Demonstranten mit Bannern und roten Fahnen in Moskau | Bildquelle: AFP

Proteste in Russland "Ich sterbe bis zur Rente"

Stand: 28.07.2018 13:58 Uhr

Die Lebenserwartung in Russland ist niedrig, viele sterben vor dem Rentenalter - deshalb sind die Proteste gegen die Rentenreform der Regierung heftig. In Moskau gingen Zehntausende auf die Straße.

Zehntausende Russen haben landesweit gegen die geplante Anhebung des Rentenalters demonstriert. In zahlreichen Städten mobilisierten Gewerkschaften, die Kommunistische Partei und linke Gruppen am Samstag ihre Anhänger. Allein in der Hauptstadt Moskau gingen nach Angaben der Organisatoren bis zu 100.000 Menschen auf die Straße - die Polizei sprach allerdings von 6500 Teilnehmern. Zu den Protesten hatte die Kommunistische Partei (KP) aufgerufen.

Unter deren roten Fahnen riefen die Demonstranten "Schande" und forderten Regierungschef Dmitri Medwedew zum Rücktritt auf. "Das ist keine Reform, sondern ein Verbrechen an der Nation", sagte KP-Chef Gennadi Sjuganow bei der Moskauer Kundgebung.

Demonstranten mit Bannern und roten Fahnen in Moskau | Bildquelle: AFP
galerie

Zehntausende demonstrieren gegen Putins Rentenreform.

Viele sterben vor der Rente

Die Regierung will das Rentenalter für Männer schrittweise um 5 auf 65 Jahre und für Frauen um 8 auf 63 Jahre steigern. Derzeit müssen Frauen bis zum 55. Lebensjahr arbeiten, Männer bis zum 60. Das Renteneintrittsalter wurde bereits 1932 festgesetzt, es ist eines der niedrigsten weltweit. Das Parlament hat das Gesetz in erster Lesung verabschiedet, Änderungen sind möglich. Das Projekt wird über Parteigrenzen hinweg kritisiert. Rund 2,9 Millionen Russen haben bereits eine Petition gegen die Rentenpläne der Regierung unterschrieben.

"Wir wollen von unseren Renten leben und nicht bei der Arbeit sterben" und "Ich sterbe bis zur Rente", stand auf Plakaten, welche die Demonstranten in Moskau trugen. Die Kritik bezieht sich auf die vergleichsweise niedrige Lebenserwartung in Russland: Eine Anhebung des Rentenalters würde dazu führen, dass vor allem Männer kaum mehr den Renteneintritt erleben, denn die durchschnittliche Lebenserwartung in Russland beträgt für Männer etwa 67 und für Frauen rund 77 Jahre.

Herausforderung für Putin

Experten halten das am ersten Tag der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land verkündete Reformvorhaben angesichts sinkender Lebensstandards für eine der größten Herausforderungen für Präsident Wladimir Putin. Seine Beliebtheitswerte sind bereits von 80 Prozent im Mai auf 64 Prozent im Juli gesunken.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juli 2018 um 16:00 Uhr.

Darstellung: