R. Kelly  | Bildquelle: AP

Vorwürfe gegen Sänger R. Kelly wegen Missbrauchs angeklagt

Stand: 23.02.2019 03:38 Uhr

Immer wieder gab es Anschuldigungen gegen den Sänger R. Kelly - nun wirft ihm die Staatsanwaltschaft sexuellen Missbrauch in zehn Fällen vor. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu 70 Jahren.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Mit seinen Songs hat R. Kelly Millionen Fans in aller Welt begeistert. Doch schon seit Beginn seiner Karriere gab es immer wieder Vorwürfe und Anklagen, der Sänger zwinge minderjährige Frauen zu sexuellen Handlungen.

Anfang des Jahres lief im US-Fernsehen die sechsteilige Doku-Serie "Surviving R. Kelly" - "Wie ich R. Kelly überlebte". Darin schilderten junge Frauen, wie sie als Minderjährige Opfer des Sängers wurden. Eine von ihnen war die zur Tatzeit 16-jährige Jerhonda Pace: "Wenn ich mich weigerte, mit ihm Sex zu haben, dann wurde ich in einem Raum eingesperrt", sagte sie.

Nach Ausstrahlung der Doku-Serie meldeten sich mehrere angebliche Opfer des Sängers bei der Staatsanwaltschaft in Chicago. Opferanwalt Michael Avenatti gab an, er habe er der Staatsanwaltschaft ein knapp 45-minütiges Video zur Verfügung gestellt. Darin sei R. Kelly beim Sex mit einer Minderjährigen zu sehen, die im Video sagt, sie sei erst 14.

Bis zu 70 Jahre Haft drohen

Die Staatsanwältin von Chicago, Kimberly Foxx, hat nun den 52-jährigen Sänger wegen schweren sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen angeklagt - aufgrund von Taten, die sich zwischen 1998 und 2010 ereignet haben sollen. Konkret geht es um vier junge Frauen, von denen drei zur Tatzeit zwischen 13 und 16 Jahre alt waren. Im Falle eines Schuldspruchs, so Staatsanwältin Foxx, müsse R. Kelly für "jeden der zehn Anklagepunkte mit drei bis sieben Jahren Strafe" rechnen. Dem Sänger drohen somit bis zu 70 Jahre Haft.

Kelly stellte sich am Freitagabend den Sicherheitsbehörden. Der Sänger, gegen den ein Haftbefehl vorlag, meldete sich bei der Polizei in Chicago und wurde in Gewahrsam genommen, wie ein Polizeisprecher sagte. Am Samstagnachmittag soll er einem Haftrichter vorgeführt werden.

R. Kelly in Handschellen | Bildquelle: AP
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Der Sänger wurde auf der Polizeiwache in Handschellen gelegt.

Freispruch vor elf Jahren

Schon 2008 gab es eine ähnliche Anklage gegen R. Kelly. Damals sprachen ihn jedoch die Geschworenen am Ende frei, weil sie nicht zweifelsfrei überzeugt waren, ob es wirklich der Sänger war, der in einem Video Sex mit einer 13-Jährigen hatte. Erschwerend hinzu kam, dass damals das Opfer nicht bereit war, gegen den Sänger auszusagen.

Das ist diesmal anders: Offensichtlich gibt es ein eindeutiges Video, mehrere aussagewillige Opfer - und noch etwas hat sich zwischen 2008 und 2019 verändert, betont die Rechtsexpertin Rikki Klieman im Sender CBS: "natürlich die Me-too-Bewegung!"

R. Kelly bestreitet bislang die Vorwürfe. Der Sänger sei "außerordentlich enttäuscht und zutiefst schockiert" über die Anklage, sagte Kellys Anwalt. Er sei jedoch bereit, sich Polizei und Justiz zu stellen.

R. Kelly stellt sich Polizei – Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs
Martin Ganslmeier, NDR Washington
23.02.2019 09:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Februar 2019 um 23:00 Uhr.

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