Ein Mann geht in Prag an einer Straßenbahn entlang und schiebt ein Fahrrad (02.12.2014) | Bildquelle: imago/CTK Photo

Fahrradverbot in Prag Wer sein Rad liebt, der schiebt

Stand: 07.05.2018 15:31 Uhr

Während viele Städte ihre Radwege ausbauen, macht Prag das Gegenteil - und sperrt das Zentrum für Fahrradfahrer. Die Begründung der Verwaltung sorgt bei vielen für Kopfschütteln.

Von Kilian Kirchgeßner, ARD-Studio Prag

Entlang der Moldau brausen die Radfahrer in Scharen: Der Weg verbindet die Vorstädte von Prag mit dem historischen Zentrum. Für viele Pendler ist es der tägliche Weg in die Arbeit, bislang zumindest. Denn jetzt endet die Strecke an der Grenze der Altstadt. In vielen Bereichen haben Radler hier künftig Fahrverbot.

Veronika Blazkova, Sprecherin des Prager Altstadtbezirks, begründet das folgendermaßen:

"Fahrräder sollten vor allem am Rande der Stadt fahren, in der Natur. Das Zentrum Prags ist aus historischer Sicht nicht für Fahrräder geeignet. Wir haben keine breiten Straßen, wo alle Formen des Verkehrs parallel funktionieren: Straßenbahnen, Busse, Autos, Fußgänger und Radfahrer. Deshalb haben wir beschlossen, dass wir die Sicherheit der Fußgänger im Zentrum garantieren werden."

Touristen auf dem Wenzelsplatz | Bildquelle: imago/pictureteam
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Auf dem Wenzelsplatz ist nach Ansicht der Stadtverwaltung kein Platz für Radfahrer.

Großteil der Altstadt betroffen

Das Verbot gilt in Fußgängerzonen, die in Prag allerdings einen Großteil der Altstadt ausmachen. Der Wenzelsplatz etwa ist zu großen Teilen eine Fußgängerzone und eigentlich breit genug, um auch Radfahrer aufzunehmen.

In Prag ist der Radverkehr ein großes Thema: Noch vor zehn Jahren gab es in der Stadt fast keine Radfahrer, und bis heute gibt es kaum Radwege. Selbst die wenigen Strecken, die es gibt, enden oftmals unvermittelt irgendwo an einem Bordstein.

Gerade deshalb sei das Radverbot im Zentrum eine verheerende Entscheidung, sagt der Prager Fahrradaktivist Vratislav Filler:

"Die Durchfahrt durch die Fußgängerzonen war seit zehn Jahren möglich und alle konnten sehen, wie es dem Zentrum hilft, dass dort ein Radverkehr möglich ist. Die großen Radrouten führen oft über die großen, breiten Plätze im Zentrum, weil es entlang der Straßen keine sicheren Radwege gibt, anders als in den meisten europäischen Städten. Die Fahrt durch die Fußgängerzonen ist natürlich eine Notlösung, die aber bis jetzt sehr gut funktionierte."

Ein Frau fährt mit einem Fahrrad an einem Café vorbei | Bildquelle: imago/ITAR-TASS
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Inzwischen verboten: Mit dem Fahrrad tagsüber in der Prager Innenstadt.

Radaktivisten halten Verbot für kontraproduktiv

Prager Initiativen und auch Verkehrspolitiker machen sich seit Jahren dafür stark, den Radverkehr zu stärken - vor allem, weil das Prager Zentrum im immer dichter werdenden Autoverkehr zu ersticken droht. Jetzt ausgerechnet den Radfahrern das Leben zu erschweren, sei kontraproduktiv. Dabei habe man sich zusammen mit der Stadt um Lösungen bemüht, sagt Radaktivist Filler:

"Wir haben zum Beispiel einige Stellen benannt, wo ein Fahrradverbot sinnvoll ist - etwa vor dem Glockenspiel auf dem Altstädter Ring. Dort sind besonders viele Touristen unterwegs. Außerdem haben wir vorgeschlagen, ein Tempolimit von zehn Kilometern pro Stunde für die Fußgängerzonen einzuführen. Aber leider fanden wir kein Gehör."

Immerhin: Die Stadt will das Verbot zeitlich beschränken von zehn bis 17 Uhr. Wer unbedingt mit dem Rad fahren will, heißt es offiziell in Prag, der soll eben vorher oder nachher fahren.

Verkehrspolitik mal anders: Prag verbietet Radfahren
Kilian Kirchgeßner, ARD Prag
07.05.2018 14:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Mai 2018 um 15:50 Uhr.

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