Demokraten im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, teilte mit: "Die Erklärung der saudischen Behörden von heute Nacht ist einfach nicht glaubwürdig, besonders, weil sich die Geschichte in den vergangenen Tagen so stark geändert hat." Er forderte die US-Regierung auf, Druck für eine "gründliche und transparente Untersuchung" auszuüben.

Der US-Kongressabgeordnete Eric Swalwell forderte Saudi-Arabien auf, den Verbleib der Leiche aufzuklären. "Wo ist die Leiche?", twitterte der demokratische Abgeordnete, der im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses sitzt. Khashoggis Familie stehe es zu, sofort die sterblichen Überreste des Regimekritikers in ihre Obhut nehmen zu können.

AKP: Saudisches Eingeständnis eine "Schande"

In der Türkei bezeichnete die Regierungspartei AKP das späte Eingeständnis der saudischen Führung als "Schande". Erst durch die "ernsthaften und erfolgreichen" türkischen Ermittlungen in dem Fall sei das Königreich gezwungen gewesen, Khashoggis Tod schließlich zu bestätigen, sagte AKP-Sprecherin Leyla Sahin Usta. Alle Beweise würden bald veröffentlicht werden, fügte sie hinzu.

Türkische Regierungs- und Geheimdienstkreise hatten früh die These gestreut, Khashoggi sei im Konsulat getötet worden - Riad hatte diese Vorwürfe zunächst vehement bestritten.

Bundesregierung verlangt weitere Aufklärung

Die Bundesregierung hat die Tötung "in aller Schärfe" verurteilt und weitere Aufklärung verlangt. "Von Saudi-Arabien erwarten wir Transparenz im Hinblick auf die Todesumstände und die Hintergründe", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas. "Verantwortliche müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Die vorliegenden Angaben zu den Abläufen im Konsulat in Istanbul sind nicht ausreichend."

Auch Vertreter der Opposition und SPD zweifelten an der saudi-arabischen Darstellung. "Die bisherigen Indizien lassen vermuten, dass die veröffentlichte Version mehr als unglaubwürdig ist", erklärte SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich. "Die brutale Ermordung sprengt jede Vorstellungskraft." Mützenich forderte "eine deutliche, unverzügliche und gemeinsame Reaktion europäischer Regierungen".

Guterres ist "beunruhigt", London erwägt "weitere Schritte"

UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich "zutiefst beunruhigt" über den gewaltsamen Tod des Kolumnisten und bekräftigte die Notwendigkeit einer "unmittelbaren, gründlichen und transparenten Untersuchung" der Todesumstände.

Antonio Guterres | Bildquelle: AFP
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UN-Generalsekretär Guterres fordert eine transparente Untersuchung.

EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zeigte sich ebenfalls außerordentlich beunruhigt. Die Europäische Union müsse, gemeinsam mit ihren Partnern, darauf bestehen, dass "gründliche, glaubwürdige und transparente Untersuchungen" in dem Fall eingeleitet werden.

Auch Frankreich verurteilte die Tötung in aller Schärfe. Außenminister Jean-Yves Le Drain forderte ebenfalls weitere Untersuchungen.

Die britische Regierung teilte mit, man erwäge nun "weitere Schritte" in dem Fall. "Dies war eine schreckliche Tat und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden", so dass Außenministerium. Auch die Niederlande setzten sich für weitere Untersuchungen im Fall Khashoggi ein.

Saudi-Arabien war in diesem Jahr bisher der zweitgrößte Kunde der deutschen Rüstungsindustrie: Bis zum 30. September erteilte die Bundesregierung Exportgenehmigungen im Wert von 416,4 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

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