Der israelische Premier Netanyahu | Bildquelle: REUTERS

Botschafterin einbestellt Netanyahu verärgert Polen

Stand: 15.02.2019 19:54 Uhr

Schon wieder sorgen Äußerungen zum Holocaust für Ärger zwischen Polen und Israel. Dessen Premier Netanyahu wurde zitiert, Polen habe mit den Nazis kollaboriert. Warschau setzte auf Protest.

Äußerungen des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu über den Holocaust führen erneut zu Spannungen mit Polen. Das Außenministerium in Warschau bestellte die israelische Botschafterin Anna Asari ein.

Anlass war ein Interview, dass Netanyahu bei einem Besuch des Museums zur Geschichte polnischer Juden in Warschau gegeben hatte. Später zitierten ihn die Zeitungen "Jerusalem Post" und "Haaretz" mit den Worten, dass Polen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs mit den Deutschen kooperiert hätte.

Nur "falsch zitiert"

Polens Regierung sieht sich durch solche Aussagen diffamiert und bestellte Asari ein. Zudem soll der polnische Präsident Andrzej Duda angedeutet haben, ein für kommende Woche in Israel geplantes Treffen der sogenannten Visegrad-Staaten, zu denen neben Polen auch Tschechien, Ungarn und die Slowakei gehören, nach Warschau zu verlegen. Kurz darauf ruderte Krzysztof Szczerski, der Chef von Dudas Kanzlei, mit der angedrohten Absage aber wieder zurück.

Die israelische Botschafterin Asari | Bildquelle: dpa
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Die israelische Botschafterin Anna Asari

Denn sowohl Asari als auch das Büro Netanyahus versuchten, nach Veröffentlichung der Zeitungszitate die Situation zu entschärfen. Netanyahu sei lediglich "falsch zitiert" worden, hieß es vonseiten des Büros. Er habe nur "von einzelnen Polen gesprochen und nicht von dem polnischen Volk oder dem Land Polen". Auch Asari griff diese Erklärung in einer schriftlichen Mitteilung auf und fügte hinzu, Netanyahu habe lediglich dafür plädiert, dass niemand verklagt werden solle, der über jene Polen spreche, die mit den Nationalsozialisten kooperiert hätten.

Empfindliches Thema für Polen

Ihre Ausführung zielte auf das sogenannte Holocaust-Gesetz ab, dass Polen im vergangenen Jahr eingeführt hatte. Der ursprüngliche Entwurf des Gesetzes sah Geld- und Haftstrafen für diejenigen vor, die dem polnischen Staat oder Volk "öffentlich und entgegen den Fakten" die Verantwortung oder Mitverantwortung für Verbrechen des Nazi-Regimes zuschreiben. Nach heftigem Protest von Israel und den USA schwächte das polnische Parlament das Gesetz Mitte des Jahres ab und strich die Haftstrafen.

Neue Spannungen zwischen Polen und Israel
Jan Pallokat, ARD Warschau
16.02.2019 06:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2019 um 13:10 Uhr, 19:10 und 23:40 Uhr sowie am 19. Februar 2019 um 06:25 Uhr.

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