Mike Pompeo und Ashraf Ghani (R) in Kabul | Bildquelle: via REUTERS

Pompeo in Afghanistan Friedensgespräche in der Corona-Krise

Stand: 23.03.2020 11:36 Uhr

US-Außenminister Pompeo ist nach Kabul gereist, um über den Streit in der afghanischen Regierung und den Friedensprozess zu sprechen. Doch den Afghanen macht vor allem die Corona-Pandemie Sorgen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Ungeachtet der Corona-Pandemie ist US-Außenminister Mike Pompeo überraschend in Kabul eingetroffen, um den Friedensprozess in Afghanistan voranzubringen. Er will sowohl mit Präsident Ashraf Ghani Gespräche führen als auch mit dessen Rivalen Abdullah Abdullah, der sich ebenfalls zum Präsidenten ernannt hat.

In der Friedens-Vereinbarung von Doha haben die USA mit den Taliban eine Reduzierung ihrer Truppen in Afghanistan innerhalb von 14 Monaten vereinbart. Der Teilabzug von rund 5000 der insgesamt 13.000 US-Soldaten am Hindukusch hat bereits begonnen.

Streit gibt es noch um den Austausch von Gefangenen. Die Taliban sollen 1000 gefangene Soldaten freilassen, im Gegenzug sollen 5000 Taliban-Kämpfer freigelassen werden. Präsident Ghani lehnt dies jedoch ab, solange es keinen Waffenstillstand gibt.

Vor allem Grenzprovinz betroffen

Hilfsorganisationen betrachten die Ausbreitung des Coronavirus in Afghanistan mit großer Sorge. Die offizielle Zahl der Infektionen liegt jetzt bei 40, nachdem sich seit Sonntag sechs weitere Afghanen mit dem Virus infiziert haben.

Die neuen Fälle seien in der westlichen Provinz Herat aufgetreten, sagte Gesundheitsminister Ferozuddin Feroz dem Fernsehsender "TOLO News". Dort kommen täglich Tausende afghanische Migranten aus dem von der Pandemie besonders betroffenen Iran zurück über die Grenze.

Afghanische Gesundheitsfachkräfte messen die Temperatur von Einreisenden | Bildquelle: dpa
galerie

Afghanische Gesundheitsfachkräfte messen die Temperatur von Einreisenden in der Provinz Herat.

Mehr Rückkehrer

In der afghanischen Botschaft in Teheran herrscht deshalb offenbar Hochbetrieb. Seyyed Ebrahim Hejazadi, der für die Flüchtlinge zuständige Konsul, erklärte:

"Die Zahl der zurückkehrenden Afghanen hat sich vervielfacht. Vor allem seit sich das Coronavirus hier im Iran so stark ausbreitet. Die Leute haben Angst und viele haben wegen der wirtschaftlichen Lage auch ihre Arbeit hier verloren. Diese Rückkehrer machen der afghanischen Regierung große Sorgen. Unser Gesundheitssystem ist nicht so wie das hier im Iran, deshalb könnte das zu einer Explosion von Corona-Fällen führen, mit Hunderten Afghanen, die sich infizieren."

Ausbreitung in Afghanistan befürchtet

Shahvali Hosseini, ein afghanischer Flüchtling, der auf dem Basar in Teheran einen kleinen Laden betreibt, will lieber im Iran bleiben. In Afghanistan sei er vor dem Coronavirus auch nicht sicher. "Ich glaube, in den vergangenen Tagen ist die Zahl derer, die zurück nach Afghanistan wollen, stark gestiegen. Sie haben alle Angst vor dem Coronavirus. Aber zuhause gibt es auch Fälle."

Auch das Gesundheitsministerium in Kabul rechnet mit einer weiteren Ausbreitung des Virus in Afghanistan. Die Sache müsse sehr ernst genommen werden, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahidulllah Mayar, auf einer Pressekonferenz in Kabul. Menschenansammlungen und Reisen sollten vermieden werden.

Angriff auf afghanische Soldaten

Wie sich die Corona-Pandemie auf den Friedensprozess auswirkt, ist noch unklar. Die Taliban hatten ihre Kooperationsbereitschaft zugesagt, um die Ausbreitung im Land einzudämmen. Trotzdem hatte es am Freitag einen Angriff auf afghanische Sicherheitskräfte in der südlichen Provinz Zabul gegeben, bei dem 22 Soldaten getötet wurden.

In Gebieten, in denen die Taliban die Kontrolle haben, sind internationale Nichtregierungsorganisationen im Einsatz gegen die Pandemie. Deren Mitarbeiter klagten vor allem über fehlende Ausrüstung für Corona-Tests. Die Hilfsorganisationen würden aber nicht an ihrer Arbeit gehindert, hieß es.

Friedensprozess in Afghanistan trotz Corona
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
23.03.2020 11:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Dieser Beitrag lief am 23. März 2020 um 10:45 Uhr auf NDR Info.

Darstellung: