Abiy Ahmed | Bildquelle: dpa

Nobelpreis für Abiy Ahmed Friedensbringer auf Bewährung

Stand: 10.12.2019 14:19 Uhr

Er studierte Betriebswirtschaft und Informatik, dann ging er zum Militär und anschließend in die Politik: Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed. Heute hat er den Friedensnobelpreis erhalten.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Nairobi

Der Jubel war riesengroß. Viele Menschen feierten im vergangenen Sommer das Friedensabkommen zwischen Äthiopien und Eritrea auf den Straßen. Für die beiden ostafrikanischen Länder ist es ungefähr so wichtig wie der Mauerfall für die Deutschen. Das Friedensabkommen beendete die jahrzehntelange Feindschaft zwischen Äthiopien und Eritrea, durch die Zehntausende Menschen getötet worden waren.

Maßgeblich dafür eingesetzt hat sich der junge, äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed. Anders als seine Vorgänger akzeptierte er die Grenzziehung zwischen Äthiopien und Eritrea, die 2002 von der internationalen Kommission der Vereinten Nationen festgelegt worden war und zog das Militär von der Grenze ab.

Dafür wird er heute mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. "Wenn Frieden zwischen Äthiopien und Eritrea herrscht, bringt das in allen Ländern am Horn von Afrika die Entwicklung voran", sagte Abiy nach dem Friedensschluss.

Verheiratet und drei Töchter

Doch wer genau ist der neue Nobelpreisträger eigentlich? Abiy ist 43 Jahre alt, verheiratet und hat drei Töchter. Geboren wurde er im kleinen Ort Beshasha mitten in Äthiopien. Sein Vater war Muslim, seine Mutter konvertierte Christin. Abiy lebt also von klein auf in zwei Religionskreisen.

Er wuchs in einer Militärdiktatur auf, in der sein Vater inhaftiert und sein Bruder umgebracht wurden. Verändern, das wollte Abiy schon damals. Bereits als Jugendlicher engagierte er sich politisch. Nach der Schule studierte Abiy Betriebswirtschaft und Informatik. Er ging zum Militär, machte dort eine Ausbildung im Bereich Telekommunikation.

Leitungsfunktion beim Geheimdienst

1995 wurde er als UN-Soldat in Ruanda stationiert - nach dem grausamen Völkermord. Später kämpfte Abiy in der äthiopischen Armee gegen Eritrea, konnte aber auch zwischen radikalen Muslime und orthodoxen Christen vermitteln.

In seiner Doktorarbeit beschäftigte sich Abiy später mit Lösungen für interreligiöse Konflikte. 2010 wurde er stellvertretender Direktor des Geheimdienstes, den er mit aufgebaut hatte.

EU-Kommissionschefin von der Leyen trifft in Äthiopien Premeirminister Abiy Ahmed. | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/REX
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Abiy Ahmed genießt internationales Ansehen: Die neue EU-Kommissionschefin von der Leyen traf ihn gleich zu Beginn ihrer Amtszeit.

Mit seinem politischen Durchbruch wechselte Abiy vom Funktionär zum Reformer. Er erzielte das Friedensabkommen mit Eritrea, ließ Gefangene frei und holte Frauen in die Politik. Für viele Äthiopier ist Abbiy schon jetzt ein Polit-Star. "Es ist großartig, dass er ein so positiv denkender Regierungschef ist. Er bringt uns voran", sagt ein junger Mann auf der Straße. Er habe viel getan in Ostafrika, sagt eine Frau. "Wir Äthiopier sind wirklich glücklich."

Mächtige Feinde im eigenen Land

Trotz seines internationalen Erfolgs hat Abiy im eigenen Land mächtige Feinde. Denn manche bleiben bei seinem schnellen, harten Reformkurs auf der Strecke. Das gilt auf für das Friedensabkommen, meint Dereje Feyisa, Professor an der Universität in Addis Abeba. Das Abkommen sei zu schnell durchgedrückt worden, sodass man mit der Umsetzung kaum hinterher komme.

Und dann sind da noch die ethnischen Probleme: Abiy gehört zur Volksgruppe der Oromo, und die fordern nun Vorteile von "ihrem" Präsidenten. Andere Volksgruppen dagegen bezweifeln, dass Abiy sie ebenbürtig vertritt.

Das größte Problem sind ethnische Konflikte

Die ethnischen Konflikte sind es, die den jungen Ministerpräsidenten und Nobelpreisträger zu Fall bringen können. Um an der Macht zu bleiben, muss er die Situation vieler Bürger dringend verbessern. Äthiopien verzeichnet zwar seit Jahren ein immenses Wirtschaftswachstum, die Mehrheit des Menschen lebt aber weiterhin in großer Armut.

Der Friedensnobelpreis dürfte daher auch als Ansporn für Abiy Ahmed gemeint sein.

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Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed ist der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2019. Seit seinem Amtsantritt am 2. April 2018 hat er Frieden mit dem einstigen Erzfeind Eritrea geschlossen, Tausende politische Gefangene freigelassen und verbotene Parteien wieder erlaubt. | Bildquelle: AFP

Porträt: Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed
Karin Bensch, ARD Nairobi
09.12.2019 15:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 10. Dezember 2019 NDR Info um 06:50 Uhr und Deutschlandfunk um 07:00 Uhr in den Nachrichten.

Korrespondentin

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