Italiens Innenminister Matteo Salvini während einer TV-Sendung vor einem Bild der Kapitnin Carola Rackete  | Bildquelle: dpa

Ehrung für Kapitäninnen Salvini wirft Frankreich Heuchelei vor

Stand: 13.07.2019 13:36 Uhr

Für ihren Einsatz für Flüchtlinge will Paris die "Sea-Watch"-Kapitäninnen Rackete und Klemp mit einer Verdienstmedaille ehren. Italiens Innenminister Salvini hält das für Heuchelei und wettert gegen Frankreich.

Die Stadt Paris will die "Sea-Watch"-Kapitäninnen Carola Rackete und Pia Klemp für ihren Einsatz in der Flüchtlingsrettung auszeichnen. Sie sollen die "Médaille Grand Vermeil de la Ville de Paris" erhalten, die höchste Verdienstmedaille der französischen Hauptstadt. Der Stadtrat habe zudem zugestimmt, der französischen Seenotrettungsorganisation "SOS Méditerranée" 100.000 Euro Soforthilfe für eine neue Rettungsmission zukommen zu lassen, hieß es aus Paris.

"Sea-Watch"-Kapitänin Rackete auf einem von der Hilfsorganisation verbreiteten Bild | Bildquelle: TILL M EGEN/SEA-WATCH HANDOUT/EP
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Rackete hatte die "Sea Watch" unerlaubt in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa gesteuert.

Paris: Kapitäninnen sind "Ikonen"

Paris Vize-Bürgermeister Patrick Klugman würdigte Rackete und Klemp als "Ikonen" in einem Kampf und "Trägerinnen europäischer Werte, an die zu glauben die Stadt Paris zum wiederholten Mal den gesamten Kontinent aufruft". Organisationen wie "Sea-Watch" oder "SOS Méditerranée" "ehren und verpflichten uns angesichts der Trägheit der europäischen Regierungen", erläuterte Klugman die Entscheidung.

Rackete war zuletzt auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa vorübergehend festgenommen worden, nachdem sie das Rettungsschiff "Sea-Watch-3" mit 40 Migranten an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen gesteuert hatte. Ihr wurde außerdem vorgeworfen, dabei ein italienisches Polizeiboot gerammt zu haben. Inzwischen ist Rackete wieder auf freiem Fuß. Am Dienstag soll sie erneut angehört werden.

Klemp rettete in der Vergangenheit ebenfalls als "Sea-Watch"-Kapitänin zahlreiche Menschen aus dem Mittelmeer. Sie war auch für "Jugend Rettet" im Einsatz. Klemps Schiff "Iuventa" wurde 2017 von italienischen Behörden beschlagnahmt Auch gegen sie ermitteln italienische Behörden.

Pia Klemp bei der Demonstration 'Ein Europa für alle - Deine Stimme gegen den Nationalismus' in der Deutzer Werft. Köln, 19.05.2019 | Bildquelle: picture alliance / Geisler-Fotop
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Auch Klemp hat die "Sea-Watch 3" bereits gesteuert und Flüchtlinge gerettet.

Die Iuventa von "Jugend Rettet" im Einsatz (Foto:  Johannes Moths)
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2017 war sie Kapitänin der "Iuventa". Das Schiff wurde von italienischen Behörden beschlagnahmt.

"Wie der Gewalttätigste der Gelbwesten-Bewegung"

Italiens Innenminister Matteo Salvini reagierte auf Facebook entrüstet über die angekündigte Ehrung. Er wirft Frankreich "Heuchelei" vor: "Sie zeichnen die deutsche Kapitänin Rackete wie eine Heldin aus, aber es war Paris, das nicht auf ihre Hilferufe reagiert hat." Dazu veröffentlichte er eine Mail der Kapitänin, in der sie erklärt, dass Malta und Frankreich ihr einen Hafen verwehrt hätten.

Rackete sei wie "der Gewalttätigste der Gelbwesten-Bewegung", weil sie mit der "Sea-Watch 3" ein Boot der italienischen Finanzpolizei gerammt und das Leben der Polizisten riskiert habe, sagte Salvini.

Die 31-jährige aus Niedersachsen will Salvini verklagen, weil er aus ihrer Sicht Hassbotschaften gegen sie gesendet und andere Menschen aufgestachelt habe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Juli 2019 um 14:00 Uhr.

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