Mauretanier reiten auf Kamelen | Bildquelle: AFP

Wahl in Mauretanien Safaris, Sicherheit und Sklaverei

Stand: 22.06.2019 11:34 Uhr

In Mauretanien wird heute ein neuer Präsident gewählt. Trotz Rohstoffen und attraktiver Touristenziele sorgen vor allem Extremismus und die Sklaverei-Frage für Aufsehen.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Mauretanien ist fast drei Mal so groß wie Deutschland. Aber nur etwas mehr als 4,5 Millionen Menschen leben dort. Fast die Hälfte von ihnen ist jünger als 15 Jahre. Diese Bevölkerung setzt sich aus unterschiedlichen Volksgruppen zusammen: Etwa 70 Prozent der Mauretanier haben ihre Wurzeln in der arabischen oder in der Berber-Kultur. Die übrigen 30 Prozent stammen aus schwarzafrikanischen Völkern.

Der Umgang der Volksgruppen miteinander sorgte auch im Wahlkampf für erheblichen Zündstoff. Biram dah Abeid, einer der Präsidentschaftskandidaten, prangerte Sklaverei in Mauretanien an. "Die Sklaverei bedrückt immer noch 20 Prozent der Mauretanier, vor allem die Gruppe der Haratin", sagte er.

Streit über Frage der Sklaverei

Die Haratin sind Mauretanier, deren Vorfahren Sklaven waren. Präsidentschaftskandidat Biram dah Abeid behauptet, dass Angehörige der mauretanischen Oberschicht noch heute Sklaven halten.

Sklaverei wurde 1981 in Mauretanien verboten. Erst seit 2007 drohen Sklavenhaltern Strafen. Der bisherige Präsident Mohammed Ould Abdel-Aziz, der nach zehnjähriger Amtszeit nicht erneut kandidieren durfte, hat immer bestritten, dass es noch Sklaverei in seinem Land gebe.

Die Auseinandersetzung in dieser Frage bleibt aktuell: Alle Kandidaten im mauretanischen Wahlkampf behaupten, sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Haratin einsetzen zu wollen.

Wahlkampfthema Sicherheit

Wüste in Mauretanien | Bildquelle: JOE PENNEY
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Die Wüsten waren ein beliebtes Touristenziel in Mauretanien, bevor wegen tödlicher Zwischenfälle und Entführungen der Tourismus einbrach.

Darüberhinaus spielten Sicherheitsfragen eine Rolle im Wahlkampf. Der Wüstenstaat hatte bis 2008 viel Erfolg in der Tourismusbranche. Safaris in die herrliche Atar-Wüste zogen besonders viele Touristen an. Aber dann ermordeten Extremisten vier Franzosen. Es gab Entführungen. Daraufhin sackte das Tourismusgeschäft auf Null.

Mauretaniens Regierung verschärfte danach die Sicherheitsmaßnahmen. Jetzt machen sich wieder Reisende  auf den Weg, aber es sind nur einige tausend.

Viele Rohstoffe, aber auch viel Armut

Berber in Mauretanien | Bildquelle: JOE PENNEY
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70 Prozent der Mauretanier haben ihre Wurzeln in der arabischen oder in der Berber-Kultur.

Insgesamt aber sind die allgemeinen Wirtschaftsdaten positiv: Die Einnahmen aus Rohstoffen wie Gold, Kupfer und Eisen steigen. Gemeinsam mit dem Nachbarland Senegal sollen Erdgasfelder vor der Küste ausgebeutet werden. Dennoch: Mehr als 40 Prozent der Mauretanier müssen mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen. Der Internationale Währungsfonds mahnt deshalb mehr "inklusives Wachstum" an.

Das allgemeine politische Klima in Mauretanien ist schwierig. Wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl wurden zwei Blogger festgenommen. Sie hatten in einem sozialen Netzwerk Korruptionsvorwürfe kommentiert, die in ausländischen Zeitungen gegen prominente Persönlichkeiten in Mauretanien erhoben wurden. Den Bloggern wird jetzt vorgeworfen, "Gerüchte" weiterverbreitet zu haben.

Fall eines Bloggers sorgt seit Jahren für Aufsehen

Immer noch schwelt der Fall eines anderen Bloggers in Mauretanien. Er hatte vor sechs Jahren darüber geschrieben, dass es in der mauretanischen Gesellschaft eine Art Kasten-System gebe, das fälschlicherweise immer wieder mit religiösen Begründungen gerechtfertigt werde. Der Blogger wurde daraufhin wegen "Abfall vom Glauben" zunächst zum Tode verurteilt. Nach massiven Protesten musste er schließlich eine zweijährige Haftstrafe absitzen. Aber auch danach kam er nicht frei.

Mauretaniens Präsident Mohammed Ould Abdel-Aziz sitzt neben dem Präsidentschaftskandidaten Mohamed Ahmed Ghazouani | Bildquelle: MOHAMED MESSARA/EPA-EFE/REX
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Der bisherige Präsident Mohammed Ould Abdel-Aziz (r.) unterstützt die Kandidatur von Mohamed Ahmed Ghazouani (l.).

Als der amtierende Präsident Aziz vergangenes Jahr in einem französischen Fernsehsender nach dem Schicksal des Bloggers gefragt wurde, lautete seine Antwort: "Er ist teilweise frei. Das heißt: Juristisch gesehen ist er frei. Aber aus Gründen der Sicherheit und der Stabilität steht er unter Hausarrest."

Das ist immer noch so. Angeblich fürchtet Mauretaniens Regierung Unruhen durch religiöse Extremisten, wenn der Blogger frei gelassen werden sollte. 

Dass sich nach der Präsidentschaftswahl entscheidend etwas ändert im Wüstenstaat Mauretanien, gilt als unwahrscheinlich. Der aussichtsreichste Kandidat ist ein enger Vertrauter des bisherigen Präsidenten.

Mauretanien - Präsidentschaftswahl in einem schwierigen Land
Jens Borchers, ARD Rabat
22.06.2019 10:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juni 2019 um 18:00 Uhr.

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