US-Außenminister spricht in New York. | Bildquelle: AP

US-Außenminister Pompeo Trump-Erklärer auf Deutschlandbesuch

Stand: 06.11.2019 12:09 Uhr

Mit keinem Minister seiner Regierung versteht sich US-Präsident Trump so gut wie mit Außenminister Pompeo. Nach Deutschland kam Pompeo bislang selten - jetzt steht der zweite Besuch des Trump-Erklärers an.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Bereits seit eineinhalb Jahren ist Mike Pompeo US-Außenminister. Dennoch ist es erst sein zweiter Deutschland-Besuch. In Deutschland unvergessen ist, dass Pompeo seinen Antrittsbesuch Anfang Mai nur wenige Stunden vor der Ankunft absagte, weil US-Präsident Donald Trump ihn wegen der Iran-Krise in den Irak schickte.

Keinem seiner Minister vertraut Trump so sehr wie Pompeo. Mit keinem anderen trifft er sich so häufig. Trump schätzt die joviale Art seines Außenministers. Anders als Amtsvorgänger Rex Tillerson ist Pompeo gegenüber Trump einhundert Prozent loyal, bis hin zur Selbstverleugnung. "Vom ersten Tag an habe ich mich mit Mike Pompeo gut verstanden. Unser Verhältnis ist sehr gut. Das brauche ich bei meinem Außenminister", so der US-Präsident.

Außenminister Pompeo mit US-Präsident Trump | Bildquelle: REUTERS
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Außenminister Pompeo geht öffentlich nicht auf Distanz zu US-Präsident Trump und gilt als äußerst loyal.

Pompeo erklärt Trump

Wenn Pompeo in den nächsten Tagen politische Gespräche in Leipzig und Berlin führt, dann können Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Bundesminister Heiko Maas, Olaf Scholz und Annegret Kramp-Karrenbauer zumindest sicher sein, dass ihr Gesprächspartner das Ohr des US-Präsidenten hat. Pompeo gilt in Washington als Trump-Versteher und Trump-Erklärer. Seine Reden enthalten gerne den Satz: "Dies ist, was Präsident Trump machen will."

Wegen seiner Nähe zu Trump hatten die Mitarbeiter im US-Außenministerium zunächst große Hoffnungen in ihn gesetzt. Unter seinem Vorgänger Tillerson war das State Department im Weißen Haus so gut wie abgemeldet. Das Ansehen in seinem Ministerium hat Pompeo aber spätestens seit den Enthüllungen zur sogenannten Ukraine-Affäre verspielt.

Weder wehrte er sich gegen die Schatten-Außenpolitik von Trumps persönlichem Anwalt Rudy Giuliani, noch verhinderte er die Ablösung der hochangesehenen US-Botschafterin in Kiew, Marie Yovanovitch.

Tiefe Enttäuschung unter Mitarbeitern

"Die Moral im Außenministerium ist erheblich gesunken", kritisierte der frühere Sprecher im State Department, John Kirby, auf CNN. Und weiter: "Die Mitarbeiter haben das Gefühl, Pompeo setze sich nicht für sie ein. Es gibt eine tiefe Enttäuschung, dass Pompeo die Karriere-Diplomaten nicht stärker verteidigt."

Ein langjähriger Mitarbeiter des Außenministeriums, Michael McKinley, trat aus Protest sogar zurück. Mehrfach habe er vergeblich Pompeo aufgefordert, die Karriere-Diplomatin Yovanovitch gegenüber Giulianis Schmutzkampagne zu schützen. Pompeo bestreitet dies.

Kritik an Deutschland und der EU

Auf Distanz zu Trump geht Pompeo nie - zumindest öffentlich. In den vergangenen Wochen war er häufiger in seinem Heimatstaat Kansas zu sehen als in seinem Ministerium in Washington. Immer wieder wird spekuliert, Pompeo sei amtsmüde und wolle sich für einen Sitz im Senat bewerben.

Insofern kommt ihm sein zweiter Deutschland-Besuch gelegen, um die Impeachment-Querelen hinter sich zu lassen. Politisch teilt Pompeo die Kritik des US-Präsidenten an Deutschland und der EU - vor allem mangelnde Verteidigungsausgaben, Trittbrettfahrer-Mentalität und EU-Bürokratie in Brüssel.

Pompeo kokettierte kürzlich damit, wie sehr seine Kritik an der multilateralen EU in der Brüsseler Rede vor einem Jahr "die alte Garde Europas" schockiert habe: "Solche Botschaften zu vermitteln, macht nicht immer Spaß. Ich war in einem kalten Saal in Brüssel, der nach meiner Rede noch kälter war."

Rückkehr an früheren Einsatzort

In Deutschland sorgt zumindest die Erinnerung an den Mauerfall vor 30 Jahren für wärmere Stimmung. Zumal der US-Außenminister vor dem Mauerfall als Soldat der Vereinigten Staaten an der innerdeutschen Grenze stationiert war. Sein geplanter Besuch in den US-Standorten in Grafenwöhr und Vilseck in der Oberpfalz ist also nicht nur Truppenbesuch, sondern auch Pompeos sehr persönliche Reise an seinen Einsatzort im Kalten Krieg.

In Leipzig trifft Pompeo in der Nikolai-Kirche dann auch noch mit Bürgerrechtlern der ehemaligen DDR zusammen.

Trump-Versteher und Trump-Erklärer: Pompeo reist nach Deutschland
Martin Ganslmeier, ARD Washington
06.11.2019 11:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 06. November 2019 um 06:47 Uhr im Morgenecho.

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